Zum 50. Todestag von Königin Elisabeth von Belgien

160px-Verlovingsfoto_-Hertog_van_BrabantVon Heide Newson und Jan Kurlemann.

Königin Elisabeth von Belgien bewegt und begeistert auch heute noch viele Menschen in Deutschland und Belgien. Sie wurde im Jahr 1876 in Possenhofen (Bayern) geboren, liebte Literatur. Kunst und Musik, sprach viele Fremdsprachen, darunter Russisch. Sie war unkonventionell, reiste und fotografierte viel; kurz gesagt hatte sie ein langes, interessantes und ausgefülltes Leben. Anlässlich ihres 50. Todestages wurde sie in der Vertretung des Freistaates Bayern auf Einladung der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft im Rahmen einer Gedenkfeier mit Fotoausstellung besonders gewürdigt.

Diese Gedenkfeier sollte eigentlich am 23. November 2015, ihrem 50. Todestag stattfinden, wie der in Eupen geborene Fernand Samsoen, Archivar und Dokumentar der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft mitteilte, der die Gedenkfeier organisiert hatte. Wegen der damaligen „Terrorstufe Drei“ musste sie verschoben werden.

Belgische und deutsche Gäste

Über hundert Geladene, darunter die Mitglieder der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft, waren gekommen, um eine Königin zu würdigen, deren unerschrockenes Verhalten in beiden Weltkriegen ihre Untertanen beeindruckte.

Barbara Schretter, die neue Leiterin der Bayerischen Vertretung, Prinz Albert-Henri de Merode, Präsident der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft sowie Deutschlands Botschafter Rüdiger Lüdeking gedachten in kurzen Ansprachen einer großen Königin, und seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern schickte eine Grußbotschaft: „Diese Ausstellung trägt gewiss dazu bei, die Erinnerung an Königin Elisabeth, meine Großtante, wach zu halten“, schrieb der Chef des Hauses Wittelsbach.

Die Königin musizierte selbst zusammen mit Albert Einstein und Albert Schweitzer, sowie mit dem berühmten Geiger und Komponisten Eugène Ysaye. So kam es nicht von ungefähr, dass die Gedenkfeier musikalisch von Solistinnen begleitet wurde. 

Fotoausstellung mit unveröffentlichten Bildern in der Bayern-Vertretung

Ein weiterer Höhepunkt der Gedenkfeier: Fotos der hübschen reise- und abenteuerlustigen Elisabeth auf einer Großleinwand sowie in einer Vitrine. Zu sehen ist sie an der Seite ihres Ehemanns König Albert I., mit ihren Kindern, als junges Mädchen beim Geigenspiel, wie sie unbekümmert durchs Leben geht, oder bei ihrem Einsatz im Ersten Weltkrieg, als sie sich um die vielen Verwundeten kümmert.

Dass man sich anhand der zum Teil bislang unveröffentlichten Fotos ein umfassendes Bild von ihrem Leben machen kann, ist Fernand Samsoen zu verdanken, der als Vize-Präsident der Stiftung „Atelier Marcel Hastir“ Zugang zum Atelier des Archivs hat, in dem Königin Elisabeth zusammen mit dem Hofkapellmeister, Lehrer, sowie musikalischem Berater, Eugène Isaye, Mitte der 30er Jahre den „Concours Reine Elisabeth“ ins Leben rief.

Myriam Dauven, Mitautorin des Buchs „Elisabeth de Belgique“

Ein kurzes Referat über Königin Elisabeth und über ihr langes Leben von 89 Jahren zu halten, erscheint unmöglich“, erklärte Myriam Dauven, früher Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule „ICHEC“ „Zwei Höhepunkte ihres Lebens sollen heute im Mittelpunkt stehen: Ihre Rolle im Ersten Weltkrieg, und ihr Einfluss und ihre Initiativen auf dem Gebiet der Musik.“

In ihrem Referat befasste sich die Buchautorin vornehmlich mit der Herkunft, Kindheit und Jugend der Königin, sowie ihrem tatkräftigen Einsatz im Ersten Weltkrieg.

