Der „Neue“

MeindlChristine Seeber trifft Botschafter Jürgen Meindl.

Im Oktober war es soweit – der neue österreichische Botschafter im Königreich Belgien und Leiter der Österreichischen Vertretung bei der NATO, Mag. Jürgen Meindl, empfing BELGIENINFO zum Interview. Von seinem Büro in der bilateralen Botschaft am Champs de Mars hat er einen wunderbaren Rundblick aus dem 15. Stock. Man kann auch sagen: Überblick. Hier wird sich Meindl bestimmt wohlfühlen.

Herr Botschafter, wann waren Sie zum ersten Mal in Belgien?
1993 für die Stadt Wien – damals war Österreich noch kein Mitgliedsland der EU. Der Beitritt erfolgte 1995 zusammen mit Schweden und Finnland.

Was hat Sie bewogen, sich für Belgien zu bewerben?
Brüssel ist der größte internationale Hotspot der Welt, das macht den Posten so besonders. Zudem ist die Doppelaufgabe, einerseits Botschafter im Königreich Belgien und zugleich Leiter der Österreichischen Vertretung bei der NATO zu sein, eine spannende Herausforderung.

Für Meindl waren vor allem die Jahre von 1999 bis 2003 als stellvertretender Missionschef in der Botschaft in Tel Aviv, Israel, eine prägende Zeit. Dies unter anderem, weil die politische Situation in Österreich das Verhältnis der beiden Länder zeitweilig belastet hat. Zum anderen gab es in Israel selbst die Al-Aqsa-Intifada II. Das waren blutige Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, die den stellvertretenden Missionschef auch persönlich sehr berührten.

Die Ortstafelverhandlungen

Meindl erinnert sich auch an seine Zeit im Kabinett des Bundeskanzlers Faymann, zuerst als außenpolitischer Berater und dann als stellvertretender Kabinettschef – hier vor allem an die Ortstafelverhandlungen in Kärnten. Auch in Österreich gab es Streitigkeiten um mehrsprachige Ortseingangsschilder, die vergleichbar sind mit den Zuständen in Belgien vor vielen Jahren. „Lüttich – Liège – Luik“ – wir haben uns hier längst daran gewöhnt und den Österreichern wird es mittlerweile mit ihren Beschilderungen genauso gehen.

Wie sehen Sie die belgisch-österreichischen Beziehungen?
Wir können auf eine jahrhundertelange gute Beziehung zurückblicken, die bis heute andauert. Auf ökonomischer Ebene ist Belgien mit einem Handels- und Dienstleistungsvolumen von 5,3 Mrd. Euro ein wichtiger Partner Österreichs. Besonders hervorzuheben ist der Tourismus, nimmt doch Belgien, vor allem dank Flandern, den 6. Rang bei den Österreich besuchenden Touristen ein. Der Städtetourismus und die touristischen Beziehungen zu Wallonien könnten wohl noch etwas gefördert werden.

Direkt vor seiner Ankunft in Belgien war Meindl vier Jahre lang Botschafter der Republik Österreich in der Schweizer Eidgenossenschaft. Den größten Unterschied zwischen den beiden Staaten sieht er darin, dass die Schweiz kein EU-Mitgliedstaat ist, Belgien hingegen ein Gründungsmitglied. Ein weiterer Unterschied für ihn ist, und da lacht er, die Länge der Autostaus zu Stoßzeiten. Die haben hier nämlich eine ganz andere Dimension als in den Schweizer Städten… und da sich die bilaterale Residenz in Uccle befindet, kann Meindl jetzt schon ein Lied davon singen.

Eine provokante Frage: Ist die österreichische Neutralität noch zeitgemäß?
Man muss die Neutralität eben zeitgemäß interpretieren. Das gelingt Österreich sehr gut. Unser Heimatland nimmt als NATO-Partner an einer Reihe internationaler friedenserhaltender Maßnahmen teil, wie zum Beispiel der Partnerschaft für den Frieden (PFP). Österreich hat 500 KFOR-Soldaten und Soldatinnen im Kosovo stationiert. Österreich übernimmt 2017 den Vorsitz der OSZE Konferenz. All dies ist mit der Neutralität vereinbar.

Wo sehen Sie die Rolle Österreichs in der internationalen und europäischen Sicherheitsarchitektur?
Wien und Österreich sind Platz des internationalen Dialogs, die Stichwörter lauten Iran-Verhandlungen oder Westbalkankonferenz, wo es kürzlich in erster Linie um die Flüchtlingsfrage ging. Österreich gestaltet als Mitglied der EU die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik aktiv mit. Unser Land beteiligt sich, wie schon erwähnt, bei den KFOR-Einsätzen im Kosovo und wir bringen uns vermehrt bei Einsätzen im Westbalkan ein. Sie sehen, wir haben wirklich viel zu tun.

Ein sportlicher Diplomat

Der 1965 in Linz geborene Botschafter ist mit seiner Familie, seiner Gattin Dr. Jutta Meindl-Weiss und seinem 16-jährigen Sohn Maximilian Anfang August nach Brüssel gezogen. Meindl ist aktiver Sportler, er joggt, hat sich in einem Sportclub eingeschrieben und fährt gern Rad. Dieses Hobby teilt er mit vielen Belgiern; er ist sicher, hier rasch Freunde zu finden. In seiner Freizeit liest er historische Literatur und Romane, derzeit das neue Buch von Jonathan Franzen „Unschuld“. Außerdem interessiert sich Meindl für den Film und geht mit Vergnügen ins Kino.

Wir von Belgieninfo haben noch einen Wordrap, ein kleines Wortspiel, für den neuen Botschafter vorbereitet. Zu einem von uns genannten Begriff musste Meindl umgehend eine Assoziierung nennen.

Belgien: Brüssel – Europas Hauptstadt
Österreich: Heimat
Karriere: bin zufrieden
Familie: sehr wichtig
Flüchtlinge: große Herausforderung
NATO: relevante Sicherheitsorganisation
König: sympathisch; am 28. Oktober kennengelernt
Essen: ausgezeichnet in Brüssel
Wein: österreichisch, werde aber demnächst einen belgischen probieren
Kinder: haben hier viele Möglichkeiten, vor allem in sprachlicher Hinsicht
Ziel: persönliche Zufriedenheit
Regen: könnte weniger sein
Sport: wird wichtiger
Schokolade: auch belgische Pralinen, sehr gerne!

Und mit diesem süßen Schluss beendet BELGIENINFO das Interview, bedankt sich herzlich beim neuen österreichischen bilateralen Botschafter, Mag. Jürgen Meindl, für sein Entgegenkommen und wünscht ihm für seine Tätigkeit alles Gute.

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