Südlimburg – Niederländisch- und Belgisch-Limburg

Von Ferdinand Dupuis-Panther.

Hm, wo bitte liegt denn Süd-Limburg? Geht es nicht eigentlich um die beiden niederländischen und belgischen Provinzen Limburg, die eine Grenze trennt, wenn auch die Sprache, das Limburgische, beide als eine Region erscheinen lässt? Ja, denn das wird mit dem Untertitel des gleichnamigen Buches auch zum Ausdruck gebracht.

Der Autor Rolf Minderjahn hat Belgisch-Limburg eher zu einem marginalen Kapitel degradiert. Gerade mal auf etwa einem Drittel des Reiseführers werden die Sehenswürdigkeiten dieser belgischen Provinz dargestellt. Vielmehr schien dem Autor doch Niederländisch-Limburg besonders am Herzen zu liegen. Über Land und Leute, Sehenswertes, Cafés und Restaurants, Weinanbau sowie regionale Küche erfahren wir in aller Ausführlichkeit Interessantes und Wissenswertes! Die farbig unterlegten Abschnitte des Buches springen zwar ins Auge, machen aber das Layout auch sehr unruhig. Ein dezenteres Farbkonzept wäre gewiss lesefreundlicher.

Die Mergellandroute

Die Top 5 der Ausflugsziele gleich an den Anfang der jeweiligen Abschnitte zu Niederländisch- und Belgisch-Limburg zu stellen, ist nicht unbedingt stimmig. Erwartet der Leser nicht vielmehr einen detaillierten Überblick über die jeweiligen Regionen? Zudem haftet solchen Tipps stets etwas Geschmäcklerisches an.

Begonnen wird die Limburg-Exkursion auf der Mergellandroute in Niederländisch-Limburg. Man erfährt vom fürstlichen Ursprung von Vaalsbroek und wird auf das weitläufige Schloss hingewiesen. Nur wenige dürften wissen, dass Limburg eine Weinregion ist. Weingüter wie das Weingut St. Mauritus werden vorgestellt, wo klassische Weine wie Pinot Noir und Pinot Gris gekeltert werden. Schon mal etwas vom Redemptoristenkloster Wittem gehört? Der Autor Rolf Minderjahn entführt uns dort ebenso hin wie zum Schloss Schaloen in Oud-Valkenberg. Eingestreut werden immer wieder Gastro-Tipps. Wie wäre es mit der Einkehr in der Pannekoekenmolen in Gulpen? Eijsden an der Maas mit seinem imposanten Schloss ist ebenso einen Besuch wert wie die Fachwerkidylle von Noorbeck, so Rolf Minderjahn. Zum Wandern und Radfahren muss es ja nicht unbedingt die „richtige“ Schweiz sein, wenn es bei Slenaken die kleine limburgische Schweiz gibt.

Valkenburg und Maastricht

Nicht nur die Unterwelt von Valkenburg, die Mergelabbaugruben wie die Fluweelengrot, zieht Besucher in ihren Bann, sondern auch die höchst gelegene Ruine der Niederlande, die Burgruine der Stadt. Übrigens, Höhlenbiken sorgt in Valkenburg für den Adrenalinkick schlechthin. Wem eher der Sinn nach leckerem Gerstensaft steht, der kehrt, so der Gastro-Tipp, in der Bier-Bibliothek De Zythotheek ein und entdeckt die 2000 (?!) Spezialbiere, die man dort ausgestellt hat. Kosten kann man einige der Biere im Café De Grendelpoort.

Zu den Hotspots von Maastricht gehören nicht nur die Sankt-Servatius-Basilika und das Museum aan het Vrijthof, sondern auch der Schlemmermarkt Preuvenemint. Den Chic von Paris, so der Autor, findet man im Stadtviertel Wyck. Liebhaber historischer Gärten verweist Rolf Minderjahn auf die Gärten des Schlosses Neercanne in der Umgebung von Maastricht.

Parkstadt Limburg und …

Wie aus einem Bergbaugebiet eine neue Kultur- und Naturlandschaft entstehen konnte, erlebt man in der sogenannten Parkstadt Limburg. Thermenmuseum und Explorium sind Freizeittipps für Familien, die in Limburg unterwegs sind. Auch der GaiaZOO in Kerkrade ist ein heißer Tipp für Eltern, die mit ihren Kindern Limburg bereisen. Rund 80 verschiedene Tierarten gibt es hier zu bestaunen. Zudem ist das Große Dinoland ohne Frage ein Spieldorado schlechthin. In Landgraaf kann man außerdem einmal um die Welt reisen, besucht man Mondo Verde mit seiner Tropenwelt, der Via-Roma-Allee und dem Japanischen Garten.

Mit Roermond mit der Sankt-Christoffel-Kathedrale lassen wir das südliche Limburg hinter uns und bereisen Mittel-Limburg. Thorn, die weiße Stadt, ist eine architektonische Perle der Region. Wer Nord-Limburg entdecken möchte, der kann dies bei einem Besuch von Venlo tun oder sich in den Nationalpark De Maasduinen begeben. Arcen ist bekannt für die Prachtgärten am Wasserschloss.

Belgisch-Limburg

Auf das Freilichtmuseum Bokrijk, auf Maaseik und das Schloss de la Motte weist der Autor hin. Auch die „Sahara“ von Lommel stellt er uns vor. Die Maria-Krönungs-Prozession ist ihm jedoch ebenso entgangen wie das Geneverfest in Hasselt. Zur Brauerei Kerkom, wo man Bink-Bier braut, hätte man auch mehr als nur einige dürre Zeilen erwarten können, oder? Maasmechelen mit seinen Zeugnissen der Bergbaugeschichte scheint der Autor überhaupt nicht einmal erwähnenswert zu finden. Hier ist eine komplette Bergarbeitersiedlung erhalten und eine der ehemaligen Bergmannswohungen kann auch besucht werden. © ferdinand dupuis-panther

Rolf Minderjahn: SÜD-LIMBURG – Unterwegs in Niederländisch- und Belgisch-Limburg, 208 Seiten, durchgehend farbig illustriert mit Übersichtskarten, 10 Top-Tipps („Das dürfen Sie nicht versäumen“), Ortsregister und kleines Wörterbuch NL-D, 15 Euro, ISBN 978-3-86712-110-1, Eupen 2017

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