Die neue Leiterin des Goethe-Instituts Brüssel

Dr. Elke Kaschl Mohni leitet seit Sommer 2019 das Goethe-Institut Belgien. Zuvor war sie fünf Jahre lang Leiterin des Goethe-Instituts Kairo und zugleich Regionalleiterin für die Region Nordafrika/Nahost. Von der arabischen Metropole in die Hauptstadt der Europäischen Union: ein spannender Ortswechsel für die promovierte Nahostwissenschaftlerin. Sandra Parthie hat sie interviewt.

Belgieninfo: Frau Kaschl Mohni, das ist ein interessanter Wechsel. Wie haben Sie sich in Belgien eingelebt?

Kaschl Mohni: In der Tat: von Kairo – einer Stadt mit mehr als 20 Millionen Einwohnern – nach Brüssel, das ist ein spannender Wechsel. Diese beiden Hauptstädte sind wirklich sehr unterschiedlich. Beide verbindet aber viel Lebensfreude und eine faszinierende Vielfalt, die einlädt, sich einzulassen. Zudem habe ich das Glück, dass meine Vorgängerin Susanne Höhn nach Kairo versetzt wurde. Das bedeutet, wir konnten uns gegenseitig auch schon frühzeitig auf die jeweils neuen Posten einstimmen, eine gute Übergabe sicherstellen, Synergien nutzen und neue Netzwerke bilden. Das hat den Übergang sehr erleichtert.

Das Einleben im mehrsprachigen und weltoffenen Belgien ist mir und meiner Familie – vor allem auch dank der belgischen Willkommenskultur –  wirklich sehr leicht gefallen. Meinem Mann und meinen beiden Töchtern – acht- und zwölfjährig – geht das genauso. Mit großer Freude entdecken wir Brüssel vor allem mit dem Rad und zu Fuß – in Kairo war das etwas schwierig! Unsere beiden Kinder genießen es, dass wir hier einen Garten haben, dass der Wald nah ist und dass sie mit Roller und Fahrrad zur Schule fahren können. Und ich kann wieder im Grünen joggen und profitiere von kurzen Wegen bei meinen dienstlichen Verpflichtungen!

Zudem erlebe ich Brüssel als einen faszinierend vielseitigen europäischen Mikrokosmos, sowohl großstädtisch und multikulturell als auch sympathisch kleinstädtisch mit vielen wunderbaren «Quartiers» mit individuellem Flair. Das ist eine wunderbar lebenswerte Mischung, sowohl im Beruflichen als auch privat.

Belgieninfo: Welche Aufgaben und Herausforderungen kommen nun auf Sie, als Regional- und Institutsleiterin in Belgien, zu?

Kaschl Mohni: Das Goethe-Institut Belgien ist ein Spezialfall in unser «Goethe-Familie» der weltweit operierenden Institute.
Wir haben hier am Standort Brüssel mehrere «Hüte» auf: Zum einen wirken wir im mehrsprachigen Belgien als Partner für Kulturdialog, Kooperation und Austausch. Dabei bieten wir ein spartenübergreifendes Kultur-, Bildungs- und Informationsprogramm mit innovativen Veranstaltungsformaten, immer zusammen mit belgischen Partnerinstitutionen.

Zudem vermitteln wir die deutsche Sprache mit einem breitgefächerten Kursangebot für alle Altersgruppen und Niveaustufen. Wir haben eine große Palette an Fachsprachkursen und setzen vermehrt auch auf „Blended Learning“ und Online-Angebote. Darüber hinaus sind wir als Regionalinstitut die Koordinierungsstelle der Zentrale des Goethe-Instituts in München für die Region Südwesteuropa. Das sind 22 Goethe-Institute von Portugal über Spanien, Italien bis Luxemburg und Frankreich. Und schließlich sind wir in Brüssel mit unserem EU-Büro Schnittstelle zur Kooperation mit den europäischen Institutionen: Wir sind Kontaktstelle zur EU und beraten die Goethe-Institute weltweit bezüglich der Zusammenarbeit mit der EU-Kommission und Entwicklungen von EU-geförderten Projekten und Programmen.

Belgieninfo: Und was steht für Sie konkret in den kommenden Jahren hier an?

Kaschl Mohni: Das Goethe-Instituts steht ja für den Dreiklang „Sprache. Kultur. Deutschland.“ Daher ist für mich zunächst die Förderung der deutschen Sprache in Belgien eine wichtige Aufgabe. Neben unserem Sprachkursprogramm engagieren wir uns in der Fortbildung von Lehrpersonen. Ein jährliches Highlight ist z.B. der «Deutschlehrertag», der in diesem Jahr am 28. September stattfinden wird. Wichtig für uns sind aber auch Kooperationsprogramme mit Universitäten und belgischen Bildungsinstitutionen, um die Vermittlung von Deutsch auch in diesen Bereichen zu stärken.

