60 Jahre Goethe-Institut Belgien

Von Judith Neumann.

Das Goethe-Institut Belgien wurde 1959 eröffnet, und damit gab es  jetzt eine gute Gelegenheit für ein großes Fest.  Am 12. Juni 2019 feierten langjährige Mitarbeiter, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter und viele Gäste den 60. Geburtstag dieser Brüsseler Institution, die auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Vor Jahren gab es viel Kritik, als ihre beliebte deutschsprachige Bibliothek aufgelöst wurde – das wurde allerdings in der Feiertagsstimmung nicht mehr erwähnt.

Stimmungsvoll präsentierte das Institut sich und sein langjähriges Wirken in und für Belgien im Restaurant „Les Jeux d’Hiver“ inmitten des „Bois de la Cambre“. Das Jubiläumsfest wurde mit einer Rede des Generalsekretärs des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, eröffnet. Anschließend wurde der neue Imagefilm des Goethe-Instituts Brüssel der Öffentlichkeit vorgestellt. Zugleich wurde das bisherige Leitungsteam um Susanne Höhn verabschiedet und das neue Leitungsteam um Elke Kaschl-Mohni willkommen geheißen. Am späteren Abend stand dann Hans Nieswandt an seinem DJ-Pult und sorgte mit einer Soundreise durch 60 Jahre deutsch-deutsche Musikgeschichte für eine gut gefüllte Tanzfläche.

Nachhaltige Vernetzung der belgischen und der deutschen Zivilgesellschaft

Seit der Geburtsstunde des Goethe-Instituts Belgien zeichnet sich das Wirken des Brüsseler Instituts aus durch eine aktive und innovative Arbeit im Bereich der sprachlichen Bildung sowie durch eine nachhaltige und produktive Vernetzung der belgischen Szene mit der deutschen.

Hinzugekommen ist in den letzten Jahren die politisch-strategische Positionierung des Goethe-Instituts Belgien gegenüber den europäischen Institutionen. Das Institut hat sich zu einem der wichtigsten Think Tanks für eine künftige Verortung der Kultur im Europäischen Einigungswerk und in den Außenbeziehungen der Europäischen Union entwickelt.

Das Institut befindet sich also in stetem Wandel. Somit gab das runde Jubiläum Anlass, über das, was war, nachzudenken, und dem, was kommt, entgegen zu fiebern.

Ein Interview mit Johannes Ebert, den Generalsekretär des Goethe-Instituts

Herr Ebert, welche Bedeutung hat das Goethe-Institut Belgien?

Johannes Ebert: Weltweit und insbesondere in der europäischen Hauptstadt Brüssel fungiert das Goethe-Institut Belgien als Schaltzentrale für Kulturaustausch und interkulturellen Dialog. Unser Institut hier ist wirklich sehr besonders. Es arbeitet auf drei Ebenen:

  • Wir wirken erstens in unserem dreisprachigen Nachbarland Belgien als strategische wie operative Netzwerkzentrale für Diskurse unserer Zivilgesellschaften.
  • Wir vermitteln deutsche Sprache und schaffen Freiräume für den fruchtbaren Austausch unserer Kulturakteure.
  • Wir bieten ein spartenübergreifendes Kultur- und Bildungsprogramm mit einer Vielzahl von innovativen Veranstaltungsformaten – am liebsten arbeiten wir hier kollaborativ und ko-konstruktiv mit belgisch-deutschen Partnern. Das gilt vor allem auch für Exzellenzprojekte wie z.B. aktuell „Freiraum“, „Alles vergeht außer der Vergangenheit“ und „Neue Wir Erzählungen“.

Zweitens ist unser belgisches Kulturinstitut die Koordinationszentrale der Zentrale des Goethe-Instituts in München für die Region Südwesteuropa. Das sind immerhin 22 Institute von Portugal über Spanien, Italien bis Luxemburg und Frankreich.

Drittens fungiert unser belgisches Institut als Netzwerkzentrale für unsere Positionierung bei den europäischen Institutionen sowie als Impulsgeber für europäische Kooperationsprojekte weltweit. Das heißt Lobbying, aber auch Impulse setzen und Strategien entwickeln für nachhaltige europäische Bildungs- und Kulturprojekte. Diese nehmen erfreulicherweise einen immer größeren Stellenwert ein.

„Eine global agierende Beratungsagentur“

Judith Neumann: Die Europastrategie des Goethe-Institut Belgien ist zukunftsweisend?

Johannes Ebert: Ja, sicher. Gerade die europäische Vernetzungsarbeit positioniert das Goethe-Institut als einen der wichtigen kulturpolitischen Player, der Debatten anregt, damit der Stellenwert der Kultur im europäischen Einigungswert einen höheren Rang gewinnt. Da leistet unser Brüsseler Institut eine wunderbare zukunftsweisende Arbeit.

Wir leiten zum Beispiel auch seit 2016 in unserem Brüsseler Institut das Konsortium der „Cultural Diplomacy Platform“. Das heißt, wir sind die Koordinationsstelle einer global agierenden Beratungsagentur für die EU-Delegationen in den Drittstaaten, das sind die Staaten außerhalb der Europäischen Union. Diese Plattform wurde entwickelt, um die Fähigkeit der EU zu stärken, sich mittels kulturdiplomatischer Aktivitäten für die Bürgerinnen und Bürger aller Länder sowie für die Allgemeinheit einzusetzen. Unsere Plattform unterstützt die EU-Delegationen weltweit bei der Umsetzung von Kulturprojekten. Mit dem Ausbildungsprogramm der Plattform, dem „Global Cultural Leadership Programme“ bieten wir pro Jahr 40 jungen europäischen und außereuropäischen Kulturakteuren die Möglichkeit, ihre Kompetenzen im internationalen Kulturaustausch und im Kulturmanagement zu erweitern.

Zudem engagiert sich das Goethe-Institut als Gründungsmitglied seit mehr als zehn Jahren sehr aktiv im EUNIC-Netzwerk, das ist der Zusammenschluss von nationalen Kulturinstitute in Europa.

Deutsche Sprache in Belgien top?

Judith Neumann: Welchen Stellenwert hat das Erlernen der deutschen Sprache in Belgien?

Johannes Ebert: Belgien ist ein kleines Land mit einem enorm wichtigen historischen Schatz: Hier gibt es drei offizielle Landessprachen, darunter auch die deutsche Sprache. Zudem gibt es immer mehr Schulen, die bereits in der Primarstufe mehrsprachig unterrichten. Als die Sprache eines Nachbarlandes nimmt die deutsche Sprache einen hohen Stellenwert ein, auch weil sich für viele Belgierinnen und Belgier erweiterte berufliche Perspektiven eröffnen mit einem gut gefüllten Sprachenkoffer. Nicht zu vergessen ist auch, dass innerhalb der europäischen Institutionen Deutsch neben Englisch und Französisch die dritte Arbeitssprache ist.

Deutsch ist aber auch für viele in Belgien ansässige international operierende Unternehmen wegen der Attraktivität des Standortes Deutschland eine wichtige Sprache. Das Goethe-Institut in Belgien hat daher in den letzten Jahren verstärkte Anstrengungen unternommen, Deutsch für den Beruf und in der beruflichen Bildung als festes Modul zu etablieren. Viele der renommierten Universitäten und Hochschulen in Belgien verfügen über Fakultäten für Deutsch. Das freut uns.

Fotos: Caroline Lessire 60-Jahrfeier Goethe-Institut Belgien

Nähere Informationen zu den aktuellen Projekten des Goethe-Institutes finden Sie unter: https://www.goethe.de/ins/be/de/kul.html

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