Das Afrika Museum: Belgiens Vergangenheit als Kolonialmacht

Von Heide Newson.

Das Königliche Museum für Zentralafrika in Tervuren ist wegen einer gründlichen Renovierung seit dem 1. Dezember 2013 geschlossen. Am 9. Dezember wird es seine Türen wieder öffnen und sich mit einem neuen Gesicht und modernem Inhalt präsentieren. Aber nicht nur das Museum…

Die Gemeinde Tervuren hat den fünfjährigen Umbau seines Museums genutzt, um sein touristisches Angebot zu erweitern und aufzupeppen. Punkten wollen die Verantwortlichen durch ein Museum von Weltklasse, ebenso wie durch ein hochwertiges Rahmenprogramm, das in- und ausländische Touristen verstärkt ín die grüne Idylle unweit von Brüssel locken soll.

Das Museum, von Belgiens König Leopold II. im Jahr 1897 als Kongomuseum gegründet, liegt in einem weitläufigen Park, umspielt von einem Barockgarten, Bäumen und einem prächtigen Wasserspiel in der Gemeinde Tervuren, das mehr als 22.000 Einwohner zählt. In dieser wunderschönen, noch immer teils ländlichen Gegend, die in den 40er und 50er Jahren große Anziehung auf Künstler der Epoche ausübte, hatte der Herzog von Brabant seinen Sommersitz. Und aufgrund dieser Schönheit, der Britischen Schule sowie seiner Nähe zu Brüssel, siedelte sich in Tervuren allmählich eine internationale Gesellschaft an, deren Angehörige hauptsächlich aus den Staaten der Nato und der europäischen Union stammten. Das „Grün ohne Grenzen“ bis zum Foret des Soignes lockte sie immer wieder in den schönen Park.

In den Park kommen sie noch immer, nur ein Museumsbesuch stand nicht mehr auf dem Programm, woran selbt ein Helmut Lotti, der dort vor einigen Jahren mit viel Glanz und Glorie seine Afrika CD präsentierte, nichts ändern konnte. Viel zu unkritisch war víelen das Bild, das Belgien über seine Kolonialzeit vermittelte. „ Es war allerhöchste Zeit, dass dieses Museum geschlossen wurde,“ sagt Deidra, eine ehemalige Schülerin der Britischen Schule, die jetzt sehr gespannt auf die Neueröffnung ist.

Ideologische Entrümpelung

Nach fünf Jahren ist das zweifelsohne bemerkenswerteste Museum dieser Art nun bald wieder startklar. Zu lange sei es nicht geschlossen gewesen, „andere Museen brauchen für solch eine Runderneuerung meist 10 Jahre,“ meint Bruno Verbergt, Direktor für den Umbau und nun zuständig für die Öffentlichkeitarbeit des Museums. Zu lange scheint die Bauphase im Nachhinein wirklich nicht, wenn man bedenkt, dass es neben dem Gebäude, das nicht mehr den Anforderungen eines modernen Museums entsprach, die gesamten Inhalte ideologisch zu entrümpeln galt. Viel zu lange habe es keine kritische Auseinandersetzung mit dem Kolonalismus und der eigenen Geschichte gegeben, so Bruno Verbergt. So dauerte es in Belgien bis Ende der 1990er Jahre, um eine öffentliche Debatte in Gang zu setzen, die Tervuren veränderte.

Im Jahr 2005 organisierte das Museum eine Ausstellung über die Kolonialzeit, und setzte sich erstmals mit der Ausbeutung des Kongos und den systematischen Misshandlungen seiner Einwohner auseinander, die bislang verschwiegen worden waren. Das war ein erster vorsichtiger Schritt auf dem Weg zur Erneuerung des Museums. Aber der Startschuss zur eigentlichen Bereingung und Aufarbeitung der belgischen Kolonialgeschichte wurde erst vor fünf Jahren gegeben. Seit diesem Zeitpunkt arbeiteten die Verantwortlichen des Museums mit afrikanischen Historikern, darunter vielen Forschern, zusammen. Alle Inhalte wurden von Grund auf überarbeitet und modernisiert, heißt es.

