Ein Ausflug nach Ostbelgien

Photo 14-04-16 13 35 55Alles begann am 14. April: Wir, eine Gruppe von 7 Studenten der Universität Mons, fuhren in Richtung Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien. Im Rahmen des Deutschkurses „Kommunikation- und Argumentationsstrategien“ machten wir einen Ausflug von drei Tagen, um mehr über diese Gemeinschaft zu erfahren. Die zwei Nächte verbrachten wir in einer Jugendherberge in Sankt Vith.

Am ersten Tag haben wir das Kulturzentrum Triangel besucht und das Theaterstück „Die Harmonie der Gefiederten“ des Ensembles Agora angesehen. Als wir die Tür öffneten, sahen wir einen roten Teppich, der bis zum Theatersaal führte. Auch während des Theaterstücks waren die Bühnenbilder sehr schön angeordnet. Das Stück handelte von dem Leben der Vögel und war sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gedacht. Tatsächlich zog es Parallelen zwischen dem Leben der Gefiederten und dem Leben der Menschen. Zum Beispiel, als die „Eltern“ ihre Jungvögel aus dem Nest stoßen, damit sie losfliegen, denken wir an die menschlichen Eltern, die ihre Kinder aus dem Haus werfen.

Die Harmonie der GefiedertenDie Schauspieler haben alle Deutsch gesprochen, außer zwei, die jeweils Französisch bzw. Englisch sprachen. Fast sämtliche Zuschauer konnten alle drei verwendeten Sprachen verstehen und es hat uns an die beeindruckende Mehrsprachigkeit in Belgien erinnert. Während des Stückes gab es Interaktionen zwischen den Schauspielern und den Zuschauern:  Zum Beispiel fragten sie uns, welcher Vogel hinter einem Vogelgesang steckte. Neben ihrem guten Schauspiel konnten sie alle ein Instrument spielen, und die Musik war ein Genuss für die Ohren.


(Red.) Mit diesem Beitrag der Studenten der Uni Mons setzen wir unsere Serie: „Sprachschüler schreiben für Belgieninfo“ fort. Wir beglückwünschen sie für ihre Kenntnisse und Fähigkeiten. Weiter so!


Nach dem Theaterstück gab es ein feines Abendessen mit Publikum und Theaterensemble. Wir haben „oiseaux sans tête“ gegessen, was natürlich eine Anspielung auf das Theaterstück war. Danach hatten wir die Möglichkeit, mit den Schauspielern zu diskutieren. Sie waren sehr nett und freuten sich darüber, unsere Fragen zu beantworten. Es ist uns aufgefallen, dass die meisten von ihnen fast perfekt Deutsch und Französisch sprachen. Außerdem konnten wir beobachten, dass sie sich alle kannten; die Schauspieler untereinander natürlich, aber die Zuschauer auch. Daher wirkten sie zusammen wie eine große Familie und wir fühlten uns fast wie Mitglieder.

Stadtmäuse aus Mons verirren sich ins Hohe Venn  

Am Freitag den 15. April nehmen wir den Bus bis zum Hohen Venn. Dort beginnen wir eine Wanderung von etwa sechs Kilometern durch die Natur. Wir haben Glück, die Sonne scheint. Die Landschaft und die Aussicht sind wunderschön. Wir gehen zum höchsten Punkt Belgiens, der nämlich 694 Meter hoch liegt. Wir gehen sogar eine Treppe hinauf, um an Höhe zu gewinnen und so 700 Meter hoch zu sein.

