Ein Belgier in Trondheim

040614_Trondheim_0Ja, Henry van de Velde kann man auch im skandinavischen Norden bestaunen. Wer das Trondheimer Kunstindustrimuseum besucht, der wird auf den Tausendsassa des belgischen Designs treffen. Das Trondheimer Museum kann angesichts des begrenzten Raumes nicht mit Kunstgewerbemuseum wie dem in Berlin oder in Hamburg konkurrieren. Klein, aber fein lautet das Motto des Hauses, in dem man kunstgewerblichen Arbeiten aus Fernost ebenso findet wie die Raumkunst des belgischen Künstlers Henry van de Velde.

Van de Velde hat den im Museum inszenierten Raum, zu dem auch Kunstwerke von Munch und Vigeland gehören, 1907/08 extra für dieses Museum konzipiert. Der damalige Direktor des Hauses Jens Thiis, der bis 1909 die Geschicke des Kunstgewerbemuseum in Trondheim lenkte, hatte dazu seine Beziehungen, auch zum Kunsthändler und Galeristen Siegfried Bing spielen lassen, um van de Velde für dieses Projekt zu begeistern. Bing war auch der Kontakt für den Ankauf der ersten Art-Nouveau-Exponate, ehe der Kontakt zu van de Velde zustande kam. Thiis bewegte van de Velde dazu einen Ausstellungsraum für die angekauften Art-Nouveau-Exponate zu entwerfen. Die ersten Entwürfe wurden aber nicht realisiert und man einigte sich auf eine Alternative, deren Entwurf aber nicht mehr vorhanden ist.

040614_Trondheim_12008 wurde der van-de-Velde-Raum im Museum restauriert und im Hinblick auf van de Veldes erste Entwürfe umgestaltet. Thiis hatte im Kopf, dass der Raum perlgrau ausgeschlagen sein sollte und er wünschte sich zudem pupurfarbene Fußleisten, um eine der Farben der Glasdecke aufzugreifen. Van de Velde hingegen plädierte für ein dunkles Braun, um einen dunklen Holzton zu imitieren. Statt den Raum in Perlgrau auszuschlagen, votierte van de Velde für Grün – und so wurde der Raum bei der Restaurierung auch ausgeschlagen.

Die im Raum platzierten grafischen Arbeiten von Edvard Munch, darunter „Melancholie“ und das Porträt des dänischen Dichters Holger Drachmann, wurden auf Wunsch van de Veldes Teil des Gesamtkunstwerks. Blicken wir zur Decke, so sehen wir ein ovales Glasfenster in überwiegend erdigen und sandigen Tönungen, sieht man von den blauen „Streben“ und der lila Fassung einmal ab. Beherrscht wird der Raum von einem Schreibtisch nebst Schreibtischstuhl, der die typische van-de-Velde-Linie zeigt, weniger verspielt als der „Peitschenschlag“ eines Victor Hortas. Auch der silberne Kerzenleuchter, der auf der seitlichen Ablage steht, verrät wenig von den für den Jugendstil so typischen floralen Formen. Betrachtet man den Schreibtisch genauer, so fällt auch die teilweise in Buntglas gehaltene Rückwand auf. Das Motiv dieser Buntglasarbeit erinnert ein wenig an eine stilisierte Eule.

 

Weitere Informationen
Kunstgewerbemuseum (Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum)
http://www.nkim.no/english

 

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

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