Der Garten im Februar

Von Heidrun Sattler.

Die große Frage in diesem Monat ist immer wieder: Was bringt uns der Winter noch? Kommen Eis und Schnee zurück, wie es vor einigen Tagen war? Oder machen die Sonnenstrahlen am Monatsanfang Hoffnung auf den Frühling? Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit Geduld zu wappnen und mit dem Spruch, der in Belgien gang und gäbe ist: „Wir werden sehen!“ vorlieb zu nehmen. Doch auch jetzt schon gibt es etwas zu bewundern bei unserer Gartenfrau, kommen Sie einfach mit!

Wetterkapriolen

Es ist bei uns glücklicherweise nicht wie in den USA oder Australien, doch uns heizungsverwöhnten Stubenhockern kommen einige Tage Schneefall und Frost schon sehr besonders vor. Aber wenn es zu Bildern kommt wie auf meiner Terrasse vor einer Woche, dann freut sich der Mensch. Es war für zwei Tage ein richtiges Winterwunderland.

Jetzt ist wieder alles geschmolzen und heute Nachmittag hatte ich die Sonne auf der Nase, als ich durch den Garten ging. Warm eingepackt konnte ich nicht widerstehen und habe die vorjährigen Hortensienblüten der (Hydrangea arborescens) Annabelle und ihrer Artgenossen der Sorten Hydrangea paniculata bis auf 40 cm zurück gestutzt. Man kann auch tiefer schneiden, dann werden die Blüten im Sommer größer. Doch angesichts der „Saugfähigkeit“ der Blüten bei Regen und der damit verbundenen Neigung, bis auf den Boden zu hängen, vermeide ich das. Kleinere Blüten bleiben besser aufrecht und benötigen weniger auffällige Stützen.

Was blüht denn da?

Zwar werden sie noch oft von unordentlichen Nachbarn verdeckt, doch die Schneeglöckchen wagen es, ihre Köpfchen über das Erdreich zu strecken. Weiter oben sind die rosa Blüten des Winterschneeballs (Viburnum bodnantense) zu erspähen. Die Zaubernuss (Hamamelis intermedia ‚Orange Beauty‘) und ihre Nachbarin in meinem Garten, die Winterblüte oder auch Wintersüß (Chimonanthuss praecox) lassen den Wunsch nach Duftfotografie aufkommen. Letztere verbreitet einen überraschenden Melonengeruch. Diese Drei können in den nächsten Wochen noch im Arboretum Kalmthout bewundert und beschnuppert werden.

Die auffälligsten Schönheiten des Winters sind allerdings die Christrosen (Helleborus), die in diesen Tagen auch in den Gartenzentren in allen Schattierungen zu sehen sind. Ihre Farbpalette reicht von reinweiß, grün-gelb bis bordeauxrot. Wer allerdings Wert auf Qualität legt und keine schnell dahinrottenden Gewebekulturpflanzen möchte, sollte sich auf einem Helleborus-Tag eine attraktive Selektion bei einem echten Züchter aussuchen. Oft kosten diese ausgesuchten Schönheiten nur unwesentlich mehr als im Pflanzensupermarkt.

Aufräumen und Putzen

An frostfreien Tagen kann die Gartenfrau Äste und Zweige vom Rasen räumen, die die Winde des Spätherbsts herumgewirbelt haben. Auch bei unwirtlichem Wetter geflissentlich übersehene Maulwurfshaufen fallen bei Sonnenschein sehr unangenehm auf. Da ich meine Methode, die Erde mit dem Wasserschlauch zurück in die Löcher zu spülen, jetzt nicht anwenden kann, verteile ich die Erde einfach mit einem Laubbesen auf dem Rasen. Dann hinterlassen die Hügel kein abgestorbenes Gras und die vom Maulwurf aufgeworfene Erde ist als sanfter Dünger willkommen.

Frühe Saaten

Es lohnt sich, für manche Einjährige oder empfindliche Stauden eine frühe Aussaat vorzusehen. Viele Kletterpflanzen haben eine lange Vegetationszeit nötig, um zur Blüte zu kommen. Da wären zum Beispiel die Glockenrebe (Cobea scandens) oder die Schwarzäugige Susanna (Thunbergia alata), die gerne an einem warmen Ort vorgezogen werden wollen. Sehr lange brauchen auch die Duftwicken (Lathyrus odoratus), doch sie wollen gerne im Kühlen keimen. Da sie sich nur mühsam verpflanzen lassen, eignen sich kleine, aber hohe (Torf)-Töpfchen. Ein einzelner Samen wird in wenig Erde hineingelegt, doch sobald der Keimling erscheint, sollte nach und nach Erde nachgefüllt werden.

Ebenfalls Aussaat im frostfreien Gewächshaus liebt die Petersilie, einer der schwierigsten Kandidaten unter den Saatkräutern. Früher galt sogar die Losung: Heirate nur eine Frau, bei der die Petersilie wächst! Doch heutzutage kann frau natürlich kleine Pflanzen erwerben.

Am Blumenfenster

Viele von uns lieben den Ritterstern (Hippeastrum), der so leicht aus einer Knolle zur Blüte zu bringen ist. Fälschlicherweise wird er oft auch Amaryllis genannt, die eigentlich für die Belladonna-Lilie steht, die anders als der Ritterstern zuerst große Blätter bildet. Doch was tun mit der ausgeblühten Pflanze, die in der Wärme des Wohnzimmers Blätter bildet und keine Zierde mehr ist? Wer einen kühlen, hellen Raum besitzt, wie z.B. einen Wintergarten, kann sie bis zum Mai weitergießen und dann im Garten eingepflanzt übersommern. Im Herbst einfach wieder ausgraben, abtrocknen lassen und den Kreislauf aufs Neue beginnen. Allerdings bleiben die Blüten oft sehr schwächlich, so dass die ganze Prozedur einfach nur der Beruhigung des schlechten Gewissens dient, da es schade ist, die Knolle wegzuwerfen.

Bleiben Sie neugierig!

In meinen Gartenzeitschriften werden in dieser Jahreszeit viele Pflanzenneuheiten angepriesen. Ich liebe es, denen nachzuspüren, die mir auf den Bildern gut gefallen. Oft helfen mir gut unterrichtete Freunde, die meine Leidenschaft teilen und die gerne bereit sind, mir Quellen für die Neuheiten nennen können. Vielleicht werde ich auch auf meiner geplanten Englandreise einige Raritäten entdecken, die unserem Klima gewachsen sind. Im Sommer erzähle ich Ihnen, liebe Gartenfreunde, dann davon!

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