Ärzte warnen vor Überlastung des Gesundheitssystems

Von Heide Newson.

Überfüllte Notaufnahmen, Patienten dicht an dicht. Beatmete auf Behelfsbetten im Flur. Pflegekräfte und Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Aus Belgiens Krankenhäuser kommen dramatische
Bilder.

Während die Zahl der Covid19-Patienten in einigen belgischen Krankenhäusern erstmals seit September etwas abnimmt, füllen sich die Intensivstationen in den Iris Hospitälern in Brüssel. 255 Covid19-Patienten werden dort behandelt, 60 auf der Intensivstation. „Wir hoffen auf sinkende Fallzahlen,“ so Etienne Wery, Geschäftsführer der Iris Krankenhäuser. Aber von einer Entwarnung sei derzeit (noch) keine Spur.

Seit Ausbruch der Epidemie sind in Belgien inzwischen über 13.000 Menschen an Covid19 gestorben. Im Zeitraum vom 2. bis 9. November wurden pro Tag etwa 597 Corona-Patienten in Krankenhäuser eingeliefert, insgesamt sind aktuell knapp 7.000 in Behandlung. Im Zeitraum zwischen dem 30. Oktober und 5. November starben belgienweit täglich 179 Menschen an dem Virus. Gemessen an der Bevölkerungszahl, ein unrühmlicher Rekord innerhalb der EU-Mitgliedstaaten.

Der deutsche Anästhesist und Intensivmediziner Prof. Dr. Thomas Scheeren, schilderte bei einer Videokonferenz für Journalisten eindringlich die Situation der Intensivmedizin in Belgien: „Die belgischen Kollegen berichten davon, dass sie schon nicht mehr die Entscheidung treffen, ob sie 60- oder 70-jährige beatmen, sondern sich aufgrund der vollständigen Überlastung einzelner Kliniken damit konfrontiert sehen, ob sie einem 30-jährigen oder einem 50-jährigen das Leben retten.“ Der deutsche Arzt, der in den Niederlanden arbeitet und mit seinen belgischen Kolleginnen und Kollegen in engem Kontakt steht, nahm auf Einladung des Arztes und CDU-Europaabgeordneten Dr. med Peter Liese, an der Videokonferenz teil. Er befürchtet, dass ähnlich wie Belgien auch die Niederlande vor einer erneuten Überlastung des Gesundheitswesens stehen. Scheeren warnte vor der Verharmlosung von Corona. Die Sterblichkeit sei zehnmal höher als bei einer Virus-Grippe und neben einer Lungenentzündung gebe es auch schweres Organversagen.
Europaabgeordneter Liese rief dazu auf, die Belastung von Intensivmedizinern und Pflegekräften in der Corona-Pandemie viel stärker in die öffentliche Debatte einzubeziehen. „Wer die Schilderung von ihnen hört, kann Corona nicht mehr verharmlosen,“ sagte er. Schon jetzt sei klar, dass in ganz Europa die zweite Welle heftiger ist, als die erste. „Wir müssen jetzt wirklich aufpassen,“ so Liese abschließend. Und dass die Lage in Belgien nach wie vor ernst ist, unterstreicht Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke unaufhörlich. Wegen fehlender Kapazitäten, bat er bereits seinen deutschen Kollegen Jens Spahn um Amtshilfe. Patienten, die in belgischen Krankenhäusern wegen fehlender Betten und Behandlungsmöglichkeiten auf Intensivstationen abgewiesen werden müssen, können direkt in grenznahe Krankenhäuser nach Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz transferiert werden.

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