Ein Piano für den Privatjet. Kaufmanns Klaviere für König und Volk

e9b5d701a2Nicht jeder darf sich Hoflieferant nennen. Dafür muss man gute Zeugnisse vorweisen können, und das kann das Familienunternehmen Kaufmann mühelos. Für König Balduins 25. Hochzeitstag baute es ein besonderes Cembalo, und später restaurierte Martin Kaufmann, der heutige Senior, ein Klavier von Königin Fabiola. Klaviere und Cembali sind sein Leben.

„Kaufmann – Facteurs de pianos et clavecins“ beschreibt sich das Unternehmen, in dessen Verkaufsräumen ein Teil der verfügbaren Instrumente ausgestellt wird. Man kann sie am Rande des historischen Zentrums von Brüssel betrachten, in der Rue Royale 161-163 gegenüber dem Botanique, dem ehemaligen Hauptgebäude des Botanischen Gartens, das heute zum Kulturzentrum geworden ist.

Nachdem dem Besucher eine Tasse Kaffee oder Tee angeboten wurde, erscheint der „alte“ Kaufmann (so bezeichnet er sich selbst) und beginnt mit der Besichtigung. Fast zwei Stunden hört man seiner fesselnden, zugleich sanften Stimme zu. Unerschöpflich schildert er die Entwicklung „seiner“ Instrumente vom Cembalo, bei dem die Saiten nicht angeschlagen, sondern angerissen werden, bis zum Klavier, und spickt sie mit zahlreichen Anekdoten.

Geschenk zum 25. Hochzeitstag

Unter König Balduin bekam das Haus Kaufmann die amtliche Urkunde als Hoflieferant, die seit dieser Zeit nicht mehr zurückgezogen wurde. „Wir haben damals das Cembalo gebaut, das Ihre Majestät für seine Gattin anlässlich des 25. Jahrestages ihrer Eheschließung bestellt hatte. Das war ein maßgearbeitetes Instrument, in das wir ein spanisches Liebesgedicht eingravieren mussten“, erzählt Kaufmann, der mit dem berühmten gleichnamigen Wiener Orgelbauer verwandt ist.

Martin Knud Kaufmann erlernte das Fach von seinem Vater, der das Familiengeschäft Ende der vierziger Jahre gründete. „Schon im Jahre 1934 bastelte mein Vater an den Cembali des Hofes, damals im Auftrag der Königin Elisabeth“, berichtet Kaufmann, dessen Frau und Kinder heute im Geschäft mitarbeiten. Die Umsätze haben sich erfreulich entwickelt.

„In den königlichen Palästen und Schlössern stehen etwa dreißig historische Tasteninstrumente. Auf einem Dachboden des Palastes in Brüssel steht zum Beispiel ein Pianoforte aus dem Jahr 1815, das wir gerne wieder herstellen würden“, berichtet Kaufmann. Er hat sich auf die Restaurierung und den Verkauf von Klavieren spezialisiert, die vor 1930 hergestellt wurden. „Ungefähr 45 Prozent unseres Verkaufs besteht aus historischen Klavieren, etwa 30 Prozent aus modernen Instrumenten und 25 Prozent aus Cembali. Eines der Prunkstücke unserer Sammlung ist ein Klavier, das Clara Schumann gehörte, und auf dem unter anderen Brahms gespielt hat.“

Kaufmann vertritt in Brüssel auch Herstellerfirmen wie die namhafte Wiener Firma Bösendorfer und die deutschen Ibach-Modelle. Digitale Klaviere werden in dem Laden in der Rue Royale etwas abschätzig als „Ersatz-Klaviere“ betrachtet; sie machen auch nur 10 Prozent des Verkaufs moderner Instrumente aus.

500 Cembali

Kaufmann baut selbst Cembali und Klaviere, gelegentlich sogar Harfen. „Seit 1949 haben wir schätzungsweise 500 Cembali gebaut, jährlich kommen wir auf etwa achtzig Klaviere“, sagt der Chef.

So ein Unternehmen findet Kunden in aller Welt. Sowohl der Kaiser von Japan wie auch der Präsident von Mexiko zählen zu seinen Kunden. Für einen Scheich aus Saudi-Arabien musste Kaufmann einmal ein maßgearbeitetes Klavier bauen, das in dessen Privatflugzeug passte. „Im Grossen und Ganzen ist vor allem die Nachfrage aus Asien gestiegen, dagegen ist das Amerika-Geschäft zurückgegangen. Das europäische Interesse ist konstant.“

Wie in manchen Bereichen spürt auch Kaufmann die Wellen der Globalisierung. „Vor etwa 20 Jahren importierte mein Vater ein Klavier aus China“, berichtet er, „es war von der Qualität her unverkäuflich. Doch die Chinesen lernen schnell und gut. Heutzutage bauen sie Instrumente, die der Konkurrenz ebenbürtig, doch viel preiswerter sind. Das zwingt uns zur Innovation. Übrigens: Meine Schwiegertochter entwirft jetzt Dekorationsgegenstände mit Bestandteilen aus nicht wieder herstellbaren Klavieren.“

77 mal 44 Zentimeter

Gleichwohl gibt es aus Japan großes Interesse an einem von Kaufmann entwickeltes Minicembalo, dessen Herstellung dort industrialisiert werden soll. Es misst 77 mal 44 Zentimeter und hat 45 Tasten. Die Japaner halten es für sehr geeignet zum Gebrauch in den winzigen japanischen Wohnungen.

Auf dem Klaviermarkt ist die Demokratisierung schon eine Tatsache. „Es spielen so viele Menschen begeistert ein Instrument, alle Musikschulen sind vollbesetzt. Ich bin optimistisch für die Zukunft, warum sollte ich mir Sorgen machen?“ beschließt Kaufmann senior.

Infos:
Pianos Kaufmann
Rue Royale 161-163
Koningsstraat 161-163
Bruxelles 1210 Brussel

Von Guy Penninck

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