Wohin mit den Visitenkarten? Die Methode à la Frank Schwalba-Hoth

d5a30f7dd2Der Netzwerker Frank Schwalba-Hoth, Gründungsgrüner und unentbehrlicher europäischer Gesellschaftsvereiner, hat soeben wichtige Gebrauchsanweisungen für erhaltene Visitenkarten ausgegeben. 

Es ist eine Krux. Reizende Menschen, intensive Gespräche über sichere Geschäftsverbindungen, tiefe Blicke in grüne Augen – und ganz zum Schluss das Drama der Visitenkarten. Wo habe ich sie nur? Der Routinier flezt sie aus der Hosentasche, der Gebildete greift in die Jacke, der Ästhet hat ein eigenes, mit Monogramm verziertes Etui, aus dem er mit spitzen Fingern ein kleines Stückchen Tiefdruckpappe entnimmt. „Danke“, sagt man, „hier ist meine“. Bitten rufen Sie mich an – mailen Sie mir – ich habe jederzeit für Sie einen Termin frei. Man geht auseinander, und alles war gelogen. Oder?

Dabei kommt das eigentliche Problem noch. Was zu Hause tun mit den mitgebrachten Visitenkarten? Ist dieser Herr X aus der Generaldirektion Y wirklich so wichtig für mich, wie es den Anschein hatte? Hatte der gesprächige Intellektuelle wirklich mehr als nur drei Bücher gelesen? Lohnt es sich wirklich, diese Dame mit den schmalen Hüften wiederzusehen? Und so fort.

Der Netzwerker Frank Schwalba-Hoth, Gründungsgrüner und unentbehrlicher europäischer Gesellschaftsvereiner, hat soeben wichtige Gebrauchsanweisungen für erhaltene Visitenkarten ausgegeben. Erstens: nie wegwerfen. Man kann nie wissen. Vor allem nicht in Brüssel, wo sich auf der Häppchenmeile alle irgendwann einmal wiedertreffen. Zweitens: ein Gebrauchssystem für erhaltene Visitenkarten in die Tat umsetzen. Man kann dafür den Computer einsetzen, vorausgesetzt, man kann es. Deshalb dann auch drittens: den Ort eintragen, an dem man die Visitenkarte erhalten hat. Das Datum nicht vergessen, viertens. Fünftens ein paar Worte über den betroffenen Menschen eintragen, mit dem man sich so wunderbar unterhalten hat.

Nie wegwerfen

Franks ultimativer Handlungsauftrag mag von vielen als Belastung empfunden werden: es gilt, umgehend den Menschen auf der Visitenkarte anzurufen und sich bei ihm für das nette Gespräch des Vorabends zu bedanken. Und dann an jedem Geburtstag, den man sich doch notiert hatte, oder nicht? anrufen und zum Geburtstag gratulieren.

„The ordinary Brussels game“, nannte Schwalba-Hoth dieses Vorgehen bei einem Walking Dinner der Reist Consulting Group aus dem 20. Stock des Bastion Tower an der Place du Champ de Mars. Wie man sein Leben à la Frank gestalten soll: 70 Prozent echte Arbeit, 15 Prozent Spaß, 15 Prozent Networking – Verbindungen knüpfen und erhalten, Visitenkarten-Handling eingeschlossen; so will er das Leben aufteilen. Schlafen muss man natürlich auch noch.

Autor: Rudolf Wagner

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