Kulturprojekt „Verschwindende Wand“ – Grenzen überwinden und Mauern abbauen

Von Carolin Fröhlich und Helena Smendek.

Am Wochenende des autofreien Sonntags in Antwerpen hatte die interaktive Kunstinstallation „Die Verschwindende Wand“ belgische Premiere. Bei sonnigem Wetter und in einer autofreien Innenstadt konnten Passantinnen und Passanten Zitate aus einer Wand nehmen, sodass jene innerhalb eines Wochenendes verschwand.

Die Kunstinstallation wird am 3. und 4. Oktober 2020 auch auf der Grand Place in Brüssel und vom 5. bis 8. November 2020 in Namur (vor dem Delta Namur-Espace Culturel Provincial) Station machen. Seit August schon tourt die „Verschwindende Wand“ durch Europa. In Posen, Danzig, Segovia und Warschau war sie bereits, weitere Städte folgen.

Martin Kotthaus, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Königreich Belgien, und Dr. Elke Kaschl Mohni, Leiterin des Goethe-Instituts Belgien, begleiteten die belgische Premiere der „Verschwindenden Wand“ in Antwerpen und hielten eine kurze Ansprache vor begeisterten Besucherinnen und Besuchern.

Eine Wand, die verschwinden kann?

In Kooperation mit „dasKULTURforum Antwerpen“ wurde am Operaplein ein Plexiglasgerüst aufgebaut und mit Zitaten aufgefüllt, die auf kleine Holzklötze gedruckt worden waren. 6000 Klötze mit 200 verschiedenen Zitaten sollten anschließend von Passantinnen und Passanten mitgenommen werden, sodass –wie der Name der Installation impliziert – zum Schluss diese Mauer aus Holzklötzen verschwunden sein würde. Das Herausnehmen der Zitat-Klötzchen symbolisiert den Abbau der Mauer zwischen den Menschen. Die Zitate wurden Anfang 2020 in vom Goethe-Institut initiierten lokalen Wettbewerben in ganz Europa gesammelt und ins Holz graviert.

Ob eine Zeile aus einem Lied, Gedicht, Prosa, Film oder anderem Stück Literatur: die Vielfalt der eingeschickten Zitate spiegelt die Vielfalt der Stimmen in den europäischen Kulturen durch die Jahrhunderte wieder.

Großes Publikumsinteresse

Trotz strenger Corona-Auflagen konnten das Goethe-Institut Belgien und dasKULTURforum die künstlerische Wandinstallation auf dem Antwerpener Opernplatz großartig präsentieren. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Antwerpen und Umgebung sorgten dafür, dass aus einer Mauer voller Holzklötzchen ein transparentes Plexiglasgitter wurde. Während die Neugierigen warteten, um an die Reihe zu kommen und ein Holzklötzchen zu entnehmen, bildeten sich sogar Warteschlangen – für die Veranstaltenden eine gute Gelegenheit, um mit den Menschen individuell ins Gespräch zu kommen.

Unter  vielen Zitaten erfreute sich eines ganz besonderer Beliebtheit: ein Ausspruch der Kinderbuchfigur Winnie, the Pooh, eindeutiger Favorit! „What day is it?“ asked Pooh „It’s today,“ squeaked Piglet. „My favourite day,“ said Pooh. (Alan Alexander Milne)

Eine Besucherin erzählte, wie sie morgens von der „Verschwindenden Wand“ aus dem Radio erfuhr. Daraufhin habe sie sich mit dem Fahrrad auf den Weg gemacht. Das Zitat von Winnie, the Pooh, zog sie zufällig als erstes aus der Wand: „Genau das, was ich heute gebraucht habe für mich!“.

Auch Tom Bubbe, stolzer Gewinner des belgischen Zitatwettbewerbs stattete der „Verschwindenden Wand“ in Antwerpen einen Besuch ab, um sie live zu erleben. Andere fanden, ihr gezogenes Zitat würde zu ihrer aktuellen Lebenslage passen, sie an eine bestimmte Person erinnern oder eine gute Maxime für das eigene Handeln darstellen.

Die „Verschwindende Wand“ begeisterte in Antwerpen auf individuelle Weise für den Ideenreichtum Europas. Elke Kaschl-Mohni freute sich: “Anstelle einer Mauer, die die Sicht versperrt, können wir alle ein Stück Kultur mit nach Hause nehmen – einen poetischen Gruß, den irgendwer irgendwo in Europa für uns geschrieben hat.“

 

Fotos: Copyright/Fotografin-Name: VERSCHWINDENDE-WAND_Goethe-Institut_2020 ©Lillo Mendola

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