Servus, tot ziens & au revoir, Herr Botschafter

Von Margaretha Mazura.

Österreichs Botschafter in Belgien, S.E. Mag. Jürgen Meindl, geht zu neuen Aufgaben zurück nach Wien – aber lässt dabei Brüssel nicht im Stich. Unsere Mitarbeiterin hat ihn exklusiv interviewt, und ihre erste Frage, mit Rückblick auf  österreichisch-belgische Verstimmungen über wachsenden Populismus und Kritik an der EU, musste lauten:

MM: Herr Botschafter, Sie gehen zurück nach Wien. Wie sehen Sie die Beziehungen Belgien-Österreich?

JMeindl: Die Beziehungen Belgien-Österreich sind wirklich gut. In den letzten zwei Jahren, also während meiner Amtszeit, hat sich das Gesprächsklima verbessert. Es gab mehr politische Besuche und ein größeres aktuelles Interesse: Etwa der BREXIT und seine Auswirkung auf “kleine” Länder oder das österreichische Islamgesetz: Belgien will wissen, wie es in Österreich gemacht wird bzw. wurde. (Anmerkung: Das österreichische Islamgesetz von 1912 wurde 2015 novelliert).

MM: Wie sieht es auf wirtschaftlicher Ebene aus?

JMeindl: Zirka 100 österreichische Firmen sind in Belgien präsent. Belgien hat gegenüber Österreich einen Handelsbilanzüberschuss, auf Dienstleistungsebene ist es umgekehrt. Von immer grösserer Bedeutung ist der Hafen von Antwerpen: Vom Schiff auf die Schiene, ist eine sehr positive Entwicklung, die immer mehr an Bedeutung gewinnt.

MM: Und der Tourismus?

JMeindl: 2016 war Belgien an 5. Position was den Tourismus betrifft: 550.000 Belgier, vor allem Flamen, kamen für Städte- und Schitourismus nach Österreich, mit insgesamt 2.7 Millionen Übernachtungen. Das ist für das kleine Belgien beachtlich.

Terrorismus in der belgischen Hauptstadt

MM: Während Ihrer Amtszeit waren auch die Terrorismusattacken. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit und die bilateralen Beziehungen ausgewirkt?

JMeindl: Der Terrorismus war sicher das prägendste Ereignis während meiner Amtszeit. Durch die prekäre Sicherheitslage gab es vermehrt Anfragen über die Sicherheitssituation in Belgien, von Angehörigen von Studenten, Reisenden etc. Aber die Zusammenarbeit mit den belgischen Sicherheitsbehörden wurde intensiviert und war ausserordentlich gut.

MM: Was ist das Besondere, Botschafter in Belgien zu sein?

JMeindl: Belgien als Erfahrung ist kompliziert: relativ fordernd war es, das politische System in Belgien zu durchschauen, das mir immer noch Rätsel aufgibt. Gemeinschaften, Regionen, verschiedene Parlamente, dazu noch der Spezialfall Brüssel, das alleswar neu und unbekannt. Ohne die erklärende Hilfe der Deutschsprachigen Gemeinschaft, allen voran Ministerpräsident Paasch und Senator Lambertz, dem früheren Ministerpräsidenten und Parlamentspräsidenten, würde ich noch immer im Nebel herumlaufen.

MM: Wie sehen Sie Belgien und Brüssel?

JMEindl: Belgien ist sehr unterschiedlich: Eindrücke in der Wallonie sind total anders als in Flandern und Brüssel ist etwas ganz Spezielles: es ist der größte diplomatische Standort weltweit (wegen EU und Nato), dazu kommen regionalen Repräsentationen und Lobbyisten. Das ist außergewöhnlich.

Eine „anstrengende“ Verkehrssituation

Brüssel ist auch eine sehr grüne Stadt. Was ich faszinierend finde, ist der abrupte Wechsel, nicht nur von einem Stadtviertel zum anderen, sondern oft von einer Straßenseite zur anderen: in der Umgebung der Botschaft, nahe der Porte de Namur gibt es einerseits Luxusboutiquen, andererseits Friseursalons, die man nur als “schräg” bezeichnen kann.
Eine andere Seite ist die “anstrengende“ Verkehrssituation: die Geduld der Belgier ist unglaublich, Umleitungsschilder, die quasi ins Nichts führen, berühren sie nicht.

MM: Was waren die Highlights Ihrer Zeit als Botschafter in Belgien?

JMeindl: Zuallererst das Treffen mit dem König: Diplomat in einer Monarchie zu sein, ist “ein wenig anders”. Das Foto der Überreichung der Akkreditierung steht auf meinem Schreibtisch. Ich habe auch das Glück, von meinem Bürofenster nicht auf Wolkenkratzer zu schauen, sonden auf das Schloss.

Auch Empfänge in Laeken waren ein Erlebnis: Man darf nicht vergessen, dass das Schloss ursprünglich für den österreichischen Statthalter in den Niederlanden gebaut worden war. (Anmerkung: Das Schloss wurde für Erzherzogin Maria Christina von Österreich und ihrem Gemahl, Albert von Sachsen-Teschen 1782/84 gebaut). In Belgien ist man ja überall auf den Spuren der Habsburger: Gent, Antwerpen, Mechelen. Es ist auch interessant, dass Maria Theresia eher beliebt, aber ihr Sohn und Nachfolger, Joseph II., unbeliebt war, da er sich zuviel einmischte. Die Anekdote berichtet, dass Joseph II. dekredierte, dass bei Feierlichkeiten wie Begräbnissen aus Sparsamkeitsgründen nur eine Kerze anzuzünden sei. Die Flamen liessen sich diese Einmischung nicht bieten und erklärten, das könne er so in Wien halten, aber hier würden Kerzen wie immer angezündet. Und dann hatte ich auch das Privileg, das Palais Stoclet zu besuchen: das ist Österreich in Brüssel par excellence.

Diplomatische Aussichten

MM: Wie sieht Ihre Zukunft aus?

JMeindl: Ich werde in Wien im Bundekanzleramt die “Generaldirektion für Kunst und Kultur” leiten, eine neue Funktion, die unter vielen anderen Aufgaben wie Bundestheater und Bundesmuseen auch die Schnittstelle sein wird für die kulturellen Aktivitäten Österreichs während der Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018.

MM: Auf was dürfen wir uns freuen?

JMeindl: Schon im Oktober dieses Jahres wird es eine Rubens-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum geben. Und rechtzeitig zur Ratspräsidentschaft wird eine der grössten Brueghel-Ausstellungen in Wien vorbereitet. Viele Werke Brueghels sind durch die historischen Bziehungen ja schon im Kunsthistorischen Museum, aber belgische Museen werden auch mit Leihgabne vertreten sein.

MM: Und in Brüssel?

JMeindl: In Brüssel wird es einen großen kulturellen Eröffnungsevent im BOZAR geben, mit Schwerpunkt Musik. Aber mehr kann ich dazu nicht verraten. Nur, dass auch Events in Gent, Antwerpen und Lüttich geplant sind.

MM: Das heißt, Sie werden, in anderer Funktion, bald wieder Belgien besuchen?

JMeindl: Ja, und ich freue mich, dass ich so mit Belgien und Brüssel noch ein wenig in Verbindung bleiben kann.

MM: Also auf Wiedersehen im Herbst 2018, und herzlichen Dank für das Gespräch!

 

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