Kultur

Verbeke Foundation bietet Kunst und Kultur

Von Anne Kotzan.

Die Verbeke Foundation ist ein ganz besonderer Ort, gut versteckt am Expresweg/E34 von Antwerpen nach Knokke an der Parallelstraße Westakker gelegen. Die Abgelegenheit verdeckt, die Tatsache, dass es sich bei der Stiftung um die größte Privatinitiative in Sachen Kunst in Europa handelt. Sieht man von der Straße eine Herde Elefanten, die am Rande des Kiefernwalds entlangzuziehen scheinen, hat man sein Ziel beinahe erreicht. Das Gelände bietet Kunst im Dialog mit Natur und macht Grundfragen zu unserer Existenz erfahrbar und will einen Ort der poetischen Erfahrung von zeitgenössischer Kunst bieten.

Gegründet wurde die Stiftung 2007 von den Kunstsammlern Geert und Carla Verbeke-Lens. Auf einem 12 Hektar großen Naturgebiet und 20.000 Quadratmetern überdachter Ausstellungsfläche wird den Besuchenden zeitgenössische Kunst präsentiert. Hervorgegangen aus einem Logistik-Unternehmen im Hafen von Antwerpen, widmet sich das Stifterpaar mit seinen Sammlungen vor allem dem Aspekt, der Verbindung von Kultur, Natur und Ökologie. Permanente Ausstellungen diverser Collagen und Assemblagen, werden mit regelmäßigen Wechselausstellungen ergänzt. Die oben erwähnte Elefantenherde besteht beispielsweise aus täuschend echt aussehenden Holzskulpturen von Andries Botha aus Südafrika, der sein 2006 geschaffenes Werk „You can Buy my heart and my soul“ genannt hat.

„Der Sinn der Existenz ist die Anhäufung von poetischen Momenten“, hat der bekannte belgische Künstler, Poet und Ingenieur Panamarenko (1940-2019) einmal gesagt. Seine Skulptur „Ferro Lusto“ dominiert die große Ausstellungshalle. Trotz ihrer Größe wirkt sie leicht und filigran zugleich, sie schein aus Pergament gebaut, eine fliegende Untertasse aus Urzeiten? Von September bis Dezember wurde sie hier vor Ort sorgfältig restauriert und hat nun ihre alte Strahlkraft zurück. Neben zwei weiteren bedeutenden Skulpturen sind, begleitet vom Geschrei der von Panamarenko lieb gewonnenen Papageien, selten zu sehende persönliche Objekte ausgestellt; Spielzeug, kleine kinetische Skulpturen, Dokumente sowie seine extravaganten Outfits. Unter dem Titel „Panamarenko Tribute II, Journey to the Stars“ bildet die Show einen Teil der diesjährigen Winterausstellung mit sieben weiteren künstlerischen Positionen.

Eine Entdeckung ist Albert Szukalski (DE 1945 – BE 2000), ein noch nahezu unbekannter Künstler, der in den 1970er Jahren eine der schillerndsten Gestalten in der Antwerpen Kunstszene war. Die Stiftung widmet ihm nun eine erste Retrospektive, in der mehr als hundert Assemblagen, Skulpturen, Collagen, Zeichnungen und Gemälde einen lebendigen Eindruck von seinem kreativen Schaffen geben. Eine seiner Stärken war es, gewöhnliche Alltagsgegenstände zu befremdlichen, humorvollen, aber auch makabren Bildwerken zusammenzufügen. Am bekanntesten sind wahrscheinlich seine Spukgestalten, von denen er hunderte Variationen produziert hat. Auch Sprache spielt eine Rolle in seinem Werk, so sieht man sich selbst im Spiegelkasten mit Untertiteln wie “who am I to advice an expert?“ oder „identified standing object“.

Von Albert Szukalski ist es nicht weit bis zur Treppe, die zu den bizarren Architekturen von Luftwachtürmen der 1950er Jahre führt,  die Herman van den Boom (1950) in einer Porträtserie verewigte. Er fotografierte die letzten erhaltenen Exemplare, die in den Niederlanden bis in die 1960er Jahre dazu dienten, mit dem Feldstecher feindliche russische Flugzeuge auszumachen. In seinen Bildern hat er sie zu Skulpturen gemacht, Skulpturen die die Fantasie anregen, aber auch stille Zeugen des Kalten Krieges sind.

Die eingangs erwähnte Beziehung zwischen Kunst, Natur und Grundfragen zu unserer Existenz thematisiert sich vor allem in der Wunderkammer/The Accused, die der Amerikaner Mark Dion (1961) speziell für die Verbeke Foundation entwickelte. Sie wird nach Ende der Winterausstellung zum Bestandteil der permanenten Ausstellung. Es hat etwas befremdliches, durch die blutrot gestrichenen Räume zu gehen, die angefüllt sind mit Tausenden ausgestopfter Tiere, mal in einem alten hohen Vitrinenkasten zusammengepfercht, mal als Sammlung seltener Vögel hübsch drapiert, vorbei an Schmetterlingskästen, aufgepickten Insekten, Muschelkörben und so fort. Seine aus verschiedenen naturhistorischen Sammlungen zusammengetragenen Objekte präsentiert Dion inspiriert von den Wunderkammern des 16. und 17. Jahrhunderts. Er untersucht, wie die jeweils herrschenden wissenschaftlichen Auffassungen unser Wissen und unsere Wahrnehmung von der natürlichen Welt beeinflussen. In seinen Raritätenkabinetten konfrontiert er uns auf subjektive Weise mit dem wissenschaftlichen Umgang mit Natur und hinterfragt somit unsere Einstellung zur Natur und zum Leben.

Diese vier hier vorgestellten künstlerischen Positionen der noch bis zum 18. April laufenden Winterausstellung sollen die Neugier anregen. In der Halle, dem Wintergarten, dem Collagenmuseum und vor allem in dem weitläufigen Naturgelände mit Teich gibt es noch unendlich viel mehr Kunst zu entdecken.

www.verbekefoundation.com

Auf der Website findet man alle Informationen zu Öffnungszeiten, der Ausstellungen sowie des Shops mit den hauseigenen Publikationen, zuletzt erschienen: Albert Szukalski, „Eenvoudig Dus Moeilijk“ (NL/ENG) und Herman van den Boom, „Luchtwachttorens in Nederland“ (NL/ENG/D).

Fotos: Anne Kotzan

Foto 1: „„You can Buy my heart and my soul“, Andries Botha, 2006

Foto 2: „Ferro Lusto“, Panamarenko,

Foto 3: Albert Szukalski „Het kind mit het badwater weggooien“, ca. 1970

Foto 4: Mark Dion, Wunderkammer

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