Beethoven im Bozar

Von Heide Newson.

Beethoven-Liebhaber dürfen sich freuen: inmitten der Feierlichkeiten zu seinem 250. Geburtstag präsentiert das Museum für Schöne Künste (BOZAR) mit dem „Hotel Beethoven“ im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft eine recht außergewöhnliche Ausstellung.

In der Ausstellung, die bis zum 17. Januar 2021 läuft, geht es darum, was Beethovens Ideen und Musik für die Menschen des 21. Jahrhunderts bedeuten. Präsentiert wird der universell gefeierte Komponist im Spiegel zeitgenössischer künstlerischer Positionen und Meinungen. Als eine zeitreisende musikalische Mischung aus verschiedenen Epochen und Sichtweisen, die Manuskripte und Instrumente sowie Werke von Künstlerinnen wie Franz von Stuck, Mark Alexander, Andy Warhol, Terry Adkins, etc. umfasst, wird sie die Besucherinnen und Besucher mitreißen, und gibt ihnen die Möglichkeit, den wichtigsten Botschafter europäischer Kultur ganz neu zu entdecken. Mit einem interessanten „Twist“ wie ein britischer Kollege die höchst interessante Ausstellung umschreibt.

Hotels sind Orte, an denen öffentliche und private Begegnungen stattfinden. Sie sind Orte voller unterschiedlicher Meinungen, Erinnerungen und Begegnungen. Daher passt es gut, dass die Ausstellung „Hotel Beethoven“ von Kurator, Eric de Visscher in Zimmer aufgeteilt wurde. In diesen werden Originalexponate und ikonische Porträts präsentiert, die die Persönlichkeit des Komponisten unter die Lupe nehmen und gleichzeitig sein gängiges Bild in der Öffentlichkeit hinterfragen. Berühmte Künstler setzen sich mit Beethoven auf die unterschiedlichste Art und Weise auseinander.

Pop-Art-Ikone Andy Warhol beispielsweise beschäftigte sich noch kurz vor seinem Tod im Jahr 1987 mit Beethovens Konterfei.  Mit ernstem, leicht grimmigem Gesichtsausdruck, Löwenmähne und dunkler Gesichtsfarbe, arbeitend an seinen Noten, stellt er ihn dar. Ein weiteres faszinierendes Exponat stammt von Terry Adkins, der den Komponisten künstlerisch im Rahmen seiner „Black Beethoven“-Serie phantasievoll interpretiert.

In den diversen Zimmern wird veranschaulicht, wie Beethoven zu einer universellen Ikone wurde und noch immer ist. Nach wie vor inspiriert er zeitgenössische Komponisten, Musiker, Künstler und Zuhörer. Dass er zur Leitfigur der Musik und des Humanismus geworden ist, was er den Menschen heute bedeutet und wie er die Welt geprägt hat, wird in einem weiteren der Zimmer veranschaulicht. Seine visionäre Kraft, seine Natur-und Umweltideen, der Geist der Völkerverständigung und die tief empfundene Humanität, die seine Werke atmen, sind auch heute noch aktuell. Beethovens Gehörverlust wird in einem Zimmer thematisiert, in dem seine Musik schweigt, während sie sonst in der Ausstellung allgegenwärtig ist. Beethoven klagte erstmals im Jahr 1801 im Alter von 31 Jahren über Gehörverlust. In den letzten Jahren vor seinem Tod im Jahr 1827 war er vermutlich völlig taub und verließ sich auf sein inneres Ohr, was anhand eines überdimensionalen Exponats verdeutlicht wird.

Während des Rundgangs können wir uns davon überzeugen, dass Beethoven ein Genie und  Perfektionist war. Er komponierte nicht nur für seine Zeitgenossen, sondern vor allem für die Nachwelt. Immer wieder feilte er an seinen Werken, überarbeitete und korrigierte seine Partituren, die im Original zu bestaunen sind. Beethovens einzige Oper, Fidelio, wird im Rahmen einer Filmvorführung, allerdings in einer völlig veränderten Fassung in Anlehnung an die „Black lives Matter“ Bewegung präsentiert.

Ein absolutes Highlight der Ausstellung ist der sogenannte „Ballroom“, in dem sich vier historische Klaviere befinden. Auf ähnlichen spielte Beethoven schon als Kind und komponierte später klanggewaltig seine Sinfonien. Die Ausstellung beeindruckt und stimmt die Besucherinnen und Besucher gleichwohl diskussionsfreudig.

Reservierung und Info: groups@bozar.be

Öffnungszeiten: Dienstag- Sonntag von 10-18Uhr, montags geschlossen

 

Fotos: Heide Newson

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.