Gerhard Mercator – Wegbereiter des Navigationssystems GPS

Gerardus_Mercator_3Von Jan Kurlemann.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert stritten Gelehrte in Deutschland und Belgien noch darüber, welchem Land Gerhard – in Belgien Gerardus – Mercator zuzurechnen war. Vor fünf Jahrhunderten in Rupelmonde im heutigen Belgien geboren, lebte und wirkte er lange Jahre in Duisburg, damals im Herzogtum Berg. Denkmäler erinnern in beiden und anderen Orten an ihn. Auf Geldscheinen, Münzen und Briefmarken in Belgien und Deutschland war er ebenfalls zu finden.

Die EU-Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen und die Belgisch-Deutsche Gesellschaft Brüssel (BDG) unternahmen es gemeinsam, seine bahnbrechende Rolle als Erfinder der zweidimensionalen Mercator-Projektion des dreidimensionalen Erdballes und als Wegbereiter des GPS, des satellitengestützten Navigationssystems in Erinnerung zu rufen . Schülerinnen und Schüler der Brüsseler Internationalen Deutsche Schule waren am 15. Oktober 2015 eingeladen, um sich auf anschauliche Weise mit der Mercator-Projektion und der weiteren Entwicklung der Kartografie und Kosmografie bis zu einer Echtzeit-Satellitenshow vertraut zu machen.

Ein Mercator-Doppelgänger im Schick des 16. Jahrhunderts

Roland Wolf vom Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg trat mit nachgeschneidertem Barett und Gewand des historischen Gerhard Mercator auf und gab auch Autogramme. Prof. Jan de Graeve von der Internationalen Föderation der Geometer und Thilo Elstner von der Sternwarte Bochum waren Ko-Referenten. Muderator war der ausgewiesene Kartenkenner Wulf Bodenstein (BDG).P1000024

Nach seinen Studien erstellte der Schuhmacherssohn Mercator 1541 seinen ersten Globus in Löwen (Leuven). Wegen „Lutherei“ wurde er verhaftet und ins Gefängnis geworfen, kam nach Monaten unter Verlust seines Vermögens wieder frei und zog später um nach Duisburg. Er baute weiter Erd- und Himmelsgloben und Astrolabien und wurde „Kaiserlicher Instrumentenbauer“.

Karten für die Seeleute durch Zylinderprojektion

„Ad usum navigantium“ erstellte er Karten, auf denen der Kompasskurs geradlinig sein sollte und nicht gebogen wie auf einem Globus. Man stelle sich eine Apfelsine vor, die in „Polrichtung“ nach Nord und Süd geschnitzelt wird. Dann müssen sich die Breitengrade in Polrichtung voneinander entfernen, anstatt wie auf einer Kugel zusammenzulaufen. Natürlich werden die „Land- und Seeflächen“ in der zweidimensionalen Projektion zu den Polen hin immer größer als auf einer Erdkugel.

Mercators Spuren im zerbombten Duisburg und im Verkaufskatalog seines Nachlasses

Wenige Spuren gibt es von Mercator in Duisburg. Nach Abriss eines Nachkriegsgebäudes konnte 2013 der Keller seines Hauses ausgegraben werden. Nun soll das Gebäude nach historischer Grundlage wieder aufgebaut werden. Prof. de Graeve hat das Verdienst, wissenschaftlich die Bibliothek Mercators aufgearbeitet und nach dem Ursprung der Mercator-Projektion geforscht zu haben. Als Grundlage diente ihm der Katalog vom Verkauf seiner Bibliothek von über 1000 Werken, zehn Jahre nach seinem Tode.

Mercator-Projektion von Satellitenbildern

Thilo Elstner zeigte an Hand von visuellen Beispielen, wie durch Anwendung der Mercator-Projektion Satellitenbilder der Erde entzerrt werden können, wenn der Satellit bei der Aufnahme schräg zum Äquator steht. Wie der Astronom berichtete, hatte Mercator durch Nutzung seiner Projektion den magnetischen Nordpol auf Karten eingezeichnet, was unerwünscht war. Das war vielleicht der Grund, meinte Elstner, warum ihn die Inquisition in Löwen ins Gefängnis werfen ließ.

Keine Prüfung im Unterricht

Die Anwesenden erhielten die Zusage, dass die Mercator-Projektion am folgenden Tag in der Deutschen Schule nicht geprüft würde. Schülerinnen und Schüler sowie andere Interessierte erhielten Plastikkugeln und ein Projektionsblatt mit der Abbildung der Mercator-Projektion der Erde. Damit konnten sie sich durch Zusammenrollen ihre eigene Zylinderprojektion der Erde erstellen.

Wer mehr über Mercator erfahren will, sollte die Museen in St. Niklaas (Belgien) oder Duisburg aufsuchen. In beiden findet man auch Erd- und Himmelsgloben Mercators. In Brüssel kann man seine Statue am „Sablon“ besichtigen.

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