Das gilt auch für das Museumsgebäude, das unter Denkmalschutz steht. Dieses Abbild des Pariser Petit Palais musste nach Originalplänen vollständig restauriert werden.

Straßenbahnfahren als Event

Die Verantwortlichen für das Gesamtkonzept Tervuren wünschen sich, dass ein Besuch in ihrer Gemeinde künftig als fester Termin im Kalender von Kulturinteressierten sowie Touristen steht, die Brüssel besuchen. Weitläufige Parkanlagen, Picknickplätze, Fahrradverleih, Wanderwege, Kinderspielpätze, Kinderprogramme, Tretboote auf den künstlich angelegten Seen, sowie hochwertige Events warten auf Besucher.

Dabei ist die Fahrt von Brüssel aus mit der Straßenbahn schon ein Event für sich, und ein äußerst preiswertes dazu. 15 km geht´s auf der Schiene mit Blick auf imposante Villen und Residenzen, entlang einer herrlichen Allee, die auf Anregung von König Leopold II angelegt wurde, bis fast zum Museum.

Der Zugang zum Museum erfolgt sodann über einen neuen gläsernen Empfangspavillion, der unterirdisch mit dem Museumsgebäude verbunden ist. In dem etwas futuristisch anmutenden Gebäude, befinden sich der Kartenverkauf und der Museumsshop. Ein besonderes Highlight ist das bereits geöffnete „Tembo“ Restaurant im ersten Stock, in dem außer klassischen belgischen Gerichten, auch afrikanische angeboten werden. Überwältigend ist dabei der unübertreffliche Blick aus den riesengroßen Fenstern auf das Museum mit seiner neoklassischen Fassade und seiner gepflegten Parkanlage, aus der schon bald mehr fröhliche Kinderstimmen erklingen sollen.

Begegnungen und Dialog auf 11.000 Quadratmetern

Das Museum, das einst von König Leopold II. als eine Art Schaufenster seiner belgischen Kolonien in Zentralafrika eingerichtet wurde, wird mit seiner Neueröffnung, da sind sich viele ehemalige Kritiker einig, nunmehr einen glaubwürdigen und wissenschaftlichen Blick auf die gesamte Thematik und Belgiens Vergangenheit als Kolonialmacht werfen. Die für die Öffentlichkeit zugängliche Gesamtfläche wurde von 6.000 auf 11.000 Quadratmeter erweitert. Entstanden ist eine Plattform, die offen für Forschungsarbeiten, Begegnungen und den Dialog zwischen den Generationen und den Kulturen werden soll.

Mehr Infos: www.africamuseum.be

Ein Kommentar

  1. Alfons van Compernolle schreibt:

    Nun, ich bin 1967 & 1968 im Congo gewesen ( vorgeschriebenes Berufspraktikum vor Beginn des Studium ) und ich habe dort noch alte Menschen gesehen, diese eine Hand oder ein Fuss fehlten, diese Koerperteile als Strafe abgekackt worden sind , durch Belgier , als der Kongo Privatbesitz von Leopl. II gewesen ist !!!
    Ich habe aber auch 1967 Bekanntschaft mit einem dort stationierten belgischen „Colonel“ gemacht, dieser mich erst in die Stadt lassen wollte , wenn ich bereit waere eine „Waffe“ mit mir zu fuehren !! Begruendung : Wir Belgier sind hier sehr so beliebt , dass wenn wir hier einen SCHWARZEN sehen, dann erst Schiessen muessen , bevor wir Fragen was ER moechte !
    Ich bin 1967 NICHT in die Stadt Leopoldville gegangen, sondern zurueck an Bord von der MS.Usaramo , ich schiesse auf keinen Menschen , egal wo !! 1968 konnte ich dann , auch ohne Waffe Leopoldville besichtigen und ich wurde ueberall nett & freundlich begruesst und behandelt.

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