Gute Erinnerungen an die belgische Besatzungszeit

Die Berichterstatterin militärisch umzingelt

Von Heide Newson.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren belgische Streitkräfte in dem sogenannten „belgischen Korridor“, der von Aachen bis Kassel reichte, stationiert. Am 7. Juni 2002 wurden sie mit einer feierlichen Zeremonie in Spich in Anwesenheit von König Albert II. und Bundespräsident Johannes Rau verabschiedet. Aus Anlass des 15. Jahrestags gab Deutschlands Botschafter Rüdiger Lüdeking einen Empfang, um die exzellenten Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien nicht nur im Verteidigungsbereich zu würdigen. Ehrengäste des Abends waren der belgische Verteidigungsminister Steven Vandeput und der Parlamentarische Staatssektretär Dr. Brauksiepe aus dem deutschen Verteidigungsministerium, die sich prächtig verstanden.

Was vor 70 Jahren noch undenkbar war, ist heute längst Realität. Die belgisch- deutschen Beziehungen, und das gilt auch für die enge Zusammenarbeit im Militärbereich, könnten (fast) nicht besser sein. Dass dem so ist, stellten die zahlreichen Vertreter des belgischen und deutschen Militärs während des Empfangs in der Residenz des deutschen Botschafters unter Beweis. Sie scherzten miteinander, sprachen über das gute Verhältnis, dass Belgier und Deutsche im Verteidigungsbereich hätten, und erhoben mehrfach das Glas auf Zusammenarbeit und Freundschaft. Belgiens Verteidigungsminister Steven Vandeput ließ es sich nicht nehmen, das gute Verhältnis, das Belgier und Deutsche nach dem Krieg zueinander entwickelt hätten, in der Sprache Goethes zu loben.

Die belgische Besatzungszeit

Dieser Abend stünde im Zeichen der Erinnerung an die belgische Besatzungszeit. Er würde einerseits in Erinnerung rufen, dass belgische Soldaten in Deutschland stationiert waren, andererseits aber ebenso, dass es an diese Zeit auch eine gute Erinnerung gegeben habe. Und diese gute Erinnerung sei das, was geblieben sei, so Vandput.

Zu dieser guten Erinnerung gehörten auch die belgischen Pralinen, die die Belgier für die Deutschen während der Besatzungszeit stets in ihrem Reisegepäck hatten. Aus ehemaligen Feinden wurden allmählich Freunde.

Die in Deutschland stationierten belgischen Soldaten haben einen wichtigen Beitrag zu Sicherheit und Frieden in Europa und auch für Deutschland geleistet,“ sagte Botschafter Lüdeking. Durch ihre Anwesenheit hätten sie unsere beiden Völker zusammengebracht. „Heute verbindet unsere beiden Länder eine enge Freundschaft und gemeinsame Grundüberzeugung, was gerade angesichts der vielfältigen Herausforderungen, denen sich Europa gegenübersieht, von großer Bedeutung ist. Und schließlich sollte der Jahrestag unsere Aufmerksamkeit auf die beispielhafte und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften unserer beiden Länder im Bündnis und in den internationalen Einsätzen lenken. Deutsche und belgische Soldaten stehen auch heute Seite an Seite für unsere gemeinsame Sicherheit, für ein friedliches Zusammenleben der Völker, für Menschlichkeit im Kampf gegen Terrorismus ein.“

Seine Jugend, so Lüdeking weiter, habe er im Ruhrgebiet in der Umgebung von Soest, Werl und Lüdenscheid verbracht. Überall habe er damals belgische Militärfahrzeuge gesehen, ganz normal sei das für ihn gewesen.

Vandeput und Lüdeking verstehen sich prächtig

Als das „letzte Feld“ geräumt wurde

Beeindruckt sei er von der Tatsache gewesen, dass die belgischen Streitkräfte anders als andere Streitkräfte, die in Deutschland stationiert waren, immer einen sehr engen und offenen Kontakt zur deutschen Bevölkerung gehabt hätten.

Und Belgiens Verteidigungsminister Steven Vandeput sagte im Gespräch mit „belgieninfo“, dass sich die belgischen Streitkräfte sowie ihre Familien in Deutschland sehr wohl gefühlt hätten. Vor 15 Jahren hätten sie mit schwerem Herzen das „letzte Feld“ geräumt. „Aber auch jetzt pflegen wir, wenngleich auf andere Art und Weise, einen sehr engen und offenen Kontakt.“ Er fuhr fort: „Mit Blick auf die zunehmende Bedrohung und der sich verschlechternden Sicherheitslage in und um Europa arbeiten wir sehr eng und vertrauensvoll mit dem deutschen Militär zusammen. Auch über unsere Liebe zum Bier verbindet uns viel. Die Deutschen mögen unser belgisches, und meine Landsleute wissen ein deutsches Pils zu schätzen.“

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