Photo 15-04-16 16 46 40Der Anfang des Spaziergangs ist ziemlich flach, wir gehen auf Holzstegen durch den Sumpf. Plötzlich bleiben wir stehen: es gibt etwas Besonderes im Wasser. Es sieht wie eine Weintraube aus, aber es ist durchsichtig. Ach! Das sind ja Froscheier. Wir gehen weiter, bis wir einen besonderen Baum erkennen. Ja, der ist es, den wir wiederfinden sollten. Dann kommen wir tiefer in den Wald. Fröhlich betreten wir den nassen Erdboden mit nassen Füßen. Dieser kleine Moment allein mit der üppigen und unberührten Natur gefällt uns sehr. Wir können darüber nachdenken, was wir hier erleben. Wegen des Wetters und der grünen Nähe fühlen wir uns frei. Belgien, trotz seiner geringen Größe, muss nicht erröten, denn in diesem Land gibt es wirklich Schätze.
Wir sind in so viele Richtungen getrippelt, dass wir uns nicht mehr auf der Karte zurechtfinden konnten. Wir sind gestresst, weil wir den letzten Bus nicht verpassen dürfen. Zum Glück finden wir unseren Weg rechtzeitig wieder. Am Ende des Spaziergangs sehen wir zwei Rehe in der Ferne. Wir probieren uns ihnen zu nähern, aber natürlich laufen sie plötzlich weg, als sie unsere Anwesenheit bemerkten. Das stellt doch ein unvergessliches Ereignis dar, da es eine seltene Gelegenheit ist, wilden Tieren im Wald zu begegnen. Bevor wir den Bus zurück nach Sankt Vith nehmen, machen wir noch eine kurze Pause im Naturparkzentrum. Ehrlich gesagt fühlen wir uns ein bisschen wie die Stadtmäuse in der Fabel Die Stadtmaus und die Feldmaus.

Comment ça va in der DG?

Auch wenn wir aus demselben Land kommen, denken wir ganz anders. Belgien ist ein sehr kleines Land aber die verschiedenen Mentalitäten im Norden, im Süden oder im Osten sind nicht ähnlich. Aus einer wallonischen Sicht, haben wir den Eindruck gehabt, dass Ostbelgien eine einzige Region werden will.

Warum ist die DG so einzigartig? Weil sie im Laufe des 20. Jahrhunderts drei Mal die Staatsangehörigkeit gewechselt hat und deshalb hatten die Leute dort immer Schwierigkeiten, um sich als Belgier oder als Deutsche zu fühlen.

Fichier 12-05-16 09 51 11Während wir diese drei Tage in der DG verbrachten, kam es uns oft vor, als wären wir in Deutschland. Nur Ostbelgier konnten uns sagen, ob unser Eindruck sich bestätigt. Deswegen haben wir entschieden, den Einwohnern der DG ein paar Fragen zu stellen. Daraus ging hervor, dass Ostbelgier sich nicht als Deutsche fühlen. Allerdings fühlen sie sich auch nicht als Wallonen. Alle haben dasselbe geantwortet „Ich fühle mich als Ostbelgier!“

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen dem Hochdeutsch und dem Deutsch, das in Ostbelgien gesprochen wird. Dieses belgische Deutsch enthält ein paar französische Wörter. Darüber waren wir sehr erstaunt! Zum Beispiel haben wir gehört: Voilà – Ah bon – Pardon – Ça va?

Im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurden wir sehr freundlich empfangen. Dort sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir alle, Belgier, wissen, dass wir zusammen bleiben sollen. Wir wollen das überhaupt nicht verändern. Auch mit einer anderen Mentalität können wir uns mit den Ostbelgiern vergleichen.

Adresse Naturparkzentrum:
Route de Botrange, 131
4950 Waimes
Tel: 0032(0)80/44.03.00
Webseite: www.botrange.be

Adresse des Kulturzentrums Triangel:
Kultur-, Konferenz- und Messezentrum Triangel
Vennbahnstr.
B-4780 Sankt Vith
Tel.: +32 (0)80 44 03 20
Email: info@triangel.com
Ticketverkauf: Montag – Freitag von 9.00 bis 14.00 Uhr
Webseite des Kulturzentrums Triangel

Adresse Agora:
Das Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens
Am Stellwerk 2
B – 4780 Sankt Vith
Tel.: +32 (0)80 22 61 61
Email: agora@agora-theater.net
Webseite Agora

Von: Marie Boreux, Lisa Gazon, Quentin Cerenzia, Mélissa Marteleur, Valentine Berns, Noémie Nicolas, Valentine Boudart und Marco Giancaterini

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