Martin S. und andere Brüsseler Karrieren

Von Rudolf Wagner.

Martin Schulz ist kaum weg aus Brüssel, und schon ist er etwas geworden. Das ist seltsam, weil solch eine Beförderung zum Parteivorsitzenden und Bundeskanzlerkandidaten nicht in die europäische Schablone passt. So etwas hat es bisher noch nie gegeben. Hier machen Referendare ihre ersten Übersetzungsfehler, bevor sie schnell wieder nach Hause fahren, um Regierungsrat zu werden. Hier werden ausgediente Politiker-Modelle auf die letzte Weide geführt. Einige wenige ohne Europaerfahrung, aber mit landespolitischen Verdiensten durften gar auf der Direttissima in die kuschelwarme Kommission einziehen und bleiben. So sieht man’s allgemein.

Schulz stellt alles auf den Kopf. Er war mal in Deutschland Bürgermeister, hat aber trotzdem wenig Inlandserfahrung. Dafür kennt er sich bestens in Europa aus. Und das soll ein Pfund sein in Zeiten, in denen die EU innerlich auseinander driftet?

Der Mann hat 22 Jahre darauf verwendet, sich in Brüssel vom MdEP zum EP-Präsidenten hochzuarbeiten, die harte Tour. Hat immer mit Ausländern enge Kontakt gehabt, Berlusconi anhören müssen, als der ihn mit einem Hitler-Schergen verglich. Legte sich mit Ungarns Orban an. Spricht besser englisch als Öttinger. Es gibt noch mehr Fähigkeiten, die er sich in Brüssel erworben hat.

Kann so einer etwas in Deutschland werden?

Wer lange genug im Internet „Martin Schulz“ und „Belgien“ googelt, findet ein mit Copyright versehenes Foto aus dem Europawahlkampf 2014. Darauf ein Straßenblick mit Schulz-Plakat, und, darunter angehängt, die medico-psychologische Spaßwerbung mit Manneken Pis.

Die Wahrheit ist, dass der Europapolitiker Schulz mit Brüssels Lokalitäten, den 19 Gemeinden, Flamen, Wallonen und Brusseleirs nie wirklich etwas zu tun gehabt hat, gut Essen und Trinken mal außen vor. Mach’s gut, Martin! Sprich nur immer nett von den Zurückgebliebenen! Vergiss aber nicht, wenn Du mal mit dem US-Präsidenten redest, dass Donald Trump „alternative Tatsachen“ liebt und bereits vorgelegt hat: „Belgien ist eine wunderschöne Stadt!“ Bitte, Martin, widersprich ihm nicht. Irgendwie hat er ja recht. Außerdem lernt er noch, und Manneken Pis macht sich bestimmt nichts draus.

Und braucht auch keine Karriere mehr zu machen.

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