Handy weg, Auto weg – was nun? Wenn Brüssels Polizisten nicht mehr durchblicken

 af0adc666cDer Autor dieses Beitrages ist Leiter der EU-Vertretung des Saarlandes. Seine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit den örtlichen Ordnungshütern lassen sich natürlich nicht verallgemeinern. Es gibt dennoch viele, die wie er in der belgischen Hauptstadt die heimatliche Geborgenheit vermissen. Stefan Feilers Fazit: Die Belgier sind klasse, aber der Staat hat Probleme mit der Sicherheit. 

Prolog

Am vorvergangenen Donnerstag stellte die Staatsmacht in der Rue Wiertz mal wieder Halteverbotsschilder auf und begann noch im gleichen Moment damit, alle Fahrzeuge abzuschleppen. Glücklicherweise hatte mich ein Freund vorgewarnt. So musste ich zwar die 110 Euro zahlen, habe mir aber den Stress erspart, den Wagen im finstersten Teil Anderlechts beim Abschlepper auslösen zu müssen.

Am Samstag darauf riss ein junger Radfahrer (wohl mit Migrationshintergrund) meiner Frau beim Telefonieren das Handy aus der Hand. Ich verfolgte ihn mit Vollgas, musste die Verfolgung aber an einer Einfahrt zum Jubelpark aufgeben.

Am vergangenen autofreien Sonntag wurde meiner Frau unmittelbar neben dem Haupteingang des Europa-Parlaments das neue Fahrrad entwendet, quasi vor den Augen des Sicherheitsdienstes. (Die sollen ja „Sicherheitsleute“ heißen, weil sie sich bei Gefahr in Sicherheit bringen …)

Die Groteske

Am Montagmorgen schaute ich aus dem Fenster und musste feststellen, dass mein Wagen weg war. Nach einschlägigen Erfahrungen hatte ich sofort die belgische Staatsmacht und ihre Helfershelfer im Verdacht. Ich rief die 101 an, gab mein Kennzeichen durch und bekam die Auskunft, mein Fahrzeug sei in der Nacht abgeschleppt worden.

Ich lag also richtig. Die Begründung: Parken gegen die Fahrtrichtung. Da platzte mir die Hutschnur, denn in der Chatelain-Gegend parkt jedes dritte Auto entgegen der Fahrtrichtung. Der Polizist am Telefon verwies mich an die Wache um die Ecke.

Dort traf ich auf einen netten Flamen, der nach Recherchen im Computer-System mitteilte, mein Fahrzeug wäre schon am Donnerstag zuvor gestohlen worden. Ich könne es beim Abschleppdienst in der Troonstraat abholen. Ich schmunzelte und versicherte, dass ich noch vor wenigen Stunden in meinem Wagen gesessen und diesen persönlich in der Rue Washington abgestellt hätte.

Dann fragte ich den jungen Mann, was er denn davon halten würde, wenn ich die Gemeinde Ixelles auf Herausgabe meines Fahrzeugs oder auf Schadensersatz verklagte? Nach der Aktenlage wäre meine Klage zulässig und begründet. Nun dämmerte dem netten Beamten, dass da irgendwas nicht stimmen konnte. Er werde den Eintrag überprüfen.

Nach dieser amtlichen Recherche verabschiedete ich mit den Worten: „Ich liebe die Belgier, aber ich habe Probleme mit diesem Staat, in dem vieles nicht funktioniert.“ Da gab mir sogar der Polizist ausdrücklich Recht.

Epilog

Übrigens: Mein Wagen stand in einer Parallelstraße. Ich hatte nur den Parkplatz vergessen.

Autor: Stefan Feiler

Tags: Parken

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