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Preisträgerin-Konzert des Königin Elisabeth Wettstreits – Hayoung Choi (Cello) auf Schloss Hex

Von Anne Kotzan

Applaus und stehende Ovationen für die koreanische Cellistin Hayoung Choi und den norwegischen Pianisten Joachim Carr waren am vergangenen Freitag auf Schloss Hex der Dank des Publikums für ein einstündiges Konzert. Sie spielten Leoš Janáčeks „Pohádka“, Franz Schuberts Sonate in a D 821 sowie Benjamin Brittens Sonate in C op. 65. Im musikalischen Vortrag wurde deutlich, dass Hayoung Choi eine besondere Vorliebe zur Moderne hat. Nicht zufällig hatte sie Witold Lutoslawski als freies Stück im Wettbewerb gewählt und revoltierte damit das traditionelle Programm. Diese neuzeitliche Komposition war von dem weltberühmten russischen Cellisten Matislav Rostropovitch im Jahre 1970 in London uraufgeführt worden. Mit ihrer Interpretation von Jörg Widmanns (*1973) Pflichtstück konnte sie letztendlich die Jury überzeugen. Jurypräsident Gilles Ledure erklärt, warum sie eine verdiente Gewinnerin ist: „Erstens: Sie ist absolut fantastisch. Und zweitens hat sie mit der Wahl eines Werkes aus dem Jahr 1970 das Repertoire des Wettbewerbs verändert. Für die meisten Menschen scheint das alt zu sein, aber für viele Musikliebhaber ist es einfach ein Schritt zu weit, denn in der Welt der klassischen Musik ist das sehr jung. Und sie hat es nicht nur nach den Maßstäben von Fachleuten hervorragend gemacht, sondern auch für jedermann sehr verständlich. Das konnte man an der Reaktion des Publikums sehen: eine stehende Ovation für ein schwieriges Werk, dann hat man eine ganz besondere Persönlichkeit.“

Ein besonderer Abend auf Schloss Hex, und dafür gibt es mindestens drei Gründe. Die 24 Jahre alte Hayoung Choi ist die diesjährige Gewinnerin des renommierten „Grand Prix International Reine Elisabeth – Prix de la Reine Mathilde. (Über den Wettbewerb hat Egon C. Heinrich am 7. Juni auf dieser Seite ausführlich berichtet.) Außerdem war es ihr erstes öffentliches Konzert nur fünf Tage nach der Bekanntgabe des Preises. Und das Schloss Hex im limburgischen Haspengouw ist eine formidable Location. Der Erbauer, Fürstbischof von Lüttich Karel van Velbrück (1719-1784), wählte diese weitläufige fruchtbare Hügellandschaft, um ein irdisches Paradies zu schaffen, ein „Arcadia“ nach dem Geschmack und der Philosophie seiner Zeit. Noch heute ist das Schloss bekannt für seine wundervollen Gärten und seine Rosen, die gut dreihundert verschiedene Namen tragen.

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Ein unvergesslicher Konzertabend

Nur eine Zugabe konnte das Publikum bewegen, den Konzertsaal zu verlassen, eigentlich eine alte Remise des Schlosses. Noch eine Woche zuvor standen zum offenen Gartenfest hier historische Kutschen und Schlitten. Auf die Schnelle wurde eine Bühne installiert, Scheinwerfer, Stühle aufgestellt. Und gerade dieser improvisierte Konzertsaal schafft eine besondere Intimität. „Es ist eine alte Tradition, seit 60 Jahren finden die ersten Preisträgerkonzerte des Concours Reine Elisabeth hier statt, erzählt der heutige Eigner der Domaine, Graf d’Ursel, auf dem anschließenden Empfang im Schloss. Die Nacht ist warm und man findet sich bei Champagner und Catering zum Gespräch auf der Terrasse mit Blick über geometrisch geschnittene Hecken auf eine imponierende Landschaft.

In diesem außergewöhnlichen Ambiente mengen sich auch die Musiker unter die Gäste. Hayoung Choi hat sich gefreut, dass ihr ehemaliger Mitstudent und heutige Komponist Jinwook Jung mit dem Landschaftsarchitekten Timothée Vaculik gekommen ist. Aufgeweckt erzählt sie, wie sie zum Cello kam: „Eigentlich war es über meine Mutter. Sie wollte Cello lernen, und ich bin als Kind einfach mitgegangen. Schnell war klar, ich war besser.“ Heute spielt sie auch Klavier, lernt Harfe und lebt in Berlin.

Das Zusammenspiel von Hayoung Choi und Joachim Carr war so harmonisch, exakt auf den Punkt gebracht, ein Dialog, ja ein Tanz der Klänge, die aufeinander so präzise reagierten, doch laut Hayoung Choi „haben wir erst zwei Mal zusammen gespielt.“ Über den Pianisten schrieb das Fanfare Magazin: “Carrs Anschlag ist ungewöhnlich raffiniert und poetisch und erlaubt eine erstaunliche Bandbreite an Dynamik zwischen Klavier und den extremen Bereichen der Hörbarkeit. Seine Fähigkeit, eine Phrase zu schattieren und zu formen, erinnert an einige der großen Pianisten-Poeten der Vergangenheit – insbesondere an Dinu Lipatti…“ Mit diesen Gaben war er ein idealer Partner für Hayoung Choi, die mit ihren schnellen Wechseln zwischen Melodie, Rhythmus, Harmonie und Disharmonie eine bildreiche wie poetische Interpretation der Stücke präsentierte. Ihr 300 Jahre altes Cello bildete dabei die Brücke zwischen den alten Wurzeln und neuen Gewächsen. Selbst bekannte Komponisten wie Leoš Janáček und Franz Schubert hörte man in ihrer Interpretation neu. Bei Benjamin Brittens Sonate entflammten die beiden Musiker zu einer vitalen Auseinandersetzung, die einen in die eigenen Emotionen schleuderte. Kein Wunder, dass man eine stille Zugabe brauchte, um wieder mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen.

Veranstalter: Kris Jannis, B-Classic, kris@b-classic.be

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