„Zwischentöne“ im Poetry Slam in Brüssel

30480095902_6bc941ee55_zVon Miriam Pankarz.

Kommen Sie herein, setzen Sie sich und genießen Sie bei einem Glas Wein einen fröhlichen, bunten und abwechslungsreichen Abend! Tauchen Sie ein in die Welt des gesprochenen Wortes, voller Phantasie, klugen Gedanken und irrwitzigen Geschichten! Was im vergangenen Jahr schon guten Anklang fand, wurde in bester Manier durch die Landesvertretung NRW in diesem Jahr fortgesetzt.

Die Welt der Wortakrobaten
Vier Künstler traten im Dichterwettstreit an, duellierten sich mit Worten und versuchten, zum König oder auch zur Königin des Abend gekürt zu werden. Die Regeln des literarischen Wettstreits sind schnell erklärt. Ausschließlich selbstgeschriebene Texte dürfen innerhalb von sechs Minuten den geneigten Zuhörern vorgetragen werden. Eine Jury wird ernannt, diese verteilt nach jedem Beitrag ihre Punkte und kürt abschließend den Sieger.

Durch den bunten Abend führten, wie auch schon im vergangenen Jahr, das Moderationsduo Maxim Pause und Jonas Jahn. Beide sind seit vielen Jahren auf den Poetry-Bühnen zu Hause und führten sicher und mit viel Freude durch den kurzweiligen Abend. Musikalisch eingerahmt wurde der bunte Kulturabend von Matthias Reuter und seinem Klavier.

Die thematische Bandbreite war groß, es wurden Geschichten erzählt, die besonders durch Vielfalt glänzten. Die eingeladenen Künstler sind seit vielen Jahren gern gesehene Gäste in der Welt der Wortakrobaten. Frank Klötgen ist Slampoet, Sänger und Texter und dreht in diesem Jahr seine letzte Runde auf den Poetry-Slam Bühnen der Welt. Nach 200 Auftritten in 20 Ländern auf vier Kontinenten will er sich zukünftig nur noch seinen Solo-Shows widmen. Sein Stil kommt der klassischen Dichtung sehr nahe. Poetisch trägt er seine Texte zu skurrilen Themen vor.

Quichotte, ein Dichter, Rapper, Stand-up Künstler und regelmäßiger Gast bei Nightwash wird beschrieben als der mutige Kämpfer, der gegen die Windmühlen trivialer und seichter Unterhaltung zu Felde zieht. Sandra Da Vina aus Essen gewann als einzige Frau die NRW-Landesmeisterschaften im Poetry-Slam. Nur über Luca Swieter aus Aachen ist noch nicht soviel bekannt. Sie sprang kurzfristig für eine andere Künsterin ein und stand dennoch ihren Mitstreitern wahrlich in nichts nach.

30597175295_d5110efcaa_zAuf ins Land der Phantasie
Es ist die Welt der „Zwischentöne“, in die der Zuschauer gemeinsam mit Quichotte abtaucht, sich auf eine kleine Reise durch seine Jugendzeit mit dem versoffenen Knolle begibt, begegnet Killer Harken, dem schwulen Francesco und dem Mops Napoleon in einem Kiosk am Kölner Eigelstein, begleitet die zweijährige Luca Sweater bei ihrem bösen Streifzug durch ihren Kindergarten, bekam mit Sandra Da Vina seinen ersten Kuss und durfte sich mit Frank Klötken ausgiebige poetische Gedanken über die Pickelproduktion machen. Die Texte wurden hierbei nicht gelesen, sondern performt: schreien, flüstern, jaulen, keuchen und rhythmisches Sprechen waren dabei nur ein paar Vortragsformen, die dem jeweiligen Text seine ganz eigene Dynamik verschafften.

Gewinner des Sprachkunst-Abends in Brüssel war in diesem Jahr Quichotte aus Köln, der mit seinen Geschichten übers einfache Leben, seine Liebe zu skurrilen Menschen humoristisch verpackt, und dadurch im leisen Nebensatz zu einer liberalen Gesellschaft auffordert.

Poetry-Slam als Volkskultur

Die Form der kultivierten Dichterschlacht hat sich zu einer neuen Volkskultur entwickelt. Für viele Künstler gilt die Slam-Bühne als Sprungbrett, das Internet macht es möglich. Im Publikum wird gefilmt und in wenigen Sekunden verbreitet sich der Slam über die sozialen Netzwerke und erhält Einzug in die heimischen Wohnzimmer. Julia Engelmann ist ein gutes Beispiel für dieses Phänomen. Mit ihrem Text „Eines Tages Baby…“ schaffte sie es in kürzester Zeit zu mehr als 9 Millionen Klicks. Mit nur einem Klick kann gelacht, geschmunzelt oder vielleicht sogar geweint werden. Vielleicht wurde ja auch der ein oder andere Beitrag aus dem Brüsseler Abend mitgefilmt und lässt sich auf dem großen Tummelplatz des hiesigen Internets wiederfinden?!

Infos:  Die Veranstaltungsform Poetry Slam entstand bereits 1986 in Chicago und verbreitete sich in den 90er Jahren weltweit. Hierbei gilt die deutschsprachige Slam-Szene als die zweitgrößte. In Deutschland finden mehr als 130 Poetry Slam regelmäßig statt, die bis zu 1000 Zuschauer pro Veranstaltung erreichen. Der 18. „European Champions Poetry Slam“ wird in Leuven vom 24. bis 26. November stattfinden. Weitere Veranstaltungen in Belgien: http://beslam.be/ (nl)

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