Atomausstieg Belgiens wohl erst 2045

Von Rainer Lütkehus.

Der französische Energiekonzern Engie geht von einer Laufzeitverlängerung von zwei seiner sieben Reaktoren in Belgien aus. „Die Debatte geht um die Verlängerung von Doel 4 und Tihange 3“, wird die Engie-Vorsitzende Isabelle Kocher in den belgischen Wirtschaftszeitungen „L‘Echo“ und „De Tijd“ zitiert.

Eigentlich soll 2025 in Belgien kein Atommeiler mehr am Netz sein. Das schreibt ein Gesetz aus dem Jahre 2003 vor, dass die belgische Regierung noch vor einem Jahr noch bekräftigt hatte. Aber die Belgier wählen im Mai ein neues Parlament und die neue Regierung könnte das Gesetz kippen. Darauf bereitet sich derzeit die belgische Atomaufsichtsbehörde FANK vor. Sie untersucht, welche Atommeiler länger im Betrieb sein können und welche Sicherheitsanforderungen dafür erforderlich sind.

Die Konzernleitung von Engie rechnet damit, dass die Meiler, Doel 4 und Tihange 3, im Jahr 2025 nicht schließen werden, sondern 20 Jahre länger, d.h. bis 2045, betrieben werden. Sie verweist auf „das Fehlen eines ausreichend detaillierten und attraktiven Industrieplans, um Investoren für alternative Produktionskapazitäten zu gewinnen“. Energieministerin Marie Christine Marghem plane zwar einen Kapazitätsmechanismus, um den Bau von Gaskraftwerken zu fördern, doch reiche der nicht aus, um bis 2025 den vollständigen Atomausstieg zu ermöglichen. Derzeit verhandle Engie nicht mit der belgischen Regierung über eine Verlängerung der Betriebsdauer, „aber das wird zweifellos bei der Bildung der nächsten Regierung diskutiert werden“, so Kocher. „Die Entscheidung liegt bei den Behörden und wir sind bereit, alle Szenarien zu erörtern.“

Preisgarantien gefordert

Weil eine Verlängerung der Betriebsdauer der beiden Reaktoren mit sehr hohen Investitionen verbunden wäre, fordert der Konzern eine Preisgarantie von der Regierung in Form von Differenzkontrakten („contracts for difference“). Solche Differenzkontrakte praktiziert derzeit nur die britische Regierung. Bei diesem System bekommt der Erzeuger von der Regierung den Unterschied zwischen dem Kostenpreis und dem Marktpreis bezahlt, sollte dieser negativ sein.

Die beiden infrage kommenden Reaktoren, Doel 4 bei Antwerpen und Tihange 3 rund 30 km südwestlich von Lüttich, gingen 1985 in Betrieb und haben eine Nettoleistung von jeweils 1008 MW. Die beiden jüngsten Reaktoren Doel 3 und Tihange 2, die wegen Rissen in Reaktorbehältern umstritten und derzeit nicht in Betrieb sind, hatte Engie schon letztes Jahr in Höhe von 615 Millionen Euro abgeschrieben.

Am 15. März wird der Reaktor Doel 1 (400 MW) wieder hochgefahren. Er war Seit April letzten Jahres wegen eines Lecks in einer Kühlwasserleitung außer Betrieb. Damit sind insgesamt 5 Reaktoren in Belgien am Netz.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.