Albert im hohen Turm

Von Rudolf Wagner.

Jetzt wissen wir alle, was wir schon wussten: Während der royalen Ehekrisen zwischen Albert II und Paola gebar Sybille de Sélys Longchamps ein Töchterchen, Delphine, deren juristischer Vater Boël nichts Biologisches mit der inzwischen 51jährigen zu tun hat. König Albert II. war fremd gegangen. Es soll eine Liebesbeziehung mit Sybille gewesen sein; so etwas kommt in vielen Familien vor, nichts Besonderes also. Wenn dieser Vater nur seine Tochter anerkannt hätte. Hat er aber nicht.

Die never-ending-story ist nun zuende gegangen. Die Geschichte langer Jahre, in denen ein Vater sich weigerte, seine uneheliche Tochter anzuerkennen, aus welchem Grund auch immer, in denen ein König glaubte, seinem Land durch Uneinsichtigkeit und Unbeugsamkeit ein Beispiel zu geben und in denen dieser erste Bürger Belgiens erwartete, er könne sich Gerichte gefügig machen. Es ist eine Geschichte der Scham, dass wir das Treiben eines alten kalten Mannes an Stammtischen verfolgt und in bunten Magazinen fortgesponnen haben, als ginge es nicht um ein Staatsoberhaupt und ein gespaltenes Land, das mit dem Symbol eines Monarchen seine Einheit täglich neu verteidigen muss.

Die Boël hatte geklagt und einen DNA-Test erzwungen. „Die wissenschaftlichen Schlussfolgerungen deuten darauf hin, dass er (also Albert II., ) der biologische Vater von Frau Delphine Boël ist“.  So heißt es jetzt in einer Presseerklärung des Palastes. Das ist keine empathische Formulierung, sondern eine Abschottung, erst recht wenn man erfährt, dass die Anwälte beider Parteien Erbschaftsangelegenheiten untereinander geräuschlos erledigt haben sollen. Der Pflichtteil ist also geregelt. Kam es darauf an?

Wir leben in einer Zeit von Patchwork-Familien, und nur Vater Albert hat über die sieben Prozessjahre so getan, als sei er das Opfer seiner Tochter, die in künstlerischer Verzweiflung auch einmal „königliche Juwelen“ aus Pappmaché umlegte oder ein Duplikat von Manneken Pis an entscheidender Stelle mit den Farben der belgischen Trikolore versah. Jetzt wäre für Albert ein möglicher Zeitpunkt gekommen, Frieden zu machen.

Die Tragödie der ganzen Vaterschaftsangelegenheit liegt nicht so sehr bei einem uneinsichtigen Vater und seiner rebellischen Tochter, sondern in einer Verfassungsrealität, die den demokratisch nicht legitimierten Strippenziehern in der belgischen Monarchie-Verwaltung auch das Recht gibt, gemeinsam mit der Königsfamilie nichts zu tun. Haben sie versucht, den Familien-Konflikt zum Vorteil des belgischen Staates zu lösen? Die belgische Demokratie wird es auf Dauer nicht ertragen, von einer Kamarilla mitbestimmt zu werden, die aus ihrer „bulle royale“ heraus die Vorbildfunktion der Monarchie schleift – und dazu im Ausland Gelächter und Unverständnis produziert.

Die belgische Monarchie ist im Umbruch, das wurde auch in den belgischen Kommentaren der letzten Tage festgestellt. König Albert hat sich eingemauert und träumt von alten Zeiten. Er hat seine Tochter Delphine vor 45, 50 Jahren fast täglich gesehen, heißt es. Reicht es heute nicht zu einem Händedruck? König Philippe und Königin Mathilde müssen sich aktiv an die Spitze aller stellen, die eine Säkularisierung der belgischen Monarchie verlangen. Diese Entwicklung können sie nicht mehr aufhalten.  Wir sind gespannt auf die nächste Weihnachtsansprache und ihre moralischen Appelle an das Volk. Vielleicht gibt es ja vorher noch eine Kaffeestunde im Palast, zu der Delphine eingeladen ist. Wie bei normalen Leuten.

5 Kommentare

  1. Alfons van Compernolle schreibt:

    Da hat „Albert II“ vor sehr vielen Jahren, waehrend einer Ehekrise , eine aussereheliche Beziehung begonnen, Jahre lang unterhalten und das daraus gezeugte Kind, gleichfalls Jahre
    lang beinahe taeglich besucht! Auch, wenn ich es fuer unmoralisch & unanstaendig halte gegenueber dem / der Ehepartner(in) , wenn auch in einer Ehekrise, eine aussereheliche Beziehung einzugehen, gestehe ich ein , dass in der taeglichen zwischenmenschlichen Realitaet
    derartiges geschehen kann ! Ob nun innerhalb einer Ehe oder in einer ausserehelichen Beziehung, koennen bei gewissen gemeinsamen Lusterfuellungen ( Sex) Kinder gezeugt werden. Was ist der Unterschied zwischen EHELICHEN und UNEHELICHEN Kindern ??
    KEINER , denn SIE die Kinder koennen nichts dafuer nun mehr das Licht des Lebens erblickt zu haben , haben zu IHRER Zeugung nichts beigetragen , dass waren einzig und alleine Mama & Papa ! Sie erwarten mit vollem RECHT , dass nunmehr Mama & Papa finanziell – moralisch – charakterlich und menschlich fuer SIE die Verantwortung uebernehmen.
    Ob ehelich oder unehelich oder durch FREMDGEHEN waehrend einer Ehekrise , gezeugt,
    es sind die Kinder von Mama & Papa , wobei es dem Kind auch mit recht egal sein kann, welche Position – Job -Berufung seine Eltern haben. Hier hat unser ehemalige 1. Vorzeige-Buerger moralisch -charakterlich und menschlich klaeglich versagt !
    Fuer unsere heutige koenigliche Familie , dass betone ich mit NACHDRUCK , habe ich viel
    Respekt und Anerkennung , weshalb ich auch mit viel Anfeindung konfrontiert, fuer den Erhalt des Koenigreichs Belgien ohne jegliches „Wenn & Aber“ einstehe !

