Innovationsgipfel von Sprachtechnologie-Unternehmen in Brüssel

Von Jan Kurlemann.

Veranstaltung

Paul Rübig MdEP, Margaretha Mazura

„Die Mehrsprachigkeit Europas kann eine Hürde für den digitalen Binnenmarkt bedeuten, weil sie ihn fragmentiert“, erklärte Paul Rübig, österreichisches Mitglied des Europäischen Parlaments, zur Eröffnung des Vierten „LT Inter-Innovative Summit“, der am 25. und 26. Juni 2015 in Brüssel stattfand. Durch eine Integration von Sprachtechnologien in Dienstleistungen von Unternehmen und Öffentlichen Diensten könne dies Hindernis überwunden werden, so der Politiker. Hinter dem Kongress steht „LT Innovate“, ein Zusammenschluss von Sprachtechnologie-Unternehmen.

Rübig betonte die Bedeutung der Mehrsprachigkeit für Europas Kultur und nannte als Ziel eine Garantie, dass alle Europäer in ihrer Sprache am digitalen Binnenmarkt teilnehmen können. Der Sektor solle über alle nationalen und regionalen Sprachgrenzen hinaus wachsen können.Damit würde die Mehrsprachigkeit Europas von einem Hindernis zum Wettbewebsvorteil. Das Bild zeigt Paul Rübig mit Margaretha Mazura, der Generalsekretärin der EMF, eines Netzwerks von kleinen und mittleren Unternehmen für Inhalte und Technologie,die sich für Exzellenz in der digitalen Wirtschaft einsetzen.

Das vielsprachige Europa

Die „Krönung des Digitalen Binnenmarktes“ nennen die Veranstalter das vielsprachige Europa. Infrastrukturen und die Aktionen der Europäischen Kommission standen am ersten Kongresstag im Vordergrund. Außerdem ging es um sprachliche Ressourcen, Technologie und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Am zweiten Tage ging es um nachhaltiges Wachstum der Unernehmen durch Sprachtechnologie. Christophe Leclercq, der Gründer von EurActiv, stellt aktuelle Projekte vor und ging auf die Veränderungen in den Medien ein.

Alexander de Croo: Belgien aufrütteln!

Was die digitale Agenda für einen einzelnen Mitgliedstaat der EU bedeutet, beschrieb der Vize-Premierminister Belgiens Alexander de Croo in seinem Schlussreferat. Er hat als erster Minister die digitale Agenda in seiner Kompetenz, eine echte Neuerung in der Regierung. Aufrütteln will er das Volk in Belgien, dessen Bevölkerung so vielsprachig ist wie in kaum einem anderen Land. Für ihn ist „das Digitale für alle da“. Es biete Zugang zur Ökonomie, zu eigener unternehmerischer Tätigkeit, zu Bildung und Fortbildung. Die Sprache müsse dabei als Werkzeug eingesetzt werden. Man müsse die Menschen in der Sprache einsetzen, die sie am besten verstehen, so der Minister. Geld genug sei in Belgien für die notwendigen Investitionen vorhanden. Man müsse es „aktivieren und mobilisieren. Schulkinder wie sein sechsjähriger Sohn müssten heute digitale Fähigkeiten für die Welt in zwanzig Jahren entwickeln.Dafür brauchten die Lehrer mehr Freiheit, rigide Lehrpläne müssten gelockert werden.

„Öffnung“ der Gesetzgebung

Netzzugang und hohe Netzgeschwindigkeit sind für de Croo entscheidend. Er nennt Belgien führend in Europa, und die Geschwindigkeit soll in den nächsten Jahren auf das Dreißigfache gesteigert werden. Was nicht verboten ist, soll erlaubt sein und nicht wie bisher umgekehrt. Neuartige Dienstleistungen wie „Uber“ müssten die soziale und sonstige Gesetzgebung beachten. Vielleicht müsse man aber auch die Gesetzgebung anpassen.

„Wir sind so gut wie die Anderen, vielleicht besser“, meint de Croo. Doch die USA sind der größte Markt und ziehen innovative Unternehmen an. Es sei ein Unding, dass in Europa elektronische Bestellungen abgelehnt werden könnten, weil der Besteller im falschen Land wohnt. Sprachen böten gigantische Möglichkeiten, gerade in Brüssel.

De Croo weiß, wovon er spricht. Hat er doch selbst ein Unternehmen gegründet, das Gerichtsentscheidungen aus verschiedenen Ländern sammelt und analysiert. Es existiert immer noch, auch wenn er es verkauft hat.

Die Daten – ein Schatz

Den größten Schatz an Daten besitze die öffentliche Hand. Man müsse diese Grundlage nutzen, und so könne man Entscheidungen auf Fakten gründen. Natürlich müsse der individuelle Datenschutz gesichert sein. Politiker dürfen nicht die unternehmerischen Entscheidungen treffen so der Vize-Premier zum Schluss. Sie könnten die Entwicklung stimulieren und unterstützen, mehr nicht.

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