Alles blau oder was – Yves Klein im Brüsseler BOZAR

Untitled blue monochrome, (IKB 79) 1959 Paint on canvas on plywood 1397 x 1197 x 32 mm ©Yves Klein, ADAGP, Paris and DACS, London 2016

Untitled blue monochrome

Von Ferdinand Dupuis-Panther.

Fällt der Name Yves Klein, so denkt jeder sofort an das Ultramarinblau-Pigment. Blau, blau, blau – so sind doch alle seine Werke, meint man lakonisch anmerken zu können. Zumindest dem Monochromen hatte sich Klein während seines recht kurzen Lebens – er verstarb 34jährig an einem Herzinfarkt – verschrieben.

Die ersten Experimente mit Monochromen fanden 1949-1950 in London statt. Dass das eigene Blau dann zur Marke Yves Kleins werden sollte, war vielleicht schon angelegt, als der sehr junge Yves Klein, so ist überliefert, im Beisein von Freunden den blauen Himmel für sich reklamierte!

Abstrakt musste es sein

Der französische Künstler – mit der Schwester von Günther Uecker, Rotraud Uecker, liiert und später auch verheiratet – gehörte zu den Künstlern der Nachkriegszeit, die sich wie auch Mitglieder der Gruppe ZERO, u. a. Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker, vom Figurativen abgewandt hatten. Das Figurative war ideologisch belastet, hatte sich instrumentalisieren lassen, während des sogenannten Dritten Reichs, aber auch in der Stalin-Ära in der damaligen Sowjetunion.

Neue künstlerische Ansätze mussten also her. Klein fand sie in seinen monochromen Leinwänden. Dass er außer dem patentierten Ultramarinblau auch andere Farben nutzte, so auch Grün und Rosa, zeigt die Werkschau. Einer der eher schlauchartig ausgerichteten Ausstellungsräume ist im Übrigen ausschließlich Werken in Blau vorbehalten.

Blau, blau, blau sind …

Wer an Kleins blaue Monochrome herantritt und sie genaustens in Augenschein nimmt, wird feststellen, dass das aufgetragene Blau changiert, auch weil die Oberflächen der Bildträger nicht plan, sondern teilweise erhaben sind. So finden sich „lineare Strukturen“, die das Blau anders reflektieren als eine glatte Oberfläche. Neben den blauen Monochromen finden sich in der Schau auch einige blaue „Schwammplastiken“, ganz abgesehen von den sogenannten Schwammbildern. Sie erscheinen wie reliefiert.

Übrigens, Klein versuchte in seinen Monochromen – zwanzig davon sind in der Schau präsent – durch einen mechanischen Farbroller den Auftrag zu perfektionieren. Die reine Farbe sollte zu sehen sein, keine Schlieren, kein Hell und kein Dunkel. Das Nicht-Expressive stand für Klein dabei im Vordergrund, anders als bei den deutschen Expressionisten, die ja nach dem Zusammengehen von Farbe und Form und auch nach Farbe als Form suchten.

Untitled Color Fire Painting, (FC 28), 1962
Dry pigment and synthetic resin on cardboard
mounted on panel, 92 x 73 cm
© Yves Klein, ADAGP, Paris / SABAM, Bruxelles, 2017

Ein Pionier mit Sinn für Inszenierungen

Klein gilt als ein Pionier und Wegbereiter für konzeptuelle Arbeiten und minimalistische Kunst. Zugleich war er nie frei von einer theatralischen Selbstinszenierung – so erklärt sich auch der Titel der Schau. In diesem Kontext sind Filmaufnahmen zu sehen, in denen Klein, auf der Leiter stehend, Modelle dazu anhält, ihre in Farbe getauchten Körper auf bereitstehende Leinwände zu pressen. Männliche Modelle finden sich nicht darunter, sondern vollbusige, nackte Damen, die dem Kommando des „Herrn Zirkusdirektor Klein“ folgen.

Klein agiert hier wirklich wie ein solcher, und man hat den Eindruck, dass man einer Dressur beiwohnt, obgleich es sich um situative Aktionen handelt, bei denen sogenannte Anthropometrien entstanden – in Blau natürlich. In Happenings entstand also Kunst, bei der der Künstler nur mittelbar Hand anlegte und der Zufall das Produkt bestimmte. Was auf den jeweiligen Leinwänden entstand, war als Zufallsprodukt so zufällig wie Pinselschlägen von dressierten Schweinen oder Elefanten, denen man Farben, Pinsel und Leinwand zur Verfügung stellt. Ging es Klein also mehr um die provokante Aktion als um das Ergebnis?

Feuer war auch mit im Spiel

Inszenierungen gab es bei Klein auch bei seinen „Feuerbildern“, bei denen das wichtigste Werkzeug ein Schneidbrenner bzw. ein Schweißgerät war. Hatte nicht auch Otto Piene, der sich ansonsten mit Lichtobjekten befasst hat, derartige Feuerbilder geschaffen? Ja, das ist zutreffend, und man fragt sich, wer denn der eigentliche Ideengeber und Schöpfer derartiger „Kunstaktionen“ war. Diese Frage ist berechtigt, denn auch Klein gehörte wie Piene zur oben bereits erwähnten Gruppe ZERO.

Während der Laufzeit der Schau kann der Besucher als Bestandteil des Ausstellungskonzeptes Happenings bzw. Performances u. a. mit Miel Warlop, Pieter Van den Bosch, Marvin Gaye Chetwynd, Jan Fabre und anderen erleben. Das muss als Hommage an die Aktionen Yves Kleins begriffen werden, ohne dass die Beteiligten heute unmittelbar in die Fußstapfen von Klein treten, sondern eigene Ausdruckskonzepte präsentieren.© ferdinand dupuis-panther

Die Schau umfasst etwa 30 Werke seiner wichtigsten Serien: von seinen bekannten tiefblauen monochromen Bildern bis hin zu selten gezeigten Filmen und Fotos seiner Performances. Die Ausstellung ist bis 20. August 2017 im Brüsseler BOZAR zu sehen.

Tags: Bozar

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