Deutschland bleibt Belgiens Hauptabnehmer

Von allen exportierten Waren Belgiens sind im vergangenen Jahr 17 Prozent nach Deutschland gegangen. Diese Angaben machte die europäische Statistikbehörde Eurostat. Deutschland ist damit weiterhin größter Abnehmer von Produkten aus Belgien. Zweitgrößter Importeur belgischer Waren war in 2014 Frankreich mit 16 Prozent, gefolgt von den Niederlanden mit 12 Prozent.
In der Import-Statistik zeigt sich ein anderes Bild. Belgien bezieht die meisten Waren aus den Niederlanden (20 Prozent), gefolgt von Deutschland (13 Prozent) und Frankreich (10 Prozent).

Delikatesse auf Vorbestellung

Eurostat relativiert allerdings die Exportwerte der Niederlande. Die Zahlen seien zu hoch angesetzt. Grund ist, so Eurostat, der sogenannte „Rotterdam-Effekt“. Er verfälsche sowohl Import- und Exportstatistiken. Bezieht ein Importeur eine Ware über Rotterdam und lässt sie dort für die EU als Einfuhr verzollen („In-Verkehr-Bringen“), ist die Ware statistisch holländischen Ursprungs. Der tatsächliche Ursprung der Ware bleibt der Import-Statistik indess verborgen. In der Export-Statistik sind daher Herkunft und Ursprungsland nicht unterscheidbar.

Laut Angaben der belgischen Nationalbank exportierte Belgien 2014 weltweit Waren im Wert von rund 252 Milliarden Euro und damit fast genauso viel wie 2013. Belgiens Außenhandel mit Österreich und der Schweiz ist relativ gering. Nach Österreich wurden 2013 Waren im Wert von 2,4 Milliarden Euro exportiert und von dort im Wert von 1,7 Milliarden Euro importiert. Die Exporte in die Schweiz machten 4 Milliarden Euro aus, die Importe von dort 2,9 Milliarden Euro. Die Außenhandelsbilanz Belgiens mit allen deutschsprachigen Ländern ist positiv.

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Regional betrachtet, zeigt sich in Belgien ein differenzierteres Bild. Die Außenhandelsstatistik dokumentiert eine zunehmende Dominanz des nördlichen Landesteils gegenüber dem südlichen: 80 Prozent aller exportierten Waren sind flämischer Herkunft. 18 Prozent kommen aus der Wallonie und zwei Prozent aus der Region Brüssel.

Als Kraftzentrum der belgischen Wirtschaft präsentiert sich der nördliche Landesteil. In Flandern werden 57 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erwirtschaftet, im südlichen Wallonien 24 Prozent und in der Hauptstadtregion Brüssel 19 Prozent. Allein in der Provinz Antwerpen werden 19 Prozent des BIP erwirtschaftet und im flämischen Brabant sind es zehn Prozent. Die deutschsprachigen Ostgebiete, wo 0,7 Prozent der belgischen Bevölkerung lebt, trägt mit 0,5 Prozent Wirtschaftsleistung zum nationalen BIP bei.

Rainer Luetkehues

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