Plakativer Wahlkampf

Bild und Text: Anne Kotzan.

Ein Kohlfeld bis zum Horizont, mitten drin lächeln einem von Plakaten zwei Gesichter zu, ein Er und eine Sie, fotografiert vor scheinbar demselben Hintergrund. Sonst nichts. Man fühlt sich unweigerlich erinnert an den Hasen im Kohlfeld aus Bilderbüchern.

Ein Grashügel in einem Dorf, gespickt mit Portraits und Gruppenbild wie eine Salatplatte mit Käsesticks, eine Straße, gesäumt von einem Schilderwald von Gesichtern aus dem die Vorschrift „Überholen verboten” mahnend hervorragt oder ein Gebüsch aus dem zwei Männer hervor lugen. Die gewohnte dörfliche Idylle überrascht mit immer neuen Arrangements. Selbst die Wartenden an einer Bushaltestelle sind nichts weiter als ein Häuflein von Leuten auf Plakaten auf denen ein oranger Pfeil in eine Richtung zeigt.

Schilder mit Portraits zieren Vorgärten wie Gartenzwerge, manche sitzen anstelle des Haushunds hinter einem Maschendrahtzaun oder sie schmücken die Baustelle eines Eigenheims wie die freiwilligen Helferlein. Auf hölzernen Beinen stehen sie in Gruppen oder einzeln wie Skulpturen vor Hausfassaden oder in der Landschaft. „Eier zu kaufen!“ mischt sich als Botschaft unmissverständlich wie unbeteiligt darunter.

Hinter all diesen absurden, bizarren wie poetischen Bilder könnte man eine künstlerische Handschrift vermuten. Doch ist es eine unbeabsichtigte Installation von Kunst im öffentlichen Raum. Die Portraits und Gruppenbilder zeugen lediglich von einem energetischen Wahlkampf, einer Kommunalwahl in der kleinen Gemeinde Heers. Es geht weder um das Land Belgien noch um die EU. Ganz im Kleinen wird Demokratie gelebt, der Wille, das Beste aus der Region zu machen, seinen eigenen Lebensraum aktiv zu gestalten.

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