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Gute Reise, Walter, mein Freund, unser Freund

Walter Grupp

Von Rudolf Wagner.

Man frage sich, warum genau eigentlich Walter Grupp das Bundesverdienstkreuz erhalte? „Es gibt so viele Facetten bei Ihnen“, scherzte der deutsche Botschafter vor zwei Jahren bei der Verleihung. Ja, Walter kannte sich aus als Rechtsanwalt und Steuerexperte, als Generalsekretär der europäischen Mittelstandsvereinigung und der Taxpayers Association, er hat über Familiengeschichten des belgischen Hochadels geschrieben, war im Vorstand der Belgisch-Deutschen Gesellschaft und meistgelesener Autor von Belgieninfo, dazu improvisierte er Jazz und Klassik an jedem Klavier, das in der Nähe stand. Walter ist vorgestern, am 7. September, gestorben. Herzoperationen hatte er in früheren Jahren überlebt, nicht aber jetzt die Folgen eines Treppensturzes.

Alle Redakteure und Mitarbeiter der Belgieninfo.net asbl. trauern, wie ebenso die Mitglieder der Belgisch-Deutschen Gesellschaft. Im Rückspiegel erleben wir nochmals Walters schwäbische, bescheidene und doch überdeutliche Präsenz: seine unnachahmliche Art, mit den Problemen des Lebens umzugehen, war immer eine Quelle positiver Lebensbewältigung. Seine Anregungen, aber auch sein materielles Engagement für die deutsch-belgischen Beziehungen im Rahmen seiner Vereinsarbeit waren ein wichtiger Beitrag, den man nicht unterschätzen und nicht vergessen kann. „Er war ein Gestalter“, sagt Hanns-Martin Bachmann von der DBG, der ihn wie wenige kannte, „und konnte durch sein Eintreten für eine Sache andere beflügeln, was nicht allen Menschen gegeben ist.“

 

Walter Grupp mit Gattin Silvia

Dabei war er ein Ausreisser, der sich zur Verwunderung vieler Jugendstreiche erlaubte, dazwischenreden konnte, Differenzen deutlich aussprach, aber eben auch Verständigungsschwierigkeiten bei einem Glas Wein zu überbrücken verstand. Nur  er konnte in Nizza vor seiner Zweitwohnung in den antiquarischen Rolls-Royce steigen und ohne dumpfe Angeberei  zum nahegelegenen Sternerestaurant fahren; das war Spaß, sein Spaß, an dem er gern andere teilnehmen ließ. Ebenso konnte er als Kunstliebhaber auf Französisch mit deutlich schwäbischem Akzent über seine exquisite Vasensammlung des Art Nouveau sprechen. Walter Grupp war in Wirklichkeit ein Weltmann, der über seine Bundeswehrzeiten in Ulm oder Winnipeg und die europäischen Studienorte und schließlich auch als Anwalt mit einem weiten Netzwerk über den Verwaltungsstandort Brüssel hinweggewachsen war. Lobbyarbeit war seit 1987 seine tägliche Aufgabe. Aber er wollte mehr, und er wollte es anders

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Er wollte sich im Kreis von Freunden wohl fühlen, sein wie er war, seinen „Spiegelneuronen“ freien Lauf lassen. Das seien spezielle Nervenzellen, die den Menschen zum mitfühlenden Wesen machen, erläuterte er. Er sorgte also für Rollstuhlfahrer in seiner Geburtsstadt Heidenheim. Er engagierte sich persönlich in Guinea-Bassau, wo er eine Blutbank unterstützte. Walter hat dies alles nie an die „große Glocke“ gehängt. Aber wir wissen, dass er auch Geld nach Ruanda überwiesen hat, auch wenn wir nicht genau wissen, wofür. Diejenigen Beobachter und Partner in der europäischen Hauptstadt, die Walter Grupp nur als Geschäftsmann oder Verbandsvertreter erlebt haben, haben ihn nie wirklich kennengelernt.

Sein Lebensmotto sollten wir in diesen schwierigen Zeiten zu bewahren versuchen. Es ist doch viel einfacher, sagte er, „wir üben Nächstenliebe, strecken die Hand aus, helfen, wenn wir können, teilen, verzeihen und respektieren jeden einzelnen.“ Das waren Worte aus seiner Dankesrede für das Bundesverdienstkreuz. Weil Covid monatelang keine Empfänge und Veranstaltungen zuließ, hat Walter Grupp seine Auszeichnung so gut wie nie tragen können. Wir werden ihn und seine Lebensart nicht vergessen können.

Fotos und Video: Claus Siebeneicher

2 Comments

  1. Gabrielle Pfeilstöcker

    “ Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausbringt, geht nicht verloren.“
    Einen wertvollen Menschen wird man niemals vergessen, denn der Tod kann nur irdisch trennen.

    Auch ich wünsche eine gute Reise
    auf einem neuen Weg, der ins Glück führt.

    Stille Grüße

    Gabrielle Pfeilstöcker

  2. Michael Jäger

    Mit großer Bestürzung und unendlicher Trauer haben wir vom Tod unseres langjährigen Freundes und Partners Walter Grupp erfahren.

    Über zwei Jahrzehnte war Walter für die Taxpayers Association of Europe (TAE) und den Bund der Steuerzahler in Bayern Büroleiter in Brüssel und einer unserer wichtigsten Verbindungsleute in die dortige Politik.

    Er war ein leidenschaftlicher Kämpfer für den Mittelstand, hat viele weitere Mittelstandsorganisationen vertreten.

    Sein Tod hinterlässt eine klaffende Lücke.

    Sein scharfer Verstand, seine Menschlichkeit, sein unglaublicher Horizont, sein Humor, seine wunderbar feingetunten Antennen und seine unerschöpfliche Leidenschaft werden uns allen persönlich und beruflich unermesslich fehlen.

    Walter, Du bist so absolut unersetzlich! Und fehlst uns so sehr!

    In tiefer Verbundenheit und Dankbarkeit
    Deine
    Michael Jäger
    Rolf von Hohenhau

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