Kindheit und Jugend

Prinzessin Elisabeth wurde am 25. Juli 1876 auf Schloss Possenhofen geboren. Ihre Taufpatin war Kaiserin Elisabeth von Österreich, die berühmte Sissi“, so Frau Dauven. „Ihr Vater war der Augenarzt und frühere General Dr. Carl-Theodor von Wittelsbach, Herzog in Bayern, ihre Mutter Maria-Josepha, Herzogin von Bragança und Infantin von Portugal.“

Nach der Autorin war Elisabeth eine lebhafte Prinzessin mit energischem Charakter, deren Vater ihr auf langen Spaziergängen die Augen für die wunderschöne Natur geöffnet und ihr seine Liebe zu Literatur, Malerei und Musik vermittelt habe. So war es nicht verwunderlich, dass Elisabeth Violine und Piano studierte, und auf gleich zwei Schulen Französisch, Italienisch und sogar Russisch lernte.

Albert und Elisabeth

Elisabeth und Kronprinz Albert von Belgien lernten sich im Mai 1897 beim Begräbnis ihrer Tante Sophie, Herzogin von Alençon in Paris kennen, die bei einem Kaufhausbrand umgekommen war. Am 2. Oktober 1900 heirateten sie in München, und 1909 wurde Elisabeth die dritte Königin der Belgier.

Der Engel der Verwundeten

Weiter berichtet die Autorin, wie sich die Königin seit dem Einmarsch der deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg um das Los ihrer belgischen Landsleute kümmerte. Sie habe den Königlichen Palast in Laeken mit Unterstützung des Belgischen Roten Kreuzes zum Feldlazarett umfunktioniert.

Nach dem Umzug des Königspaares nach De Panne ins unbesetzte Belgien habe eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Chirurgen Antoine Depage im Meereskrankenhaus „Hôpital de l`Océan“ begonnen, das unmittelbar hinter der Front eingerichtet worden sei.

Unermüdlich habe die Königin auch andere Lazarette und Krankentransporteinrichtungen besucht, und ihre außerordentliche Organisationsgabe und ihr Durchsetzunsvermögen unter Beweis gestellt. „Sie als eine „Reine infirmière“ zu bezeichnen, würde allerdings ihrer bedeutenden Rolle nicht gerecht,“ so die Autorin.

Der Musikwettbewerb der Königin

Ein musikalisches Denkmal habe sie der Welt mit dem „Concours Reine Elisabeth“ gesetzt. Die Königin habe sich sehr für Wissenschaft, Literatur und Kunst interessiert, sowie Kontakte und Korrespondenz mit Künstlern und Wissenschaftlern gepflegt. Aktiv habe sie sich an dem Projekt des “Palais des Beaux Arts“ beteiligt.

Seit 1951 trage der Wettbewerb „Concours musical international Reine Elisabeth de Belgique“ ihren Namen, der zum ersten Mal 1937 von der „Stiftung Königin Elisabeth“ als Internationaler Violinwettbewerb Eugène Isaye veranstaltet worden sei.

Sieger war damals der russische Geigenvirtuose David Oistrach,“ so die Autorin. „Ab 1938 konnten sich Pianisten ebenfalls bewerben.“ Dank dem Mäzen Graf Paul de Launoit, der das Grundstück zur Verfügung gestellt habe. sei in Argenteuil unweit von Brüssel die „Chapelle Musicale Reine Elisabeth“ geschaffen worden, ein Ort für junge Talente aus der ganzen Welt.

Eine Stradivari-Violine als Vermächtnis der Königin

«Noch im Jahr 1959 spielte Königin Elisabeth zusammen mit dem Violinvirtuosen Igor Oistrach, David Oistrachs Sohn, Violine. Er nannte ihr Spiel «perfekt», berichtete Myriam Dauven. Als Vermächtnis habe sie Igor Oistrach die Stradivari-Violine hinterlassen, auf der sie zusammen mit ihm gespielt habe. Das Instrument habe heute seinen Platz im Glinka-Museum in Moskau.

Umrahmt und abgeschlossen wurde die bewegende, würdevolle Gedenkfeier mit den virtuosen musikalischen Einlagen der Solistinnen der «Chapelle Musicale Reine Elisabeth». Das wäre wohl so ganz nach dem Geschmack der Königin und Musikmäzenin gewesen. Was für eine stilvolle Feier, so die einstimmige Meinung der Gäste.

Schade, dass das Werk „Elisabeth de Belgique, ou les défis d’une Reine“ (Georges-Henri Dumont et Myriam Dauven) vergriffen ist. Aber antiquarisch ist es noch zu haben. Die Veranstaltung fand am 25. April statt.

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