Religion und Diskriminierung: Ein ewiges Problem !

ZweiReligionenIch heiße Yasmina El Baghdadi und Judith Blokland ist meine Freundin. Religion und Diskriminierung waren schon immer ein ernsthaftes Problem. Ich möchte Ihnen gerne mitteilen wie ich persönlich dazu stehe. Aber dafür muss ich Ihnen zuerst etwas über meine Erlebnisse erzählen. Ich bin 25 Jahre alt und marokkanischer Abstammung. Ich wurde in Houthalen in Belgien geboren, aber lebe jetzt seit vier Jahren in Brüssel und studiere an der Universität ‚VUB‘. Obwohl meine Eltern praktizierende Muslime sind, wurden meine Geschwister und ich frei und modern erzogen. Es war nie ihre Absicht uns zu etwas zu verpflichten. Damit will ich sagen, dass obwohl sie fünf Mal pro Tag beteten und ihr Glauben sehr stark war, sie uns nie gezwungen haben teilzunehmen. Für meine Eltern war es sogar sehr wichtig, dass wir uns frei entscheiden konnten. Sie wollten, dass wir uns einfach wohl fühlen in der Gesellschaft und dass die Leute sich uns gegenüber nicht anders verhalten. Sie wollten, dass wir die gleiche Chancen wie jeder andere bekommen und hierfür bin ich ihnen sehr dankbar.

Trotz der Tatsache, dass wir gut in die Gesellschaft integriert waren, habe ich doch bemerkt das es immer noch Leute gab, die sich uns gegenüber anders verhielten. Ich vermute, dass dies an den vielen Vorurteilen lag, die noch heute in der Gesellschaft bestehen. Im Grunde konnte ich diese Leute sogar verstehen, schließlich hört man nur schlechte Dinge über Muslime und Marokkaner. Selbstverständlich haben viele Arbeitgeber Angst Immigranten einzustellen und sind viele Leute zurückhaltend wenn sie Immigranten treffen. Aber was viele Menschen nicht wissen, ist das der Islam eine wunderschöne und liebevolle Religion ist. Doch es gibt einfach die Leute, die alles kaputt machen.


(Red.) Dies ist ein Beitrag aus unserer Serie: „Sprachschüler schreiben für Belgieninfo“. Wir haben absichtlich die Texte nicht korrigiert, um die Verfasser zu ermutigen, in ihren Bemühungen für die deutsche Sprache nicht nachzulassen. Zugleich beglückwünschen wir sie für ihre Kenntnisse und Fähigkeiten. Weiter so!


Ich muss auch zugeben, dass ich während meiner Jugend kein Interesse hatte an meinem Glauben. Natürlich habe ich an Gott geglaubt, aber ich war nie wirklich damit beschäftigt und praktizierte auch nicht. Damals hatte ich andere Prioritäten, wie meine Freunde, mein Studium, ausgehen und so weiter. Es gab sogar eine Zeit, in der ich mich von dem Islam distanzieren wollte. Wie gesagt, wusste ich nicht so viel über den Islam. Ich hatte ihn nie selber studiert und wusste lediglich was ich von anderen erfuhr. Man verband Islam mit Terrorismus und damit wollte ich auf keinen Fall assoziiert werden. Da ich selber nicht viel Wissen über den Islam hatte, war ich sehr beeinflussbar und glaubte sogar den schlimmen Gerüchten. Damals wusste ich noch gar nicht, dass nicht der Islam schlecht ist, sondern die Leute die behaupten Muslim zu sein, aber trotzdem so viel Unrecht tun.

Capture d’écran 2014-05-31 à 14.35.44Im Alter von 21 Jahren gab es einen Wendepunkt. Ich hatte einen fast tödlichen Autounfall womit alles angefangen hat. Ich war mir auf einmal ganz klar, dass es keine Garantie für das Leben gibt, sondern dass es von einem Tag auf den anderen einfach vorbei sein kann. In dieser Zeit fühlte ich mich mehr verbunden mit Gott und habe angefangen den Koran zu studieren. Dadurch habe ich auch entdeckt, wie schön der Islam ist und dass die vielen Vorurteile, die ich selber auch hatte, nicht zutreffen.

Stereotyp glaubt man, dass Frauen unterdrückt werden, aber das ist ein weltweites Missverständnis. Im Gegenteil zu dem, was die meisten glauben, sind Frauen sogar sehr hoch geschätzt im Islam. Der Islam regt die Frauen an zu studieren, zu arbeiten und auf eigenen Beinen zu stehen. Es ist sehr wichtig, dass der Intellekt nicht verloren geht. Wissen ist das allerwichtigste im Islam. Man muss auch verstehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Kultur und Religion. Es gibt viele Kulturen in denen die Frauen unterdrückt werden und zu Hause bleiben müssen, aber das hat auf keinen Fall etwas mit dem Islam zu tun.

Der Entschluss, ein Kopftuch zu tragen

Nach viel Recherche und einer noch größeren Verbindung mit Gott wollte ich mein Glauben auch richtig praktizieren. Ich habe daher angefangen fünf mal pro Tag zu beten. Ich bin jetzt eine stolze Muslimin und dies will ich der Welt zeigen. Ich kam daher zu dem Entschluss ein Kopftuch zu tragen. Wir leben ja schließlich in einer Demokratie und ich fühlte mich stark genug es zu tragen, ohne mich zu schämen. Am Anfang hatte ich Angst vor den Reaktionen meiner Freunde und Lehrer, aber sogar das konnte mich nicht zurückhalten. Ich war fest entschlossen. Es gab sowohl gute als auch schlechte Reaktionen, aber im Endeffekt, war es nicht so schlimm wie ich erwartet hatte.

