Bundesverdienstkreuz für Roland Schmid

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Roland Schmid mit Frédéric Mungombo (Bois Fleuri)

32 Jahre hat unser Autor Roland Schmid für den Rat der Europäischen Union in Brüssel als Übersetzer gearbeitet. Daneben engagierte er sich ehrenamtlich für das Erbe belgischer Widerstandskämpfer, ganz besonders für das Atelier des Malers Marcel Hastir im Quartier Léopold. Am 7. Dezember 2012 wird er für seinen Einsatz das Bundesverdienstkreuz überreicht bekommen, möchte es aber auch dem verstorbenen Marcel Hastir und all seinen Freunden von der Fondation Atelier Marcel Hastir gewidmet sehen.

Roland Schmid ist ein leiser und freundlicher Mensch, sensibel, musisch und unprätentiös, dabei aber enorm begeisterungsfähig, immer offen für Ungeplantes. Seine 59 Jahre merkt man ihm nicht an. Er studierte Sprachen in Germersheim. Dann ermöglichte ihm ein Stipendium das Studium der internationalen Beziehungen in Nizza, bevor er 1979 nach Brüssel kam.

Ein Wanderer zwischen den Welten

Er ist ein Wanderer zwischen den Welten. Beruflich war er es, bis zu seiner Pensionierung, als Übersetzer für den Rat der Europäischen Union. In ganz anderer Weise ist er auch privat ein Grenzgänger – spätestens seit er durch eine Verkettung von Zufällen auf den belgischen Künstler Marcel Hastir aufmerksam wurde, dessen Atelier zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg ein Hort für Verfolgte und eine Anlaufstelle für Widerstandskämpfer war.

Entscheidend war dabei das Buch der mittlerweile verstorbenen ehemaligen „Spiegel“-Korrespondentin Marion Schreiber über die belgischen „Stillen Rebellen“, die im Jahr 1943 jüdische Häftlinge des 20. Deportationszuges Mechelen-Auschwitz befreiten. Das darin genannte Atelier des Malers Hastir erschien Roland Schmid als der perfekte Aufführungsort in Brüssel für eine deutsche Theatertruppe und deren Bühnenversion von Jurek Beckers Roman „Jakob der Lügner“, der in einem namenlosen Ghetto in Osteuropa spielt.

Doch, unglaublich – das Haus in der Rue du Commerce 51 im Quartier Léopold sollte abgerissen werden! Im Gespann mit seinem Kollegen und Freund Horst Schröder wurde zur Rettung des Ateliers in buchstäblich letzter Sekunde eine Bürgeraktion entfacht und sodann eine juristische Auseinandersetzung betrieben, über deren Verlauf Roland Schmid auch auf www.belgieninfo.net mehrmals berichtete.

Musealer Ort

Marcel Hastir starb im Juli 2011 im Alter von 105 Jahren. Die Fondation Atelier Marcel Hastir bemüht sich nun darum, die Anerkennung des Hauses als musealen Ort zu erwirken und dringende Erhaltungsarbeiten durchzuführen. Zugleich wird von zahlreichen Freiwilligen das Veranstaltungsangebot im Hause aufrechterhalten.

Capture d’écran 2014-06-22 à 13.10.03Ebenfalls durch Marion Schreibers Buch lernte Roland Schmid die als Psychologin tätige Régine Krochmal kennen, die aus dem 20. Deportationszug flüchten konnte, aber zu ihrer Widerstandsgruppe zurückkehrte und erneut verhaftet wurde. Sie hatte die Adresse Marcel Hastirs von Mithäftlingen als mögliche Anlaufstelle genannt bekommen. Auch Régine Krochmal, die es in bewundernswerter Weise verstanden hat, trotz Qualen und Misshandlungen eine positive Lebensbotschaft zu entwickeln, stand Roland Schmid sehr nahe, bis sie im Mai 2012 im Alter von 91 Jahren verstarb.

http://www.belgieninfo.net/artikel/view/article/nimm-versteck-es-und-spring/

Doch das Buch „Stille Rebellen“ zog noch weitere Kreise: Roland Schmid hatte nach dessen Lektüre versucht, den direkt an der Aktion gegen den 20. Deportationszug beteiligten und überlebenden Widerstandskämpfer Robert Maistriau zum Engagement für das Atelier Marcel Hastir zu bewegen. Sie wurden Freunde – und Schmid engagierte sich seitdem auch für den Fortbestand des Lebenswerks von Robert Maistriau.

Robert Maistriau im Kongo

Dieser war nach dem Krieg in den Kongo ausgewandert und hatte in der Region von Kikwit in vielfältiger Weise wirtschaftliche, soziale und ökologische Pionierarbeit geleistet, vor allem durch den Unterhalt der Sandpisten der Region, die Aufzucht einer großen Viehherde, die auf Savannenboden geglückte Baumpflanzung „Bois Fleuri“ und die Einrichtung einer Schule für die Kinder mehrerer umliegender Dörfer.

Diese Aktivitäten werden nun, nachdem der noch heute in der Gegend hoch geachtete Robert Maistriau im September 2008 starb, von der Fondation Robert Maistriau weiter betrieben. Auch hierüber hat unser Autor wiederholt berichtet:

http://www.belgieninfo.net/artikel/view/article/stille-rebellen-fuer-den-kongo-teil-1/

http://www.belgieninfo.net/artikel/view/article/stille-rebellen-fuer-den-kongo-teil-2/

Fast paradiesisch

Roland Schmid ist zuweilen vor Ort im Kongo. Schon Weihnachten 2010 verbrachte er in Kikwit, wegen Fahrzeugpanne hängengeblieben auf dem Weg nach Bois Fleuri: „Draußen schwarze Nacht, abgesehen von ein paar einäugigen Fahrzeugen. Der Stromgenerator gottlob so weit entfernt, dass er nur brummend zu vernehmen ist. Fast paradiesisch, fast… Jeder Griff in die Tastatur bewegt die Maschinerie zu oft minutenlangem Nachdenken. Aber die Stimmung im Lokal ist friedlich, geduldig,“ berichtete er der Belgieninfo-Redaktion damals, „aus dem tiefen Süden, bei 26° C Nachttemperatur, grob geschätzt“.

Doch neben aller Tropen-Romantik geht es Roland Schmid und den übrigen Mitgliedern der Fondation Robert Maistriau ganz konkret darum, die Lebensbedingungen für rund 400 Menschen in und um Bois Fleuri zu verbessern und so vor allem die Jugend davon abzuhalten, eine ungewisse Zukunft in Kinshasa zu suchen. Dazu soll unter anderem eine bessere Versorgung mit Wasser, die Nutzung der Sonnenenergie für elementare Zwecke, ein Lehrangebot für die Jugendlichen und eine Verbesserung der Kommunikationsmittel gehören.

„Ich habe das Glück gehabt, drei Widerstandskämpfer persönlich kennenzulernen. Das hat mein Leben verändert. Sie haben mich als Freund behandelt, woran meine deutsche Herkunft sie offenbar nicht hinderte.“

Ein Bundesverdienstkreuz bringt Publizität

Über das Bundesverdienstkreuz, das ihm am 7. Dezember im Atelier Marcel Hastir überreicht werden soll, wird er sich sicher freuen. Wichtiger dürfte ihm aber – wie wir ihn kennen – die damit verbundene Publizität und Unterstützung für die Projekte Hastir und Maistriau sein.

Fondation Atelier Marcel Hastir : https://sites.google.com/site/ateliermarcelhastir/

Fondation Robert Maistriau : roland.schmid(at)pandora.be

 

 

Autor: Renate Kohl-Wachter

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