Nationalfeiertag 2.0

Von Marion Schmitz-Reiners.

Belgien war wieder einmal ein einiges Land. Der Nationalfeiertag am 21. Juli hätte besser nicht verlaufen können: 400 000 Belgier nahmen an den Volksfesten in Brüssel teil, die Truppenparade verlief fehlerlos, die Düsenjägerformationen zeichneten die Trikolore in einen beinahe wolkenlosen Himmel und Königin Mathilde sah einfach entzückend aus. Die großen Abwesenden waren der Ministerpräsident und der Parlamentspräsident des Teilstaats Flandern: ein Statement der antibelgischen, flämisch-nationalistischen Partei N-VA.

Das belgische Königshaus und die belgische Regierung bemühen sich um Volksnähe. Und sie wurden dafür belohnt. So hatte Premier Charles Michel erstmals zu einer Besichtigung des Regierungssitzes in der Rue de la Loi/Wetstraat 16 geladen. Die Anmeldungen übertrafen weit die 300 Plätze, die vergeben werden konnten. Michel begrüßte jeden Besucher – viele waren in Shorts und T-Shirt erschienen – mit Handschlag und gab sich humorvoll und gesprächig.

Den vier Kindern von König Philippe und Königin Mathilde flogen die Herzen der Menschen zu, als sie Hand in Hand aus dem Stadtschloss auf den Place des Palais/Paleizenplein traten. Die beiden Prinzessinnen Elisabeth (13) und Eleonore (7) trugen rosa Kleidchen, die Prinzen Gabriel (10) und Emmanuel (9) dunkle Anzüge. Sie erwarteten ihre Eltern auf der Tribüne auf dem Schlossplatz und Elisabeth war während der Truppenparade ganz die kleine künftige Königin.

Am Vorabend des Nationalfeiertags hatte im Marollenviertel ein Volksball mit 17 000 Feierfreudigen stattgefunden. Das abschließende Feuerwerk im Warandepark erlebten 50 000 Menschen, darunter ein entspannter König und eine entspannte Königin, die sich bereitwillig mit einer Tüte Pommes mit Majonäse in der Hand filmen ließ.

Das belgische Königshaus hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren gründlich gewandelt. König Baudouin, stets vom Hauch der Wehmut und der Heiligkeit umweht, war trotz seiner Beliebtheit noch ein Symbol der alten französischsprachigen Elite des Landes. Albert II., sein Bruder, mischte sich gerne einmal unters Volk, aber die nie ganz aufgeklärten Folgen einer 17 Jahre andauernden Ehekrise und sein schwieriges Verhältnis zu seinen beiden Söhnen warfen einen Schatten auf seinen Ruf. Philipp umgibt sich mit jungen Beratern, die das Königshaus in die Gegenwart katapultiert haben, und ist ein vorbildlicher Vater. Als König hat er bisher keine Fehler gemacht und seine Unsicherheit – wahrscheinlich Ergebnis einer eher lieblosen Kindheit – wird durch die herzerwärmende Ausstrahlung seiner Gattin reichlich kompensiert.

Demonstrativ blieben der flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois und der flämische Parlamentspräsident Jan Peumans (beide N-VA) den Festlichkeiten fern. Dafür genossen die Vertreter sämtlicher anderer Teilstaaten, unter anderem Karl-Heinz Lambertz, Parlamentspräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, sichtlich die frohe und festliche Stimmung auf dem Schlossplatz. Ob die N-VA bei den Wählern damit punkten kann, dass sie sich bei nationalen Ereignissen wie ein bockiges Kind unter den Tisch verkriecht, das steht dahin. Vielleicht begreifen ja auch die N-VA-Wähler eines Tages, was sie mit Belgien drangäben, wenn ihr angejahrter Traum von einer Republik Flandern Wirklichkeit würde.

Foto: (c) Super Résistant  

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