Igitt, da ist ja der Wurm drin!

Mehlwürmer, nicht in diesem Restaurant fotografiert

Mehlwürmer, nicht im «atelier des sens» fotografiert

Wir wissen es und es bereitet uns Sorge: Die Zahl der Menschen auf unserem Planeten nimmt ständig zu. Noch sind wir «nur» 7 Milliarden Menschen, 2050 werden wir bereits 9 Milliarden sein. Eine Hauptsorge steht dabei im Vordergrund: Wie können diese Milliarden Menschen künftig ernährt werden? Wird es noch genügend Raum für Landwirtschaft und «angemessene» Tierhaltung geben? Bereits heute haben wir auf diesem Gebiet große Probleme.

Da bleibt es nicht aus, daß wir umdenken müssen. Und so richtet sich dann auch der Blick von Ernährungswissenschaftlern automatisch nach Asien. Die Menschen dort ernähren sich anders als wir und scheinen obendrein noch gesünder als wir zu sein. In die asiatische Küche gehört schon längst der Verzehr von Insekten und rohem Fisch (Sushi). Können wir von diesen Ländern lernen?

Krabbeltiere, geröstete Grashüpfer, marinierte Würmer

Insekten sind die am häufigsten auf der Erde vorkommenden Tiere. Ihre Zucht ist einfach und billig, sie benötigen nicht viel Platz und sie vermehren sich ständig. Ganz wichtiger Faktor: der Verzehr von Insekten ist gesund. Ein Insekt ist kalorienarm und sehr proteinhaltig. Der Verzehr von ein paar Grashüpfern oder Heuschrecken entspricht dem Proteingehalt eines tellergroßen Rindersteacks. Wen wundert es da noch, daß ganz allmählich ein Umdenken stattfindet und umweltbewußte Gastronomen auf der Speisekarte ihrer Restaurants auch eine Insektenmahlzeit anbieten?

Im Restaurant «L’atelier des sens» im Herzen des Städtchens Wellin (belgische Provinz Luxemburg, Pays de la Haute Lesse) haben Cedric Dufour, Patron des Restaurants und sein Küchenchef Romain Dussart diesen Schritt in eine neue Geschmacksrichtung gewagt. Man findet dort auf der Speisekarte unter vielen anderen «klassischen» Gerichten nun auch Menus mit gerösteten Grashüpfern, Seidenraupen oder Heuschrecken. Dabei gehen die beiden engagierten Küchenpioniere auf einfühlsame und respektvolle Weise vor. Die Kunden sollen ja nicht abgeschreckt werden, sondern mit appetitlichen Menus und zunächst mit kleinen Beimischungen die neuen Gerichte kennenlernen.

«Wir freuen uns über den bisherigen Erfolg», sagt Cedric Dufour. «Unser Restaurant ist günstig gelegen, nahe der Autobahn und nahe der französischen Grenze. Wir haben Kunden aus dem Umkreis und auch aus fernerer Umgebung. Da gibt es Kunden aus Givet (Frankreich), die ganz verrückt nach unseren Insektenmenus sind. Sie besuchen uns regelmässig. Auch viele Neugierige sind unter den Besuchern als auch Menschen, die sich umweltbewusst ernähren wollen. Und schliesslich jene, die endlich einen Schritt gegen Massentierhaltung und nicht enden wollende Tierquälerei machen wollen».

Ein ästhetischer Anblick

Die Insektenmahlzeit wird im Restaurant «L’atelier des sens» nicht als komplettes Menü angeboten, sondern dezent wie zum Beispiel als Beilage zu einem bunten Salat. Die Heuschrecken werden vorher zermahlen, um so dem Kunden einen ästhetischen Anblick bei seinem Einstieg in eine neue Ernährungsart zu gewähren. Nichts wirkt krabbelig oder gar abstoßend. Und nach einer vorsichtigen Kostprobe ist so mancher von dem überraschend guten Geschmack erstaunt. Insekten sollen nach Nüssen oder gar geröstetem Kaffee schmecken.

Längst schon bietet der Markt vielerlei andere Genüsse mit Insekten an. So gibt es Bonbonlutscher, die ähnlich einem Bernstein das Insekt mit süßer Masse umgeben, ein wahrer Hit für Kinder. Es gibt Schokolade und Saucen, die mit zermahlenen Würmern und Raupen die Grundlage für den süßen Genusses bieten. Der berühmte belgische Chocolatier Wittamer verkaufte schon im Jahr 2012 seine edlen Pralinen, die gegrillte Heuschrecken verzierten und hatte damit umwerfenden Erfolg.

Ein Umdenken in unserer Ernährung wird stattfinden (müssen), wollen wir die Ressourcen unseres Planeten schonen. Der Verzehr von noch erkennbaren Insekten ist angesichts unseres kulturellen Hintergrunds in Europa schwierig. Dies wird respektiert. Die Insekten werden auf unseren Tellern nicht mehr erkennbar sein, es sei denn, manch einer liebt es krabbelig.

Bei all diesen Vorzügen, die eine Insektenernährung bieten kann, fällt ein Wort des Dalai Lama ein:

Ich sehe keinen Grund, warum man Tiere schlachten und ihr Fleisch essen soll, da man doch so viel anderes essen kann. Der Mensch braucht kein Fleisch.

Sibylle Schavoir

Infos: L’atelier des sens, Grand Place 28, 6920 Wellin http://www.wellinhotel.be/

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