Ein europäischer Skandal

Capture d’écran 2014-06-22 à 10.56.13Immer mehr Deutschsprachige in Belgien fordern die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen ARD, ZDF und Belgacom TV. In einem Offenen Brief heißt es: „Mit großem Befremden und wachsendem Unverständnis nehmen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner zur Kenntnis, dass seit dem 14. Mai 2013 die beiden öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehprogramme ARD und ZDF über Belgacom TV (einem der größten Fernsehanbieter in Belgien) nicht mehr zu empfangen sind.

Nachfragen zur Begründung für diese kultur- und informationspolitisch kaum nachvollziehbare Entscheidung führen zu einem lächerlichen Schwarze-Peter Spiel zwischen der Belgacom und den beiden Rundfunkanstalten, die sich gegenseitig bezichtigen, durch unangemessene Forderungen eine gütliche Einigung im Interesse der Fernsehzuschauer zu blockieren.

In Belgien und besonders in der Hauptstadt der europäischen Einigung ist hochwertige, verlässliche und pluralistische Information und niveauvolle Unterhaltung in möglichst vielen Sprachen noch dringender von Nöten, als anderswo. Nicht nur aus Sicht der Konsumenten, deutschsprachige Bewohnerinnen und Bewohner Belgiens aus allen Nationen, sondern auch im Interesse der Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in den europäischen Institutionen ist Zugang zu Informationen aus und über Deutschland von größter Bedeutung.

Medienvielfalt, Meinungspluralismus und offene Debatten auf Grund verlässlicher Informationen sind Grundvoraussetzung für demokratisches Zusammenleben und die europäische Integration. Nicht umsonst sind diese Grundsätze sowohl in den Verfassungen und Mediengesetzen der Mitgliedstaaten als auch in der EU Grundrechtecharta verankert. Die Medienlandschaft im grenz-überschreitenden europäischen Zusammenhang ist nach wie vor zerstückelt und wird, wie am Beispiel Belgacom-ARD/ZDF zu sehen, offenkundig unter rein kommerziellen, kurzfristigen Kriterien betrachtet.

Solange dies so ist, kann eine europäische Öffentlichkeit nicht entstehen.

Wir appellieren daher an ALLE Beteiligten Parteien, die Verhandlungen wieder auf zu nehmen und möglichst bald zu einer Lösung zu kommen, die eine Verbreitung der qualitativ hochwertigen Angebote der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus Deutschland im europäischen Nachbarland Belgien sicher stellt. In einer Zeit, in der in Europa wieder nationale Vorurteile wachsen und Informationen über die jeweils ‚anderen’ immer seltener werden, ist dies ein Gebot der Vernunft.“

Dieses Schreiben wurde unterzeichnet von

Justus Schönlau

Karl Heinz Lambertz

Matthieu Hornung

Katja Turck

 

Weitere Unterschriften zu diesem Brief an: matthieu.hornung(at)cor.europa.eu


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