Das Land

Brüssel International – 180 Nationalitäten leben in der Stadt

Von Michael Stabenow.

Wussten Sie es? Anfang 2019 haben in der Hauptstadtregion Brüssel exakt 1.208.542 Einwohner gelebt. 37.236 Mitarbeiter – 21.087 Frauen und 16.149 Männer – zählten zuletzt die in Brüssel ansässigen EU-Institutionen. Und immerhin 132 Menschen waren in der Land- und Forstwirtschaft der Hauptstadt beschäftigt. Zu finden sind diese Angaben – und etliche mehr – in einer unter dem Titel „Mini-Bru. La Région de Bruxelles-Capitale en chiffres 2020.“ veröffentlichten Übersicht.

Statistische Übersichten und geballte „Zahlen-Power“ können manchmal augenöffnend sein: So zählte Brüssel Anfang vergangenen Jahres 422.097 Ausländer mit insgesamt 180 verschiedenen Nationalitäten. Das entspricht einem Anteil von knapp 35 Prozent.

Babel lässt grüßen

Die größte Gruppe unter den ausländischen Bewohnern stellen inzwischen Franzosen. Ihre Anzahl hat sich seit dem Jahr 2000 von 34.497 auf zuletzt 64.218 erhöht. Das ist nicht zuletzt eine Folge der Anziehungskraft, die Brüssel und sein Immobilienmarkt sowie die im Vergleich zu Frankreich niedrigeren belgischen Abgaben auf wohlhabende Bürger ausüben.

Nur noch das drittstärkste Ausländerkontingent stellen Marokkaner. Ihre Anzahl ging seit dem Jahr 2000 von 62.292 auf zuletzt 34.984 zurück. Dahinter verbirgt sich jedoch keineswegs ein Massenexodus.  Vielmehr nehmen immer mehr in Brüssel lebende Marokkaner die belgische Staatsbürgerschaft an. An zweiter Stelle in der Ausländerstatistik stehen inzwischen Rumänen (41.858). Stark zugenommen hat durch EU-Beitritte und das inzwischen grundsätzlich unbeschränkte Aufenthaltsrecht auch die Anzahl der in den 19 Brüsseler Gemeinden lebenden Polen (23.182) und Bulgaren (12.143).

Und die Deutschen? 6.775 lebten im Jahr 2000 in der Hauptstadtregion. Inzwischen sind es 10.674, was einem Anteil von knapp 0,9 Prozent an der Bevölkerung entspricht. Von den zuletzt insgesamt 11.431.406 Bewohnern Belgiens besitzen exakt 39.608 – knapp 0,35 Prozent – die deutsche Staatsangehörigkeit.

Vergeblich sucht man in der Statistik-Übersicht nach Angaben zum Anteil des französisch- und niederländisch-sprachigen Bevölkerungsanteils. Hintergrund ist, dass seit 1961 entsprechende statistische Erhebungen untersagt sind. Belgischen Medien war indes zu entnehmen, dass im vergangenen Jahr 91,8 Prozent der Steuerklärungen in Brüssel und in einigen Nachbargemeinden in französischer Sprache ausgefüllt worden sein sollen.

Andererseits kamen niederländisch-sprachigen Kindergärten sowie Grund- und Oberschulen laut Statistik im Schuljahr 2017/18 auf einen Anteil von 18,5 Prozent. Verschwiegen wird dabei, dass viele französischsprachige, aber auch ausländische Bewohner der Stadt niederländisch-sprachige Schulen für ihre Sprösslinge bevorzugen.

Dass Brüssel, sieht man einmal von der oft problematischen Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr ab, ein Paradies für Berufspendler ist, hat sich seit längerem herumgesprochen. Von 732.600 Arbeitsplätzen (Stand 2018) in der Hauptstadt entfällt knapp die Hälfte (48,6 Prozent) auf Pendler. Knapp zwei Drittel von ihnen – 63,6 Prozent – reisen aus Flandern an.

Zahlen über Zahlen

Aufschluss gibt die Statistik-Broschüre auch zu einer Fülle weiterer Brüsseler Fakten: So lag der weibliche Bevölkerungsanteil (616.113) zuletzt bei 51 Prozent, das Durchschnittsalter der Frauen bei 38,7 und das der Männer bei 36,3 Jahren. Insgesamt 488.895 Autos und 35.885 Hotelbetten wies die Hauptstadt zuletzt auf. Topattraktionen unter den Museen – mit mehr als 600.000 Besuchern im Jahr 2018 – waren die auf sechs Standorte verteilten „Musées des Beaux-Arts“.

Und was wird die Zukunft Brüssel bescheren? „Brüssel-Stadt“, mit zuletzt 189.1913 Bewohnern die bevölkerungsreichste der 19 Gemeinden, könnte demnach 2024 die Marke von 200.000 übertreffen. Beschaulicher dürfte es dagegen weiter im Brüsseler Süden zugehen. Watermael-Boitsfort, zuletzt mit 24.383 Einwohnern in der Statistik vor Koekelberg (22.837) an vorletzter Stelle der Statistik, dürfte bis 2025 einige hundert verlieren und mit dann 24.000 Einwohnern die „rote Laterne“ in der Region übernehmen.

Die Zahlen stammen aus der 35 Seiten lange Broschüre vom Brüsseler Amt für Statistik und Analysen (IBSA) mit Übersichten zu den jüngsten Entwicklungen in der Hauptstadtregion. Sie kann unter der Internetadresse  http://ibsa.brussels/publications/titres/mini-bru#.Xl-XkOTsaUk abgerufen werden und erweist sich als eine Fundgrube für Zahlenfreaks.

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