Kari Antila & Peter Hertmans: „Guitar Stories“, Seventh String Music

kantila_digipak132xVon Ferdinand Dupuis-Panther.

Im Mittelpunkt der Einspielung stehen die beiden Gitarristen Kari Antila – aus Finnland stammend, aber in Gent lebend und unterrichtend, und Peter Hertmans, die das vorliegende Album mit einem Duett eröffnen. Dabei spielen sie „Estate“, eine Komposition von Bruno Martino.  Im Original singt Bruno Martino zu Piano- und Orchesterbegleitung. Dabei erscheint der Song zwischen Balladenhaftigkeit und Süßlichkeit zu changieren.

Neben diesem Song finden sich auf dem vorliegenden Album zwei weitere Kompositionen, die nicht aus der Feder von Peter Hertmans oder Kari Antila stammen. Es handelt sich um „All or Nothing at All“. 1939 komponierte Arthur Altman den Titel. Die Lyrik steuerte Jack Lawrence bei. Zum Hit wurde der Song 1943, dank sei Frank Sinatra. Zudem hören wir auch „Chi Chi“, ursprünglich vom Saxofonisten Charlie Parker stammend und in den Klangfarben durch dessen allgewaltigen Holzbläser bestimmt. Außerdem hören wir „What’s Left“ (P. Hertmans), der auch für „Stretched Nude“ und „Waiting“ verantwortlich zeichnete. „Deep“, „Nuts of the Night“ und „Brooklyn Bound“ hingegen stammen aus der Feder von Kari Antila.

Mehr als nur Gitarrenduette

Lassen wir uns zu Beginn von einem Gitarrenduett einfangen, wenn „Estate“erklingt. Das Balladenhafte ist nicht zu überhören, auch das Narrative nicht. Hier und da fühlt man sich auch an Etüden erinnert, die zum Rüstzeug eines jeden Gitarristen gehören. Beim Zuhören müssen wir uns entscheiden, ob wir eher Herbstfarben oder Frühlingstönungen in der Melodielinie entdecken wollen. Beides scheint möglich. Das Innenleben des Covers legt nahe von dem Duett zweier Gitarristen auszugehen, die der akustischen Gitarre gegenüber der E-Gitarre den Vorzug eingeräumt haben. Allerdings gibt es auch Videos, die beide Musiker an E-Gitarren zeigen, wenn sie „Estate“ vortragen.

Peter Hertmans fragt anschließend „What’s Left?“: Nunmehr sind die beiden Gitarristen an den E-Gitarren zugange. Dabei steht das Melodiöse im Fokus, auch wenn das eine der beiden Saiteninstrumente wimmert und entfesselt zu sein scheint, wenn auch nicht gar so, als ginge es um Rhythm ’n‘ Blues oder Hardrock. Im Hintergrund agieren die übrigen Musiker mit besonderem Bedacht. Flink huschen die Finger über die Bünde einer der beiden Gitarren, die sich einen rockigen Anstrich gibt. Eher in der Tradition der Großen des Gitarrenjazz, ob Joe Pass, Jim Hall oder Attila Zoller, fällt dann die Entgegnung der zweiten Gitarre aus. Leider gibt es auf dem Album keine Notierung, wer welche Gitarre in den jeweiligen Stücken spielt. Nicht zu überhören ist, das dialogische Prinzip. Kari Antila und Peter Hertmans befeuern sich dabei in ihrem Spieleifer von A bis Z.

Chi Chi von Charlie Parker, aber vorwiegend eigene Komposition

Bei Parkers „Chi Chi“ übernimmt natürlich eine der beiden Gitarren die signifikante Melodieführung, denn einen Saxofonisten sucht man im Quartett vergebens. Feine, wechselvolle Saitenklangkaskaden rollen hernieder und dringen ans Ohr des Zuhörers. Oh, da gibt es auch ein kleines eingestreutes Schlagzeugsolo von Lionel Beuvens zu hören, ehe die beiden Gitarristen wieder das Klangzepter in den Händen halten.

„Nuts of the Night“, komponiert von Kari Antila, besingt ja wohl die Spinner der Nacht. Doch versponnen erscheint der Song keineswegs, sondern eher sehr lyrisch angelegt. Man begleitet wohl eher die Träumer durch die nächtlichen Straßen und nicht die gänzlich Ausgeflippten. Sieht man bei „Waiting“ (Peter Hertmans) nicht das unruhige Hin- und Hergehen dessen, der da auf jemand wartet? Hört man da nicht das vergebliche Agieren am Smartphone? Was man allerdings gewiss hört, ist neben den Gitarren ein eingestreutes Solo von Sal La Rocca. Ist das der Ausdruck der inneren Ruhe, die man beim Warten an den Tag zu legen hat?

Zum Schluss heißt es „Deep“ (K. Antila). Dabei scheint sich dann ein Klangbogen zu schließen, der mit „Estate“ und dem Saitenspiel akustischer Gitarren begann. Kontemplation pur – das erfüllt das vorliegende Album. Oh ja, die Songs von Antila und Hertmans sind wirklich Balsam für das Gemüt! © ferdinand dupuis-panther

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