„14-18, es ist unsere Geschichte“

100215_14-18_2Bis zum 26. April 2015 ist die Ausstellung „14 – 18, es ist unsere Geschichte“ im Königlichen Museum der Armee und der Militärgeschichte in Brüssel zu sehen. Das Museum am Cinquantenaire (Jubelpark) veranstaltet gemeinsam mit dem „Museum für Europa“ diese große Referenzausstellung zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg.

Die Firma „tempora“ hat sie als belgische und europäische Ausstellung konzipiert und gestaltet, und der belgische Staat und seine Regionen haben finanziell dazu beigetragen. Wesentliche Quellen für die Ausstellung sind die reichen Sammlungen des Armeemuseums.

Der Rundgang beginnt mit einem Besuch im Belgien der „Belle Époque“, der Zeit, als Europa die Welt kolonisierte und beherrschte. Die Monarchen in Europa waren durchweg miteinander verwandt und trafen sich regelmäßig.

Bei der Brüsseler Weltausstellung von 1910 war das deutsche Kaiserpaar Gast bei der belgischen königlichen Familie. Zahlreiche Erinnerungsstücke, auch die Uniformen der beiden Herrscher, in denen sie gemeinsam auftraten, zeugen davon. Uniformen des deutschen Kaisers sind an dem authentischen verkürzten linken Ärmel leicht zu identifizieren.

Abruptes Ende der „Belle Époque“

100215_14-18_0Ein Schock rief 1914 das Attentat von Sarajewo hervor: Der Täter Gavrilo Princip ermordete den österreichischen Thronfolger mit einer belgischen FN-Pistole. Diese Tat war der Beginn der Ereignisse, die zum Kriegsausbruch führten. Das Deutsche Reich stellte sich auf die Seite Österreichs. Eine Vitrine präsentiert das handschriftliche Original des deutschen Ultimatums, mit dem das Deutsche Reich den Durchmarsch seiner Truppen durch Belgien nach Frankreich erzwingen wollte.

Der Weg führt durch einen nachgebauten Schützengraben, vorbei an Waffen aller Kaliber. Eine Soldatenbüste auf einem Stab sollte helfen, gegnerische Scharfschützen aufzuspüren. Das Leben der Soldaten illustrieren Gebrauchsgegenstände und kleine Kunstwerke.

Auch Uniformen der Kriegsteilnehmer aus den verschiedenen Staaten sind ausgestellt.

Die bittere Besatzungszeit

Sechshunderttausend Belgier waren während der Besetzung Flüchtlinge im Ausland. Tausende leisteten Zwangsarbeit in Deutschland.

Im fast vollständig besetzten Belgien führt der Weg der Ausstellung durch eine deutsche Kommandantur, ein Gefängnis, ein ärmlich ausgestattetes Café und einen Lebensmittelladen mit Nahrungsspenden aus den USA. Der Alltag der Besatzung wird dokumentiert, sogar bis hin zu den Sperrzeiten für die Ausübung der Straßenprostitution in Brüssel. Der besondere Eifer der deutschen Besatzungsmacht, die Rolle und Position des Flämischen in Belgien zu stärken, wird auch auf der Ausstellung behandelt.

Das Grauen des Krieges

100215_14-18_1Die Erinnerung an tote Soldaten und Mitglieder des belgischen Widerstands wird mit Texten, Bildern und Originaldokumenten geweckt. In einem kurzen, eindrucksvollen Film treffen die Schrecken des Krieges und seiner Folgen zusammen. Elend, Leid und Verwundungen kommen ins Bild. Man schreitet über einen Fußboden, der aus Fliesen besteht, die jede für sich die Zerstörungen sichtbar machen. Am Ende des Weges ist der Morsemechanismus des Telegrafen zu sehen, mit dem der Waffenstillstand im Kaiserlichen Hauptquartier in Spa gemeldet wurde. Auch das belgische Exemplar des Versailler Vertrages fehlt nicht unter den Ausstellungsstücken.

Unmittelbar zum Kriegsende verkündete der belgische König Albert I die Einführung des allgemeinen Wahlrechts (damals nur für Männer). Bis zum Tode war er hoch angesehen, wie auch seine Frau, Königin Elisabeth, die sich unermüdlich für die Verwundeten eingesetzt hatte.

Kaiser Wilhelm II. und die Gummibärchen

Der abgedankte Kaiser Wilhelm II lebte im holländischen Doorn und kümmerte sich um Wald und Garten. Für die politische Entwicklung Europas hatte er kein Verständnis. Ein Ausspruch des Ex-Kaisers, mit dem er sich um 1930 aus dem Exil geäußert haben soll steht an einer Wand der Ausstellung: „Die Gummibärchen aus Bonn sind das Einzige, was die Weimarer Republik hervorgebracht hat“. Die Gummibärchen gibt es heute noch. Man sollte sich eher fragen, was das Kaiserreich den Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg hinterlassen hat.

Wie hätten Sie sich im Krieg verhalten? Zum Abschluss des Parcours werden die Besucher einer „Doku-Fiktion“ gegenübergestellt, in der Soldaten des Krieges unterschiedliche Antworten auf Grundsatzfragen und Fragen zum Verhalten im Krieg Stellung nehmen. Die Besucher werden wie Soldaten des Ersten Weltkrieges befragt.

Die Veranstalter hoffen, dass die Ausstellung ebenso erfolgreich wird wie die erste Ausstellung ihrer Art „Ich war 20 im Jahre 1945“, die 1994 und 1995 950 000 Besucher anzog.

Für Lehrerinnen und Lehrer gibt es jetzt eigene Programme, um sie auf den Besuch der Ausstellung mit ihren Klassen vorzubereiten. Tausende haben sich schon im Armeemuseum angemeldet.

Durchgängig wird die Ausstellung in vier Sprachen erläutert: die Texte von Zeitzeugen werden durch Untertitel mehrsprachig. Ein Begleitbuch mit weiterführenden Beiträgen ist auf Französisch und Niederländisch erhältlich.

Weitere Informationen: http:/www.expo14-18.be

von Jan Kurlemann

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