Dennoch gab es einen Vorfall, den ich nie in meinem Leben vergessen werde. Ich hatte eine Lehrerin an der Uni, die mich immer sehr gemocht hat und immer sehr freundlich war. Aber nachdem ich angefangen hatte mein Kopftuch zu tragen, hatte ich bemerkt, dass sie sich anders verhielt. Sie ist sogar auf mich zugekommen und hat mich gefragt weshalb ich mich geändert habe. Sie fürchtete, dass ich in eine Sekte eingetreten war oder gezwungen wurde ein Kopftuch zu tragen. Ich erzähle Ihnen das, weil es immer noch Leute gibt mit Vorurteilen. Aber meine Liebe für den Islam ist so groß, dass ich die Kritik anderer Leute ertragen kann!

Damit Sie nicht nur ein Bild meinerseits bekommen, wird jetzt meine Kommilitonin mitteilen, wie sie selber zum Thema Religion steht und wie sie es alles erfährt.

„Frei evangelisch“

Hallo, mein Name ist Judith Blokland, und ich bin aufgewachsen in einer christlichen Familie, genauer gesagt, in einer evangelischen Familie. „ Frei evangelisch“ ist eigentlich eine Denomination der protestantischen Kirche. Das heißt also, dass ich keinen katholischen Hintergrund habe, wie die meisten Belgier hier. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass meine Eltern gar keine Belgier sind. Mein Vater ist Holländer und meine Mutter ist Deutsche. Beide kommen dann auch aus einer protestantischen Familie. Ich bin aber geboren und aufgewachsen in Belgien, und wohne jetzt in der Hauptstadt: Brüssel.

Capture d’écran 2014-05-31 à 14.35.56Der Protestantismus unterscheidet sich vom Katholizismus in verschiedenen Hinsichten. Vor allem die Marien- und Heiligenverehrung ist uns unbekannt, wir sehen das eher als Aberglaube. Die Hierarchiestruktur mit Priestern, Bischöfen und dem Papst sehen wir auch zumindest als überflüssig, und vielleicht das wichtigste: Protestanten glauben, dass jemandes Sünden vergeben werden, wenn die Person sie aufrichtig gegenüber Gott bekennt. In der katholischen Kirche kann das nur durch den Erhalt der Absolution nach demSündenbekenntnis vor dem Priester. Diese Unterschiede sind zustande gekommen, weil die Protestanten eigentlich mehr auf die Bibel gerichtet sind als die Katholiken.

Wie dem auch sei, natürlich gibt es hier, sicher in Brüssel, auch nicht- christliche Belgier. Menschen die einen ganz anderen Hintergrund haben, so wie die Muslime. Ich bin oft in Kontakt gekommen mit Muslimen, und auch einige meiner Freunde sind islamisch. Deshalb ist mir die islamischen Kultur auch ein wenig bekannt. Ich bin öfter bei einer islamischen Freundin zu Hause gewesen. Auf den ersten Blick sieht bei ihr alles sehr östlich aus, mit viel islamischer Dekoration, wie z.B. Texte aus dem Koran an der Wand, und im Wohnzimmer typische Sofas aus (in diesem Fall) Marokko. Was mir auch auffällt, ist wie familiengerichtet diese Menschen sind. Die Familie geht über alles, und ist auch immer da. Für mich wäre das vielleicht ein bisschen zu erstickend, aber das liegt dann wahrscheinlich an der kulturellen Differenz.

Glaubensmäßig unterscheiden wir uns natürlich auch. Ohne jetzt eine Predigt halten zu wollen, möchte ich zwei wichtige Unterschiede aufzeigen: ein wichtige Unterschied ist die Person Jesu. In der islamistischen Religion ist er ein Prophet, im Christentum ist er Sohn Gottes. Auch haben Muslime viele Regeln zu befolgen um Gott zu gefallen. Evangelische Christen dagegen glauben, dass man sich den Himmel nicht verdienen kann, sondern durch den Glauben an das Erlösungswerk Jesu gerettet wird. Was wir jedoch gemeinsam haben ist der Glaube an Gott. Natürlich ist der Islam und das Christentum, aus offensichtlichen Gründen, nicht das Gleiche, aber trotzdem teilen wir eine Überzeugung, die immer seltener wird.

Wie gesagt haben die meiste Belgier hier einen katholischen Hintergrund. Aber trotzdem glauben die meisten eigentlich gar nicht mehr an Gott. Was mich dann auch erstaunt, ist das man öffentlich sagt „ ich glaube nicht an Gott“ aber trotzdem doch noch seine Kinder taufen lässt, und zur Kommunion gehen lässt. Dieses sind dann doch für sie Riten, die keine Rolle mehr spielen sollten? Scheinbar doch. Man spürt auch, dass viele meinen, der Glaube sei etwas für Menschen ohne ein anständiges Gehirn. Auch manche (christlichen) Werte, die früher gängiger waren, sind jetzt verpönt. Deshalb fühlt man sich als Christ in Belgien wie ein fremdes Gesicht in der Runde.

Einen wirklichen Grund zum Klagen, können wir aber eigentlich auch nicht haben. Denn das Leben in Belgien als Christ ist nicht so schwer wie in anderen Ländern. Hier hat man schließlich Religionsfreiheit.

Autorinnen: Yasmina El Baghdadi und Judith Blokland

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