  2. Mit Albert II. geht die alte belgische Monarchie dahin, die nie etwas über sich verlauten ließ. Wie es hinter den Palastmauern zuging, das konnte man nur vermuten. Wie gut, dass wir mit Philipp und Mathilde endlich einen Lichtblick haben! Ganz zu schweigen von der zauberhaften Prinzessin Elisabeth, unserer künftigen Königin. Hoffentlich erleben wir in Flandern ihre Thronbesteigung noch, bevor wir – Gott bewahre – eine unbedeutende Mini-Republik mit einem Ministerpräsidenten vom Genre Jan Jambon oder Bart De Wever geworden sind. Oder vielleicht Tom Van Grieken!!!

  3. Alfons van Compernolle schreibt:

    Marion ,
    es steht zu erwarten, dass unsere (alten)neuzeitlichen (Ultra)Rechten bewusst und gezielt alles ohne Ausnahme dafuer zu tun , dass keinerlei Fed.-Regierung in Brussel zustande kommt.
    Das Resultat –> NEUWAHLEN<– , wobei die Prognosen bisher alle auf erhebliche Wahlzuwachse fuer Vlaams Belang ausgehen. Vlaams Belang , diese Neuauflage der "ALTEN
    NSDAP" wird ganz sicher dann vollste Zustimmung bei den nur etwas rechteren N-VA bekommen. Auch hier der alles ueberwiegende Wunsch unser aller Koenigreich Belgien , was sie als kunstmaessiges Gebilde fortwaehrend bezeichnen, zu zerstoeren um dann die
    Republik Vlaanderen auszurufen. Ja, doch mit Phillipp & Mathilde haben wir tatsaechlich zwei charakterstarke Personen als Staatsoberhaupt , diese unser Respekt verdient haben.
    Ja, Marion, ich hoffe auch sehr , dass es uns gelingen wird uns unser aller schoenes und mit
    viel Historie ausgestattetes Belgien zu erhalten. Ich bin dafuer bekannt , dass ich als Hamburger immer sehr offen und klartextig meine Meinung & Ansichten mitteile, so dann auch hier und jetzt: Mir ist es neben den Erhalt von unnser aller Belgien, genauso wichtig, dass wir diesen Hinterwaeldlern von Neo-Ultra Rechts – V.B. und N-VA nun endlich und dauerhaft, dass Handwerk legen.

  4. borderside7 schreibt:

    Eine erbärmliche Figur dieser Albert II. Als Antiroyalist halte ich nichts aber auch nichts von Königen und Adel. Diese Figuren sind seit ewigen Zeiten nur die Schmarotzer der Völker und Ausbeuter. Wenn dieser Typ Charakter und Rückgrat hätte, hätte er direkt zu seiner unehelichen Tochter gestanden. Ich hoffe nur, daß die Tochter auf Ihrer Dotation besteht und er persönlich zur Rechenschaft gezogen wird. Da er die Dame ja verleugnete, muß er für seinen Seitensprung selbst aufkommen und nicht der Steuerzahler. Als Republikaner bin ich dafür, diese Schmarotzerbande zu entfernen und in Belgien die Republik einzuführen.

  5. Alfons van Compernolle schreibt:

    borderside7: Ich verstehe Ihre Einstellung ! Als Sozialist und Mitglied der SP.a sollte ich auch
    gegen jegliche Monarchie sein, ich erkenne aber an , dass wir derzeitig einen charakterstarken
    Koenig haben, was mich milde sein laest. Was Albert II und seine Handlungsweise betr. uneheliche Tochter anbelangt, kann ich nur sagen „charakterlos“ und genau wie Sie bin ich der Meinung , dass Albert II fuer seinen Fehler persoenlich einstehen sollte.
    Eine Dotation fuer diese Dame, wuerde ich auch ablehnen, jedenfalls wenn diese aus Steuergelder bezahlt werden soll ! Ich mache keinerlei Unterschied zwischen EHELICHEN & UNEHELICHEN Kindern, Kinder sind Kinder und haben einen moralischen & ethischen & gesetzlichen Anspruch auf gute & angemessene Erziehung & Sorge , egal ob Papa & Mama
    miteinander verheiratet sind oder nicht ! Kinder sind ungefragt mehr oder weniger die Leidtragenden , dass Papa & Mama ihre „Fremdgehgelueste“ nicht im Griff hatten/haben!
    Fremdgehen der Ehepartner soll vorkommen , wenn ich es auch fuer unanstaendig halte,
    fuer die moeglichen Folgen & Konsequenzen sollten die beiden „FREMDGEHER/innen“
    dann auch Aufkommen und die Verantwortung uebernehmen. Daran hat es Albert II massiv
    fehlen lassen. Hier tut mir unser heutiges Staatsoberhaupt Koenig Filip leid , der sich mit diesem Problemen gleichsam ungefragt rumschlagen muss.
    Was die „Republik Belgien“ anbelangt, sage ich NEIN , wir sollten genau das bleiben was wir sind, EIN EINHEITLICHES KOENIGREICH BELGIEN mit seiner sprachlichen Vielfalt und kulturellen Unterschiede. Was wir aber tatsaechlich endlich aendern sollten, ist die buerokratische unnoetige und sehr teure massenhaften Teilstaaten-Parlamentarismus.
    11,6 Mill. Einwohner und ein alle 50 bis 100 km ein anderes Parlament etc etc etc !

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