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Zwei außergewöhnliche Künstlerinnen „begegnen“ sich in Brüssel

 

Von Franziska Annerl

Frauen sind in der Kunst nach wie vor unterrepräsentiert. Es gibt zwar immer mehr Malerinnen, Fotografinnen oder Bildhauerinnen. Aber sie werden immer noch weniger wahrgenommen als ihre männlichen Kollegen. Grund genug für die belgische Künstlerin Isabelle de Borchgrave, ihrer mexikanischen Kollegin Frida Kahlo ihre aktuelle Ausstellung „Miradas de Mujeres“ in den Brüsseler Musées royaux des Beaux-Arts zu widmen.

Die Malerin und Bildhauerin Isabelle de Borchgrave ist vor allem für ihre farbenfrohen Gemälde und kunstvoll bemalten Papierskulpturen bekannt. Für ihre aktuelle Ausstellung hat sie fast 40 Kleider und persönliche Outfits der Ausnahmeartistin Kahlo nachgebildet. Warum Frida Kahlo? „Alles begann mit einer Ausstellung, die nicht stattfand. Ich wurde gebeten, neun schwarz-weiße Kleider von Frida zu kreieren, um eine Schwarz-Weiß-Fotoausstellung zu begleiten. Schließlich fand die Ausstellung nicht statt und ich fand mich mit diesen Kleidern wieder. Ich fand sie ein wenig traurig, also fügte ich Elemente in Farbe hinzu – bunte Schals, Halsketten, Kopfbedeckungen. So fing alles an“, erzählt Isabelle de Borchgrave im Gespräch mit Belgieninfo. „Ich hatte dann die Gelegenheit, ihr Haus in Mexiko zu besuchen und ihr ganzes Universum zu entdecken. Ich sah, dass diese Frau, die oft als leidend dargestellt wird, eine Lebensfreude und eine Liebe zu Farben hatte, die ich teile.“

Die Ausstellung zeigt nicht einfach Frida Kahlos Kleider. Sie ermöglicht den Besucher:innen, direkt in die Welt der Mexikanerin einzutauchen: Das Wohnzimmer, die Werkstatt, die Küche, das Ankleidezimmer oder der Garten von Frida Kahlo sind im Museum nachgestellt und zu betreten. Frida Kahlo (1907-1954) ist die mit Abstand bekannteste Malerin Mexikos, wenn nicht sogar Lateinamerikas. Nach einem Busunfall ans Bett gefesselt, begann sie zu malen und wurde nicht zuletzt durch ihre Leidensgeschichte zur Ikone. Sie kämpfte schon in jungen Jahren gegen die Ungleichheiten der mexikanischen Gesellschaft und setzte sich für die Emanzipation der Frauen ein. In ihrer Kunst widersetzte sie sich Geschlechterstereotypen und ästhetischen Normen.

Nach Isabelle de Borchgraves Ansicht hat sich die Rolle der Künstlerin seit Frida Kahlos Zeit nicht verändert. Ihre Tipps an Frauen, die heute eine Künstlerkarriere starten? „Fangen Sie sehr früh an, staunen Sie ständig und halten Sie durch! Als ich begann, gab es viel weniger Künstlerinnen als heute. Das hielt mich aber nicht davon ab, das zu tun, was ich liebe.“ Isabelle de Borchgrave hat ihr eigenes Studio, in dem sie u.a. Kleider, Schals, Schmuck, Accessoires und auch Stoffe entwirft. Sie hat als Mode- und Innenarchitektin mit Firmen wie Comme des Garçons, Christian Dior, Hermès, Villeroy & Boch, Pierre Frey, Lanvin oder Caspari zusammengearbeitet.

© Fotos: Sophie Carrée Press

Les Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique

Miradas de Mujeres

Noch bis 13. Februar 2023

Dienstag-Freitag 10.00-17.00

Wochenende 11.00-18.00

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