Globaler Hopfengipfel im Bierland Belgien

Von Heide Newson.

Belgien verfügt nicht nur über die größte Brauerei weltweit, sondern ist auch für seine Bierkultur und Hopfenqualität bekannt. Doch es ziehen dunkle Wolken über die Anbauflächen sowie die Ernte-und Marktaussichten der Hopfenanbauer.

Der Klimawandel und die Anforderungen beim Schutz der Umweltressourcen stellen die Hopfenanbauer vor enorme Herausforderungen, die zur Diskussion über die Neuausrichtung des Hopfenanbaus zwingen. Anpassungen sind nötig und wurden jetzt im Bierland Belgien, passenderweise in der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel, im Rahmen des „Global Hop Summit“ diskutiert. Zahlreiche Vertreter der globalen Hopfen- und Brauwirtschaft waren gekommen die Lage am Hopfenmarkt zu besprechen. Und da sieht es aktuell gar nicht so rosig aus.

Klimaveränderungen, die zur Einführung neuer Methoden, zur effizienteren Bewässerung und bedarfsgerechter Düngung zwingen, sowie das strenge EU-Regelwerk im Pflanzenschutz, bereiten den Hopfenanbauern Sorge. Die Anzahl der Hopfenschädlinge nehme zu, berichtete ein flämischer Hopfenanbauer, aber die Palette der erlaubten Pflanzenschutzmittel werde kleiner. Das erschwere das Resistenzmanagement und damit die Versorgung der internationalen Brauwirtschaft mit Qualitätshopfen enorm. Zudem erschwerten Trockenjahre und ungleichmäßige Niederschlagsverteilung den Anbau von Hopfen. Diese werden im Zuge des prognostizierten Klimawandels an Häufigkeit zunehmen und die Erträge der Hopfenanbauer weiter unterdurchschnittlich ausfallen lassen.

Dieser negativen Entwicklung stehe eine steigende Hopfennachfrage gegenüber. Insgesamt, so die Gipfelteilnehmer, sei der Hopfenmarkt eher unterversorgt. Das belegten nicht zuletzt die anhaltend hohen Freihopfenpreise, bei den Aroma- wie auch anderen Biersorten. Dabei sind die weltweiten Anbauflächen mit rund 60.400 Hektar so umfangreich wie noch nie seit 1997. Damit ist zumindest für 2020 die Hopfenversorgung für Belgiens größte Brauerei, Anheuser-Busch InBev, gesichert.

Das Problem: Bei dem angebauten Hopfen handelt es sich um eine neue Spezialsorte, mit hoher Hitzetoleranz und hoher Schädlings- und Krankheitsresistenz, aber mit noch recht geringer Akzeptanz bei den Brauern.

Belgische Biere zwischen Tradition und Kreativität

Heute gibt es in ganz Belgien nur noch 20 Hopfenanbauer, die meisten davon in Flandern. Deutschland und die USA dominieren mit 72 Prozent Marktanteil an der Hopfenanbaufläche den Weltmarkt. Das war längst nicht immer so. Belgien blickt auf eine lange Biertradition zurück:

Seit dem 14. Jahrhundert brauten belgische Hausfrauen für ihren Hausbedarf Bier und Klöster begannen mit dem Bierhandel. Bier wurde zum Exportschlager, was zur Gründung von mehr und mehr Brauereien führte. Im 15. Jahrhundert gab es in Belgien etwa 50 Braustätten, um 1680 waren es bereits 425, während gleichzeitig immer mehr Hopfen angebaut wurde.

Doch die Belgier sind kreativ und suchen nach neuen Verwendungsmöglichkeiten für den Hopfen: Ein Brauer der Brauerei Peak Beer in Botrange und ein Chocolatier, die seit langem befreundet sind, hatten vor zwei Jahren die Idee, Bier-Pralinen und Bier-Desserts auf Bier-Schokoladenbasis zu produzieren. Die Verbindung von Hopfen und Schokolade, die zwar ein wenig ungewöhnlich klingt, findet nicht nur reißenden Absatz, sondern lässt die Belgier das Problem rund um den Hopfen ein wenig vergessen.

 

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