Vorerst keine weiteren Lockerungen – Belgien reagiert auf steigende Anzahl von Coronavirus-Infektionen

Von Michael Stabenow.

Nach einer aktuellen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats, dem die Spitzen der Föderal- und Regionalregierungen angehören, sagte Premierministerin Sophie Wilmès am Mittwoch, die derzeitigen Corona-Regeln blieben bis auf weiteres in Kraft. Die zuletzt wieder angestiegene Anzahl von Infektionen mit dem Corona-Virus macht die Aussicht auf mehr Lockerungen zunichte. 

Jüngste offizielle Statistiken der Gesundheitsbehörde Sciensano bestätigen, dass die Neuinfektionen im Durchschnitt der vergangenen Woche um gut zehn Prozent, auf über 95, pro Tag angestiegen sind. Mit rund zehn neuen Krankenhausaufnahmen pro Tag und im Schnitt 1,6 Sterbefällen täglich, bewegt man sich dagegen weiter auf niedrigem Niveau. Dennoch sagte Wilmès: „Der jetzige Trend ist nicht gut“.  Sollte er sich verstetigen, werde es „gegebenenfalls auch strengere Maßnahmen geben“ müssen.

Schon Ende vergangener Woche hatte sich der Sicherheitsrat dem Druck zahlreicher Virologen und anderer Mediziner gebeugt. Nach längerem Zögern entschied er sich zur Einführung einer Pflicht zum Tragen von Mund-Nase-Masken in sämtlichen Geschäften und öffentlichen Räumen. Anlass zur Sorge gibt auch, dass der sogenannte Reproduktions- oder R-Wert zuletzt nach Erkenntnissen der Universitäten Antwerpen und Hasselt auf 1,05 gestiegen ist. Sciensano nannte dagegen am Mittwoch einen R-Wert von 0,86.

Regierungschefin Wilmès sagte, sie vertraue auf die „kollektive Intelligenz“ der Bevölkerung, die in den vergangenen Woche eine deutliche Verringerung der Zahl der Neuinfektionen ermöglicht habe. Es sei nun zu ergründen, warum es zu der jüngsten Zunahme gekommen sei. Die Tatsache, dass sie besonders in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren zu beobachten ist, scheint zu belegen, dass sich eine Reihe jüngerer Menschen nicht ausreichend an die Sicherheitsvorkehrungen – insbesondere den einzuhaltende Mindestabstand von 1,5 Metern – hält.

Ampelsystem für Urlauber
Obwohl sich Virologen in Belgien uneins sind, ob nun bereits eine „zweite Welle“ von Infektionen rollt, herrscht Einigkeit darüber, dass besondere Vorsicht geboten sei. Dies gilt nicht zuletzt für Urlauber, die in den kommenden Wochen verstärkt aus den Feriengebieten im Ausland heimkehren werden. Ein dafür speziell entwickeltes Ampelsystem hat wegen mehrfach wechselnder und widersprüchlicher An- und Aussagen offizieller Stellen für erhebliche Verwirrung und Unmut gesorgt. Klar ist, dass sich Urlauber, die aus Rot eingestuften Gebieten – wie derzeit ganz Schweden sowie kleinere Regionen Portugals und Spaniens – zurückkehren, auf das Virus testen lassen und 14 Tage in Quarantäne begeben müssen. Keinerlei Einschränkungen gelten  – jenseits  der generellen Vorsorgemaßnahmen – für grün eingestufte Regionen. Derzeit gilt das für einen Großteil des Territoriums der EU-Staaten. Dass für orange eingestufte Gebiete eine Art Zwischenlösung gelten soll, steht außer Frage. Aber auch am Mittwoch herrschte nach dem Hin und Her der vergangenen Tage weiter Verwirrung, wie sich heimkehrende Urlauber aus entsprechenden Regionen korrekt verhalten sollen oder müssen.

Auf der Website des  Außenministeriums wurde weiter der Eindruck erweckt, dass bei der Rückkehr aus orangefarbenen Gebieten – zum Beispiel Oberösterreich, Bulgarien, Rumänien oder auch Schweden – Tests und Quarantäne unumgänglich seien. Auf der offiziellen Website www.info-coronavirus.be werden Heimkehrer dagegen lediglich „gebeten, auf Ihre Gesundheit zu achten und beim geringsten Zweifel Ihren Hausarzt zu kontaktieren, um einen Test durchzuführen. Bei verdächtigen Symptomen sollten Sie sich bis zum Arzttermin in häusliche Quarantäne begeben.“

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