Festtag der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Von Heide Newson.

Der 15. November ist der Festtag der Deutschsprachigen Gemeinschaft, zeitgleich mit dem Fest des Königs. Aus diesem Anlass fand in Anwesenheit von mehr als 130 Gästen ein Empfang in der Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft statt. Neben der ostbelgischen Politprominenz, also Ministerpräsident Oliver Paasch und einigen seiner Kabinettsmitglieder, gaben sich auch Belgiens Noch-Außenminister Didier Reynders, sowie Elio Di Rupo, die Ehre.

„Ich freue mich, dass Sie so zahlreich unserer Einladung zu diesem Festakt gefolgt sind. Angesichts zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen ist das nicht selbstverständlich“, so Oliver Paasch in seiner Festrede. Die große Präsenz wertete er als hohe Achtung vor den deutschsprachigen Belgiern. „Leute sagen, dass die Ostbelgier gerne feiern. Und sie mögen Recht haben. Unser nächstes Fest findet am 9. Januar 2020 im belgischen Senat statt.“ An diesem Tag werde die Deutschsprachige Gemeinschaft einhundert Jahre zu Belgien gehören. Und einen hundertjährigen Geburtstag feiere man nicht jedes Jahr.

Paasch verwies auf den Friedensvertrag von Versailles, der am 10. Januar in Kraft getreten war. „Für uns bedeutete er einen Wechsel der Nationalität von Preußen zu Belgiern.  So ist es irgendwie wahr, dass wir die letzten Belgier sind“, sagte er, und hatte die Lacher auf seiner Seite.

„Und hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sind wir die bestgeschützte Minderheit in der Welt.“   In Ostbelgien ließe es sich gut leben, es könnte die Insel der Glückseligkeit oder sogar das letzte Paradies der Welt sein.  Nicht ohne Stolz verwies er auf die Erfolge und auf die Leistungen der Ostbelgier, wobei das Handwerk sowie die relativ niedrige Arbeitslosenquote eine große Rolle spiele. Obwohl man sich nicht beklagen könne, bleibe Ostbelgien dennoch weder von globalen Krisen, noch von Veränderungen und Herausforderungen verschont. Im Gegenteil: globale Entwicklungen würden das Leben und politische Handeln auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft  beeinflussen. Ferner sprach er vom akuten Fachkräftemangel, der schwachen digitalen Infrastruktur im ländlichen Gebiet sowie dem globalen Klimawandel. „Im Digitalen liegt die Zukunft“, betonte er und appellierte an die künftige föderale Regierung die Internetverbindung von ganz Ostbelgien voranzubringen.

Am Ende seiner Rede, die wie in den Vorjahren von viel Humor begleitet war, würdigte er Didier Reynders. Dies sei das letzte Mal, dass er als föderaler Minister anwesend sei. Reynders sei so oft wie kein anderer Föderalpolitiker bei den Festtagsempfängen der DG gewesen und habe ungemein viel für sie getan. Für sein großes Engagement, und da er jetzt in die Europäische Kommission überwechsele, gab es dann auch ein (Abschieds-) Geschenk.  Paasch überreichte dem verdutzten Außenminister ein „Ostbelgien-Kissen“,  vielleicht für seinen neuen EU-Job.  Elio Di Rupo, seit kurzem „nur“ noch Abgeordneter und nicht mehr Vorsitzender der PS, wurde ebenso mit einem Kissen bedacht, das er strahlend entgegennahm. Reynders, schlagfertig und humorvoll wie eh und je, schmunzelte vielsagend, dass er das Kissen bestimmt viel nutzen und bei langen Debatten zwischendurch darauf mal seinen Nacken ausruhen werde. Ob er das Ruhekissen bei seinem nächsten Job als Kommissar  besonders viel zu nutzen gedenke, verriet er allerdings nicht.

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