Alle belgischen Kernreaktoren am Netz – Atomausstieg 2025 trotz Offshore- Windenergieausbau fraglich

Von Rainer Lütkehus.

Der französische Energiekonzern Engie verfügt demnächst über die vollständige Stromerzeugungskapazität seiner sieben Atommeiler in Belgien. Dabei benötigt das Land diese gar nicht mehr, weil immer mehr Offshore-Windstrom erzeugt wird. Engie Electrabel kann laut Angaben der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANK am 18. Januar den Atommeiler Tihange 60 km Luftlinie südwestlich von Aachen gelegen, wieder hochfahren. Wegen Wartungsarbeiten war er am 12. November vom Netz genommen worden.

Wie die FANK mitteilte, hätten sich in dem Stahlmantel des Reaktors keine neuen Haarrisse gebildet. Der 38 Jahre alte Reaktor mit einer Leistung von 1008 MW ist seit Jahren umstritten, vor allem in den Niederlanden, Deutschland und Luxemburg. Diese Länder hatten zuletzt vergeblich gegen ein Wiederhochfahren des Reaktors im Jahre 2015 gegen die FANK und Engie Electrabel geklagt. Das am 3. September 2020 vom Gericht erster Instanz in Brüssel gefällte Urteil fiel aber negativ aus. Die FANK war nach umfangreichen Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass die Risse schon beim Bau des Stahlmantels entstanden seien und keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheit hätten.

Der Reaktor darf noch bis Februar 2023 laufen. 2025 will Belgien eigentlich vollständig aus der Atomenergie aussteigen. Die seit Oktober 2020 amtierende Regierungskoalition erwägt jedoch, einige Atommeiler länger laufen zu lassen, sollte die Versorgungslücke bis 2025 nicht durch erneuerbare Energien und Gaskraftwerke geschlossen werden können. Dazu wird im November 2021 eine Analyse erwartet. Zuständig ist die grüne Energieministerin Tinne Van der Straeten.

Belgiens Stromversorgung hängt derzeit zu rund 40 Prozent von Kernenergie ab. Im Jahr 2020 lag der Anteil der erneuerbaren Energien um ein Drittel höher als 2019 und hatte einen Anteil von rund 19 Prozent am Strommix, wie die jüngsten Zahlen des Netzbetreibers Elia zeigen. Hauptgründe für die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien sind die Inbetriebnahme von zwei neuen Offshore-Windparks vor der belgischen Ostküste sowie der durch die Corona-Krise bedingte Rückgang der Stromnachfrage.

Belgien ist in Europa mit seinen acht Offshore-Windparks der viertgrößte Produzent von Offshore-Windenergie, hinter Großbritannien, Deutschland und Dänemark. Die Windparks befinden sich in einem Korridor von 20-50km vor der Küste, in der östlichen belgischen Nordsee, vor Zeebrügge und Knokke. Weiteres Potenzial für neue Parks gäbe es derzeit noch vor der belgischen Westküste.

 

 

 

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