Wiener Ball: Bis zum letzten Würstel

 

Von Karin Lukas-Eder.

Wenn vor dem Concert Noble die Taxis halten, Damen in langen, üppigen Roben und Herren im Smoking oder Frack aussteigen – dann ist es der Abend des alljährlichen Wiener Balls in Brüssel. Dieses Jahr war die Nachfrage besonders groß, schon im Dezember 2017 war der Ball quasi ausverkauft. Es schien, dass diesmal so fast jeder bei diesem gesellschaftlichen Großereignis dabei sein wollte.

Die rund 850 Gäste, denen es gelungen war, eine Eintrittskarte zu erhaschen, erlebten wieder eine unvergessliche, rauschende Ballnacht. Darunter auch zahlreiche Ehrengäste, allen voran die österreichische Botschafterin Dr. Elisabeth Kornfeind und EU-Botschafter Dr. Nikolaus Marschik. Was für ein glänzendes Ansehen der Brüsseler Wiener Ball hat, zeigte die Anwesenheit von Frau Dr. Benita Ferrero-Waldner, Kommissarin und Bundesministerin a.D. mit Ehemann Prof. Francisco Ferrero Campos, Frau Botschafterin Piritta Asunmaa (Leiterin der Vertretung von Finnland bei der NATO), Botschafter Jiri Sedivy (Ständiger Vertreter der Tschechischen Republik bei der NATO), Botschafter Dr. Thomas Mayr-Harting sowie der Generaldirektor der Generaldirektion NEAR, Herr Christian Danielsson. Die Schirmherrschaft übernahm auch dieses Jahr der Bürgermeister der Stadt Wien, Dr. Michael Häupl, und Herr Gemeinderat Peter Florianschütz ließ es sich nun schon das zweite Mal in Folge nicht nehmen, den Brüsseler Ball als Vertreter der Stadt Wien persönlich zu besuchen.

Der neu gewählte Präsident der Österreichischen Vereinigung, Herr Dr. Günther Ettl (Titelbild mit Tochter), eröffnete feierlich den Ball und bedankte sich für die ausgezeichnete Arbeit beim Ballkomitee unter der Leitung von Barbara Francois und Karin Lukas-Eder. In seiner Funktion als Präsident war es sein erster Auftritt beim Ball, aber seine Nervosität galt wohl mehr dem ersten Auftritt seiner Tochter Magdalena als Debütantin. Wie jedes Jahr wurde das Ballorchester Dr. Krisper aus Wien eingeflogen und so fegten die Damen in Ballroben und die Herren im Smoking bei Walzerklängen, Polka und Swing über die wie immer leider viel zu kleine Tanzfläche.

Zu kleine Tanzfläche, wie immer

Ein Highlight war die Quadrille, wo das vorprogrammierte Durcheinander auf der Tanzfläche allen besonders viel Freude bereitete. Speis und Trank in österreichischem Stil kamen auch nicht zu kurz. Feine Würstel, knusprige Schnitzel, würzige Gulaschsuppe. Und zu späterer Stunde ein Apfelstrudel oder ein Stück „sündige“ Sachertorte. Übrig geblieben ist nichts vom Essen. Der Champagner war um 2.30 Uhr ausgetrunken, aber dann ging man eben zu österreichischem Wein und Bier (dieses Jahr Hirter Bier!) über. Beim Wiener Ball trinkt man kein Wasser. Viel zu früh erklang das „Brüderlein Fein“, wo um 4 Uhr früh nach wie vor rund 200 Gäste die Tanzfläche säumten.

Der Wiener Ball 2018 ist Geschichte, 2019 steht vor der Tür. Eine der beiden Hauptorganisatorinnen des Wiener Balls, Karin Lukas-Eder, war bereit, wenige organisatorische Details preiszugeben: „Der große Andrang auf den diesjährigen Ball war nicht unbedingt leicht zu bewältigen. Besonders interessant waren die mehrfachen (und leider auch penetranten) