Fächer und Vasen zwischen Eros und Feuer

vaseVon Thomas A. Friedrich.

Die Art Nouveau/Art Deco Biennale 2015 öffnete im Oktober private Jugendstilhäuser und gab Einblicke in private Sammlungen und Schätze des Jugendstils in Belgien. Die zwei Belgieninfo-Autoren Walter Grupp und Margaretha Mazura zeigten am Wochenende des 10. und 11. Oktober im „Concert Noble“ Fächer und Vasen, Pokale und Gläser in einer einmaligen über Jahrzehnte zusammengetragenen Sammlung von namhaften Künstlern.

In der Antike waren sie bereits in Ägypten und Indien zum Entfachen von Feuer und zur erfrischenden Kühlung verbreitet. Aber auch bei den Griechen und Römern fanden sich Stielfächer aus Balsamholz oder Federngeflecht. Faltfächer finden erst im 16. Jahrhundert den Weg von Japan nach Europa. Ihre Blütezeit auf dem europäischen Kontinent erlebten die wie ein Pfauenschweif aufklappbaren Fächer im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Bemalt, bedruckt, bestickt oder mit Pailletten und Federn besetzt eroberten sie nicht nur das höfische Leben im Zeitalter Ludwig XVI. Die kunst- und phantasievoll gestalteten Fächer avancierten auch zum Kommunikations- und Flirt-Utensil in weiten Gesellschaftsbereichen.

Vom Floralen bis zum Schäferstündchen
Ob beim Konzert- oder Theaterbesuch, beim Flanieren im Park oder im verschwiegenen Gartenpavillion: Fächer wedelten in weiblicher Hand zarte Botschaften an das andere Geschlecht, verhüllten oder offenbarten, wiesen ab oder ermunterten dazu, das Wort an die sittsame Dame zu richten. Die Vielfalt der Motive von Floralmustern über Landschaftsmalerei oder die Abbildung koketter Schäferstündchen bishin zu frivoler Erotik spiegelte dabei nicht selten Temperament oder Gemütsverfassung der in der Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts zur Sittsamkeit verpflichteten Dame.

Belgien wird Zentrum des Art Nouveau
Im Jugendstil des 19. Jahrhunderts machen die Architekten Victor Horta, Paul Hankar und Henry Vandervelde Belgien zum Zentrum des Art Nouveau. Im Verständnis des Jugendstils schafft der Architekt und Baumeister nicht nur die statische Konstruktion, Aufteilung und äußere Hülle eines Bauwerkes, sondern kreiert im Sinne der Dekorativen Kunst auch Fassaden, Möbel, Lampen und Vasen für das Interieur eines Hauses.

Der deutsche Fachanwalt für Steuerrecht Walter Grupp und seine Gattin Sylvia Schellhorn öffneten am ersten Oktoberwochenende in Brüssel für die Belgisch-Deutsche Gesellschaft (BDG) und nahezu 400 Besucher ihr Herrenhaus, um die Öffentlichkeit an ihrer einzigartigen Sammlung von Vasen, Glasern, Schalen, Wandtellern, Soliflore und Kerzenständern teilhaben zu lassen. So finden sich weit über 50 Exponante von Walter Almaric, Rigot Edmond, Verlys, Val-Saint-Lambert, Tiffany Louis Comfort, Scailmont, Raspiller Georges, Pallme-Koenig, Moser & Söhne Ludwig, Lorrain, Legras,  Gallé Emile oder Daum in einer kompletten Werkschau des Jugenstilschaffens vom Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Margaretha Mazura (l.) und die Hausherrin Slyvia Schellhorn

Wienerin „folle“ für Fächer aus allen Jahrhunderten
Zu den Raritäten gehören auch zwei Vasen von Georges de Feure. „Georges de Feure hat sowohl Vasen wie auch Fächer entworfen“, erzählt die in Brüssel lebende Österreicherin  Margaretha Mazura über ihre Entdeckung. Die Fächer-Liebhaberin Mazura hat aus ganz Europa Fächer aus mehreren Jahrhunderten zusammengetragen. Die Wienerin läßt in der Brüsseler Antiquitäten- und Brocante-Szene keine Gelegenheit aus, um ständig neue „trouvailles“ aufzustöbern. Im Haus Grupp-Schellhorn hat sie die Ausstellung nicht nur um zwei Fächer von Georges de Feure und eine von ihm gestaltete Klavierpartitur ergänzt, sondern stilvoll die Vasensammlung um dutzende reizvoll drapierte farbige Fächer aus verschieneden Stilrichtungen bereichert.

Nicht versäumen:  die Vasen- und Fächerschau  „Plumes et Paillettes“ im Concert Noble am 10. und 11. Oktober in der  Rue d’Arlon 82-84, 1040 Brüssel.   http://eventailfan.blogspot.be

 

 

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