Mutti, der sterbende Schwan

Von Rudolf Wagner.

Die Kanzlerin war da. Wenn sie, in roter Jacke gekleidet, die Hände vorn spitz zusammenlegt, in staatsmännischer Pose mitteilt, wenn denn CDU und CSU sie nicht mehr wollten, werde sie bei der SPD und den Grünen Kanzlerkandidatin, dann jubelt das Zuschauervolk. Maria Grund-Scholer war alias Merkel der Star des Gelegenheitsensembles „Schlachtplatte“ in ihrer „Jahresendabrechnung“ beim Brüsseler SPD-Ortsverein, der seinen Genossen und Freunden zum 4. Mal bei einem Neujahrskabarett Grund zum Lachen gab. Das konnten sie brauchen, denn keiner weiß besser als sie, dass Mutti den Sigmar locker in die Schürzentasche steckt, wenn wieder mal gewählt werden muss. Und bei den anderen ist sowieso tote Hose bei der Kandidatensuche.

Von Tiefgang sollte man natürlich nicht sprechen, vor allem nicht in Zusammenhang mit Flüchtlingen und dem Tourismus nach Lesbos. Die beiden, die an Bord der „Aida“ über die Reling herabblicken auf vorübergleitende boat people und sich dabei über Schlepperkosten unterhalten und feststellen, dass sie ihre Kreuzfahrt billiger bekommen hätten – da bleibt einem das Gelächter doch im Halse stecken. Die Leute von der Schlachtplatte sind alle exzellente Polit-Provokateure, die zwischen Bademeistern („Sonnenkönige der Chlorkaribik“), Sepp Blatter und gelungener Integration sicher navigieren.

schlacht

Das geht dann so: ein Flüchtling, gerade angekommen und in der Warteschlange, meckert über die Deutschen. Kommt einer und sagt: „Halts Maul, Du Ausländer. Ich Türke!“ Wissen die Politiker in Europa eigentlich, dass die US-Bevölkerung zu 80 Prozent aus Wirtschaftsflüchtlingen besteht? Nur: Winnetou und Old Shatterhand kann man TTIP nicht überlassen. Meinten jedenfalls Robert Griess, Jens Neutag, Onkel Fisch und Maria Grund-Scholer. Es gab langen Beifall und Bravo-Rufe.

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