Warum Kinder gerne ins Museum gehen

Von Sibylle Schavoir.

Geschäftiges, pulsierendes Treiben umgibt die Kathedrale Saint-Paul von Lüttich. Sie befindet sich im Herzen der Groβstadt und groβ ist auch die Anzahl der gut besuchten Cafés und Bistros, die sich um die Kathedrale herum angesiedelt haben. Doch ihre dicken Mauern trotzen dem Lärm, der sie umgibt. So findet der Besucher im Innern der Kathedrale die gewünschte Ruhe zur Andacht oder zum Gebet. Und etwas Neues ist hinzugekommen: Saint-Paul von Lüttich will nicht länger nur eine Kathedrale sein. Sie hat sich erweitert und ein Museum eröffnet. Gesammelt wurden aus zahlreichen Kirchen der Stadt historisch wertvolle religiöse Objekte, über die der Besucher die Geschichte des Fürstentums erfahren kann. Der Historiker und Wissenschaftler Alexandre Alvarez arbeitet für den „Trésor de la Cathedrale de Liège“ . Sein Wunsch ist es, „den Kirchenmythos etwas zu entstauben, zu entkalken, ihre Geschichte interessanter darzubringen. Auch Kinder und Jugendliche möchte er mit der Museumsausstellung anziehen.

Im Museum muss man nicht still sein

Und tatsächlich kommen sie auch. Seit es sich herumgesprochen hat, dass man in dem Museum nicht still sein muss, sondern sich unterhalten darf und ausserdem wunderschöne Objekte zu sehen sind, kommen auch junge Menschen. Besonders Kinder begeistern sich für alles, was glänzt und glitzert. Herr Alvarez hat eine besondere Begabung, junge Menschen für die Kirchengeschichte zu interessieren. Zu Beginn einer Führung zeigt er der jugendlichen Gruppe zunächst eine Karte aus dem Mittelalter und erklärt dann wie folgt: „Wo heute der Pizza Hut steht, war zu jener Zeit Sumpflandschaft. Wir hätten also mit einem Kanu fahren müssen“. Die Gruppe amüsiert sich.

Dann führt er sie zu einem alten Gemälde, welches den Namen „La Vierge aux papillons“ trägt (Die Jungfrau mit den Schmetterlingen) und schlägt der Gruppe vor, die Schmetterlinge ausfindig zu machen. Den ersten, den die Jungfrau dem Jesuskind überreicht, finden sie schnell. Auch der zweite wird schliesslich gefunden. Und weiter geht es zur Büste des „Saint-Lambert“. Fünfhundert kostbare Steine schmücken die Büste. Zur Feier einer Prozession benötigt man 6 Träger, um die 80-90 Kilo schwere Büste tragen zu können.

Die Geheimnisse der religiösen Kunst

Gemälde und Reliquien erwecken das Interesse von Kindern und jungen Menschen nur, wenn ihnen die Geschichte, die dahinter steckt, geheimnisvoll und spannend erzählt wird. Sie lieben es, etwas auf dem Gemälde zu entdecken: Eine Nuss, eine Weintraube, eine Flasche Wein oder eben einen Schmetterling, Symbol des Geistes und der Auferstehung. Vielleicht entdecken sie auch einen Geheimcode? Angetan sind sie von Tieren auf alten Gemälden. Da gibt es Vögel, Papageien, Katzen, die menschenähnliche Züge haben und die die Jugendlichen zum Lachen bringen. Sich über erwachsene Menschen lustig zu machen findet die Gruppe einfach toll (super!!). Herr Alvarez ist zufrieden. Mit der Führung durch das neue Museum der Kathedrale Saint-Lambert hat er erreicht, was er sich zum Ziel gesetzt hat. Junge Menschen für die Kirchengeschichte zu interessieren. Es genügt eigentlich, mit etwas Humor und Spannung die sonst etwas „blasse“ Geschichte anzureichern.

Ein Kommentar

  1. Alfons Van Compernolle schreibt:

    Wer die Geschichte nicht kennt , hat / bekommt Probleme die Gegenwart richtig einschaetzen zu koennen und seine Zukunft richtig und angemessen planen zu koennen.

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