Das Schlagwort «Kultur» steht für mich in besonderem Maße für Kulturdialog. Einen konstruktiven Beitrag zum inner-europäischen kulturellen Dialog zu leisten und dabei Europa immer auch im Kontext seiner südlichen und östlichen Nachbarn ebenso wie im globalen Kontext zu verstehen, ist mir, gerade vor dem Hintergrund meiner ehemaligen Tätigkeit als Regionalleiterin in Nordafrika/Nahost, ein besonderes Anliegen.
Unser drittes Schlagwort «Deutschland» betrifft unseren Informationsauftrag, d. h. wir nutzen die Klaviatur verschiedener Kommunikationskanäle – digital und analog – um über Deutschland zu informieren und Auseinandersetzung und Interaktion mit zeitgenössischen Themen und Perspektiven zu fördern. Auch dies ist in Brüssel, dem Sitz der Europäischen Institutionen und vieler internationaler Einrichtungen für mich eine sehr spannende Aufgabe.

Belgieninfo: Das heisst, Sie haben eine neue Vision für Europa?

Kaschl Mohni: Ich habe eine Vision für meine Tätigkeit als Institutsleiterin in Brüssel. Für meine Arbeit in Belgien möchte ich sehr gerne Perspektiven aus dem Süden einbringen und die südliche Nachbarschaft wiederum neu in den Blick nehmen. Unsere Kooperationen im weltweiten Netzwerk der Goethe-Institute bieten sich für neue Impulse, Perspektivwechsel, Horizonterweiterung und Räume für neue Begegnungen und Akteurskonstellationen ja geradezu an. Und in Zeiten, in denen der Fokus sehr auf Differenz und Unterschiede gerichtet ist, sehe ich es als wichtig an, dass wir uns der Grenzen im eigenen Kopf bewusst werden und sie in Frage stellen. Reibung ist letztendlich auch immer Katalysator für Kreativität und Innovation. So hoffe ich, durch meine Arbeit Raum für Begegnungen, Diskussion, Reflexion sowie gemeinsames Lernen und Schaffen zu ermöglichen. Sich Neuem aussetzen und etwas wagen, sich in seiner Verschiedenheit zu begegnen, zu akzeptieren und zu Verständigung zu kommen, das ist für mich der Inbegriff von Dialog und dem Auftrag, den das Goethe-Institut als Kulturinstitut hat. Und vielleicht ist das dann doch eine gewisse Vision für Europa.

Belgieninfo: Was können wir vom Goethe-Institut in der nächsten Zeit erwarten?

Kaschl Mohni: Mein wunderbares Team und ich, wir haben uns viel vorgenommen. Ein paar Appetithäppchen:

In der Saison 2019/2020 richten wir von Belgien aus zusammen mit unserem Kooperationspartner, dem Kulturzentrum Flagey, vielfältige Blicke auf Deutschland. Im Jahr vor der deutschen EU-Ratspräsidentschaft beleuchtet unsere multidisziplinäre Veranstaltungsreihe „Les Deutschlands“ mit Konzerten, Vorträgen und Debatten die Vielfalt der aktuellen deutschen Kulturszene (Weitere Infos: www.goethe.de/bruessel – www.flagey.be).

Wir haben auch mehrere Filmevents, unter anderem mit Filmen zum Gedenken an 1989 und den Mauerfall, aber auch eine Filmreihe mit spannenden Bauhausfilmen. Im Herbst gibt es zudem die inzwischen schon legendären «German Jazz Nights» in der Jazzstation (Weitere Infos: www.goethe.de/bruessel).

Und unser Programm für das Jahr 2020 ist gerade in Arbeit. Darüber berichten wir Ihnen gerne zu einem späteren Zeitpunkt und laden natürlich auch alle ein, unseren Newsletter über unsere Webseite zu abonnieren (Weitere Infos: https://www.goethe.de/ins/be/de/m/new.html).

Belgieninfo: Frau Kaschl Mohni, wir wünschen Ihnen einen guten Start in Brüssel!

 


Das Goethe-Institut e.V. ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Das Goethe-Institut Belgien befindet sich in Brüssel.
Adresse:
Goethe-Institut
Avenue des Arts – Kunstlaan 58
1000 Brüssel, Belgien
Tel +32 2 2303970
info-bruessel@goethe.de
www.goethe.de/bruessel

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