Von Ameisen und weißen Ratten

PeterKogler_copyright Peter KoglerVon Margaretha Mazura.

Rohrleitungen und Labyrinthe – wenn es darum geht, die Kunst des Innsbruckers Peter Kogler zu beschreiben, dann spielt die Dynamik der Linie in allen Formen eine Hauptrolle. Er bevölkert damit Wände, Decken, Ausstellungshallen und öffentliche Räume, die nicht zu Kunstausstellungen geschaffen wurden, wie etwa U-Bahn-Gänge. “Meine Kunst kann man im Vorbeigehen wahrnehmen – oder davor stehenbleiben, für eine Totalimmersion” sagte Kogler in einem Interview.

Im ING Art Centre hat er neue Werke geschaffen und alte wiederverwertet. “Die Wiederholung ist für mich eine Methodik”, so der Künstler. Er schaffte eine Arbeit im Raum, am Raum. Kogler begann 1984 mit dem Computer zu arbeiten. Seitdem fließt die digitale Revolution in sein Werk ein. Ihm kommt seine frühe Begegnung mit Filmarchitektur zugute, vor allem frühe Filme des deutschen Expressionismus, wie etwa “Metropolis”. Die Filmarchitektur ist ein “medialer Raum”, den er in seine Ausstellungen transponiert und immer wieder, immer gleich, immer anders zu gestalten weiß. Der Zuschauer steht inmitten von wogenden Wellen, die über ihm zusammenzustürzen scheinen.

Beunruhigend laufende Ratten im Rohrlabyrinth

Und zwischen dem wallenden schwarz-weißen Linienmeer, manchmal von Ameisen, ebenfalls schwarz auf weiß, bevölkert, kann man rote Farbakzente beobachten oder weiße Ratten auf schwarzem Hintergrund. Ameisen und weiße Ratten benutzt Koglers als Metapher für die Kollektivität, die Masse und die Zwiespältigkeit menschlichen Empfindens: einerseits lästiges Insekt oder angsterregender Schädling, andererseits Symbol des Fleißes oder aber Labortier mit hoher Intelligenz. Was beide Tieren gleichermaßen verbindet, ist ihr hochentwickeltes, soziales System.

Für das 30-jährige Bestehen des ING Art Centers hat Kogler die Ausstellungsräume “appropriiert” (im Sinne der künstlerischen Sich-Aneignung vorhandener Dinge und Werke), Videos kreiert und eine Projektion auf der Fassade des ING Gebäudes Avenue Marnix geschaffen. Eine belgische Premiere, die Kunstfreunde nicht nur in das Art Center, sondern auch auf die Straße locken wird.

Praktische Informationen:
Dauer: Bis 19. Juni 2016
Öffnungszeiten: Di. bis So. und Feiertag 11 bis 18 Uhr; mittwochs bis 21 Uhr geöffnet
Adresse: ING Art Center, Mont des Arts/Place Royale 6, 1000 Brüssel
Eintritt: 10 EUR; 8 EUR via Internet; für ING Kunden mit ING Bankkarte freier Eintritt
Da der ING Art Center 30-jähriges Jubiläum feiert, haben alle, die 2016 30 Jahre alt werden, freien Eintritt (Jahrgang 1986; Ausweis vorzeigen).
Webseite (auf Englisch): https://about.ing.be/About-ING/Art/next-Peter-Kogler.htm
Video Beispiel der Ausstellung: https://about.ing.be/About-ING/WebTV.htm?ctid=83373
Mehr über Peter Kogler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Kogler
http://www.kogler.net

Tags: Kogler, Kunst

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