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Aus der Traum! Die „Roten Teufel“ scheiden in der WM-Gruppenphase aus

Von Michael Stabenow

Sie hatten bis zuletzt gehofft – und auch, dank des zur zweiten Halbzeit eingewechselten Mittelstürmers Romelu Lukaku, etliche Gelegenheiten, das Spiel gegen Kroatien für sich zu entscheiden. Doch am Ende gab es für die „Roten Teufel“ im Ahmed bin Ali Stadion in Doha nur ein torloses Unentschieden. Das war zu wenig für die Mannen um Kevin De Bruyne, Thibaut Courtois und Eden Hazard. Hinter der Überraschungsmannschaft aus Marokko und Kroatien blieb in der Gruppe F am Ende nur Platz drei – gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Ausscheiden des WM-Dritten von 2018.

Es hatte sich schon vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar angedeutet. Und es sollte sich im Verlauf der Gruppenphase bestätigen: Die „Goldene Generation“ der „Roten Teufel“, die über Jahre zur Weltspitze gehört hat und trotz zuletzt meist wenig überzeugender Leistungen noch auf Platz 2 der Fifa-Weltranglister lag, ist endgültig Geschichte.

Belgiens spanischer Coach Roberto Martinez hatte sich bis zuletzt in Zweckoptimismus geübt – und insgeheim wohl darauf gehofft, dass der zuletzt arg lädierte Stürmerstar Lukaku die Kartoffeln aus dem Feuer holen werde. Doch ausgerechnet der Spieler mit der Nummer 9, der in 104 Länderspielen nicht weniger als 68 Tore erzielte, entwickelte sich im Laufe der Partie zum sprichwörtlichen „Chancentod“.

In der 60. Minute hämmerte Lukaku nach einem schönen Solo von Mittelfeldspieler Yannick Carrasco im Strafraum den Ball an den rechten Innenpfosten. War hierbei ein hohes Maß an Pech mit von der Partie, so vergab Lukaku anschließend mehrfach Torchancen aus kurzer Distanz.

Wenn 2026 die nächste Fußball-Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko stattfindet, könnte der dann 33 Jahre alte Lukaku, nach der Partie gegen Kroatien untröstlich wirkend, noch von der Partie sein – vorausgesetzt, den „Roten Teufel“ gelingt die Qualifikation. Andere Angehörige der „Goldenen Generation“ könnten dann die Fußballschuhe endgültig an den Nagel gehängt haben: Man denke an den in Katar weit hinter seiner Bestform herlaufenden Mannschaftskapitän Eden Hazard. Er ist inzwischen 31 Jahre alt, genau wie der in Katar meist blass aufgetretene Mittelfeldmotor Kevin De Bruyne. Noch älter sind die Verteidiger Jan Vertonghen und Toby Alderweireld, der in Katar vor allem durch Quer- und Rückpässe in Erscheinung getretene Mittelfeldspieler Axel Witsel und Offensivmann Dries Mertens, zuletzt auch nur ein Schatten seiner selbst.

Nur mit viel Glück hatte Belgien das Eröffnungsspiel der Gruppe F gegen Kanada mit 1:0 gewonnen. Im zweiten Spiel gab es eine verdiente 0:2-Schlappe gegen Marokko. Erschwerend kam hinzu, dass aus dem Mannschaftsquartier Meldungen über Streitigkeiten zwischen Spitzenspielern an die Öffentlichkeit drangen. Auch die Kritik an Coach Martinez, der seit 2016 die „Roten Teufel“ sehr erfolgreich trainiert hat, wurde zuletzt immer vernehmlicher. Unmittelbar nach dem Spiel gegen Kroatien kündigte Martinez an, dass er sein Amt als Trainer der „Roten Teufel“ niederlegen werde.

Bei aller Enttäuschung über das Ausscheiden zeigte sich in Katar, dass es durchaus Nachwuchskräfte in der Mannschaft gibt, die in die Fußstapfen der Vertreter der „Goldenen Generation“ treten könnten. Offensivspieler Leandro Trossard und der gegen Kroatien wegen zweier gelber Karten gesperrte 21 Jahre alte Mittelfeldmann Amadou Onana ließen in Katar ihr Können aufblitzen. Und auch der erst spät gegen Kroatien ins Spiel gekommene 20 Jahre alte Jeremy Doku von Stade Reims wirbelte ein um das andere Mal durch die Reihen der gegnerischen Mannschaft.

Für Belgiens Nachwuchs ist diese Weltmeisterschaft in Katar wohl zu früh, für die ältere Generation der „Roten Teufel“ hingegen zu spät gekommen. Und offenkundig hat die Mischung zwischen Jung und Alt nicht gestimmt. Es bleiben lange Gesichter in Fußball-Belgien. Erstmals in diesem Jahrhundert sind die „Roten Teufel“ in der Vorrunde ausgeschieden.  Aber ganz so dunkel, wie es am Abend der Niederlage schien, könnte die Zukunft vielleicht doch nicht aussehen.  

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