Verleihung des Georg-Pröpstl-Preises der BBG

Von Susanne Fexer-Linder.

Die Belgisch-bayerische Gesellschaft (BBG) hat den diesjährigen Georg-Pröpstl-Preis an Dr. Bernhold Schmid verliehen. Der Preis geht an einen Bayern, der über einen Belgier forscht, der wiederum in Bayern großartige Musik komponiert hat.

Aber gehen wir der Reihe nach vor.

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München hatte vom 22. – 24. Februar unter der Schirmherrschaft von Herzog Franz von Bayern zu einer Tagung eingeladen, die von Prof. Dr. Andrea Gottdang von der Universität Salzburg initiiert und organisiert wurde:

„Andacht – Repräsentation – Gelehrsamkeit

Der Bußpsalmencodex Albrechts V.“.

Namhafte Wissenschaftler aus verschiedenen Ecken Europas der Fachrichtungen Geschichte, Theologie, lateinische Philologie, Kunst und Musik waren zusammengekommen und gaben den Teilnehmern in fesselnden und aufschlussreichen Vorträgen Einblicke in diesen Prachtcodex und seine Entstehungszeit. Nicht nur die musikalische Tradition, der Verfasser und sein Illustrator wurden vorgestellt, auch der Rang der Kunstpflege an Albrechts V. Münchener Hof wurde eingehend beleuchtet.

Der Bußpsalmen-Codex des Orlando di Lasso

Im Rahmen dieser Tagung traf man sich am 23. Februar in der Münchner Herz-Jesu-Kirche, einem großen, modernen, schlichten, in gedämpftes Licht getauchten Kirchenraum, zu einem abendlichen Konzert, das die BBG finanziell unterstützt hat. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, ein großer Bildschirm, acht Sänger, eine Sprecherin erwarteten die Besucher.

Die Honoratioren des Abends, in der Mitte der Preisträger und der Präsident der BBG, Prinz Albert-Henri de Merode.

Eine prachtvolle Foto-Video-Präsentation von Dr. Andreas Wernli, der das Konzert konzipiert hatte, zeigte dann in der Kirche Ausschnitte herrlicher Malereien mit Texten und Partituren aus dem Bußpsalmen-Codex, den Orlando di Lasso, Wallone aus Mons und Hofkapellmeister in München, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts am Münchner Hof im Auftrag von Herzog Albrecht V. verfasst und komponiert hatte. Die Malerei, aufs Feinste auf den jeweiligen Text abgestimmt, mit moralisch-theologischen Illustrationen, Personifizierungen der Tugenden und Laster, mit Anspielungen auf das Leben der Zeit, stammen von Hans Mielich, einem Münchner jener Zeit. Die vierhundert Seiten des Codex’ sind mit weit mehr als tausend Szenen illuminiert. Hans Mielich hat diese Arbeit in elf Jahren ausgeführt und vieles erinnert in seiner farbenreichen Gestaltung an Albrecht Altdorfer oder Matthias Grünewald.

Stille herrschte im Raum, das Publikum war wie verzaubert, als die „Singphoniker“, ein weltweit aktives Vokalensemble von sechs stilsicheren Sängern, mit einer Sopranistin und einem Contratenor als Gästen, diese Texte aus dem Codex in engelsgleiche Melodien verwandelten. Die testamentarischen Texte wurden jeweils zuvor in schöner Artikulation von der Sprecherin gelesen.

Engelsgleiche Melodien

Der Codex – auch das schönste Chorbuch der Welt genannt – ist eine unglaublich wertvolle Prachthandschrift, die als solche in der Münchner Staatsbibliothek im Tresor ruht und sowohl als Andachtsbuch, Repräsentationsobjekt, Enzyklopädie und Chorbuch diente, das das Bekenntnis des Herzogs zum katholischen Glauben in jener Zeit der Gegenreformation deutlich manifestierten sollte.

An den geistlich-musikalischen Teil des Abends schloss sich der akademisch-gesellige Teil im Pfarrsaal von Herz Jesu mit der Preisverleihung an. Der Bezug zu Belgien ist bereits mit dem in Europa weit gereisten Orlando di Lasso aus der Wallonie gegeben, aber nun soll der Preisträger vorgestellt werden. Dr. Bernhold Schmid befasst sich seit 25 Jahren als Musikwissenschaftler und Philologe mit dem Oeuvre des Orlando di Lasso und ist gleichzeitig als Mitarbeiter der Musikhistorischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften für die Orlando di Lasso-Gesamtausgabe zuständig.

Königliche Hoheiten

In Anwesenheit der Königlichen Hoheiten, des BBG-Vorstandes und vieler Gäste hielt Prof. Dr. Katelijne Schiltz vom Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Regensburg die Laudatio auf den Preisträger. Sie ist Belgierin und wohnt seit langem in Bayern, kennt als Fachkollegin aufs beste Schmids umfangreiches Wissen, seine Forschungsergebnisse, seine Vorträge, Veröffentlichungen, CD-Projekte, seine Preise und schließlich auch die Edition der Gesamtausgabe von Orlando di Lassos Werken.

Prof. Schiltz gelang es, auf heitere und sehr herzliche Weise ihre Hochachtung und ihre Sympathie für den Preisträger zu formulieren und ihm für seine Offenheit und seine Hilfsbereitschaft bei der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu danken. Dabei äußerte sie die Vermutung einer geistigen Verwandtschaft zwischen dem Forscher und seinem Forschungsobjekt, nämlich den gemeinsamen leichtfüßigen Humor und die gemeinsame Kenntnis der großen Vielfalt der musikalischen Gattungen, sowohl bei Orlando wie bei Schmid. So gehen Dr. Bernhold Schmids Forschungen weit über die Arbeiten an Orlando di Lassos Werk hinaus.

Der Georg-Pröpstl-Preis wird, so Prof. Schiltz, als Anerkennung für Engagement und Leidenschaft im Brückenschlag zwischen Belgien und Bayern verliehen.

Freude und Dank prägten die anschließenden Worte des Preisträgers.

Zum Abschluss des Abends überreichte der Präsident der BBG, Prinz Albert-Henri de Merode, im Beisein des BBG-Vorstandes den Preis in Form von Urkunde und Scheck.

Anschließend ging der Abend über in einen kulinarischen Empfang, der vom bayerischen Zweig der BBG unter der Ägide von Claudia Hopp ausgerichtet wurde und einen vorzüglichen Rahmen für Gespräche und für die Anknüpfung und die Pflege von Kontakten bot.

Ein Kommentar

  1. Dieser Artikel beschreibt sehr feinfühlig und hervorragend, wie der Abend verlaufen ist. Bravo Susanne!

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