Es geschah am helllichten Tage

FensterVon Sibylle Schavoir.

Es ist wirklich so, wie man es in der Zeitung liest. Da verlässt jemand für nur kurze Zeit das Haus. Kommt er zurück, so steht er fassungslos vor einem Chaos. In dem eben noch so ordentlichen und gemütlichen Haus herrscht heilloses Durcheinander. Es ist eingebrochen worden! So war es auch bei mir. Ich war nur eben mal weg.

Als ich zurückkam, schien zunächst alles wie immer. Doch beim Betreten des Hauses bemerkte ich erstaunt mehrere umgeworfene Stühle. Und dann entdeckte ich das Unfassbare! Im Wohnzimmer waren die Schubladen unseres Schreibtisches geöffnet und die Papiere achtlos auf die Erde geworfen. Die Küchentür war weit geöffnet und im WC des Erdgeschosses war das kleine Fenster groß auf. Aber es war nichts kaputt. Keine Tür zerbrochen, kein Fenster eingeschlagen.

Ich ging wie betäubt auf die Straße und rief per Handy die Polizei an, die sofort kam. Später sagten mir die Polizisten, dass ich – wohl instinktiv – richtig gehandelt hatte. Denn ich bin nicht durchs Haus gelaufen, um nachzusehen, was noch alles passiert sei. Sondern ich ging hinaus, um die Polizei zu benachrichtigen.

Zwei Polizisten kamen, parkten ihr Auto versteckt in einer Kurve und machten mir Zeichen, mich still zu verhalten und draußen vor dem Haus zu warten. Mit vorgehaltener Pistole und «auf sehr leisen Sohlen» gingen sie durchs ganze Haus, von einem Raum zum anderen, von einer Etage in die nächste. Nachdem sie sich vergewissert hatten, dass der oder die Diebe nicht mehr im Haus waren, konnte ich nun selbst nachsehen, was gestohlen worden war.

Durch das WC-Fenster

Es war ein «klassischer» Einbruch, wie man mir sagte. Klassisch in dem Sinne, weil bei mir durch das kleine WC-Fenster im Erdgeschoss eingebrochen wurde. Organisierte Banden gehen so vor, dass sie Kinder durch kleine Fenster schieben. Die Kinder öffnen dann dem Erwachsenen die Tür und dieser geht sofort gezielt auf Beutesuche. Alles muss sehr schnell gehen. Und dennoch hatte ich Glück gehabt. Gestohlen wurden gezielt wertvolle Objekte. Echter Schmuck, kleine Bronzefiguren, Dior Parfum. Glück hatte ich, weil die Diebe nichts mutwillig zerschlagen oder verschmutzt haben. Denn auch das käme häufig vor, wie die Polizei mir sagte. Finden die Diebe keine Beute, so würden sie sich manchmal «rächen», indem sie ein verwüstetes und absichtlich verdrecktes (verkotet, uriniert) Haus/Appartement hinterlassen.

Wie kann man sich vor dem Wandalismus wehren? Es gibt nicht den guten Ratschlag. Hat man das nötige Kleingeld, so kann eine Alarmanlage nützlich und schützend sein. Kann! Muss aber nicht. Gut abgesicherte Fenster sind hilfreich. Einbruchsichere Türen ebenfalls. Persönlich habe ich für mich eine «kleine» Lösung gefunden, um mich zu schützen. Da ich nun keinen wertvollen Schmuck mehr besitze, sondern nur noch einfachen Modeschmuck – den die Diebe übrigens liegengelassen haben, da sie sich auf dem Gebiet gut auskennen – lasse ich abends in Sichtweite meine Handtasche mit etwas Bargeld liegen. Hinzu füge ich einen Zettel mit der Aufschrift: «Bonjour les Cambrioleurs. On m’a déjà cambriolé. Il n’y a plus rien chez moi. Vous pouvez prendre mes quelques sous». (Guten Tag ihr Diebe. Man hat schon bei mir eingebrochen. Ich besitze nichts Wertvolles mehr. Sie können das beiliegende Bargeld mitnehmen.)

Angst? WUT!

Ob das etwas nützt? Ich hoffe es. Ich habe noch ein paar weitere Tipps, aber die verrate ich nicht. Denn wer weiß, wer alles diesen Artikel liest. Was ganz erstaunlich ist: Ich habe überhaupt keine Angst in meinem Haus nach dem Einbruch. Aber ich habe große WUT. Wut, dass wir uns in unserer Gesellschaft nicht mehr sicher fühlen können. Wut, dass Einbruch zum Alltag zu gehören scheint. Wut darauf, dass wir vieles Unangenehme einfach hinnehmen müssen. WUT, dass die Einbrecher in meinen persönlichen und intimsten Dingen herumgeschnüffelt haben. Und Trauer, dass sie mir viele Erinnerungsstücke genommen haben, die keine Versicherung je ersetzen kann.

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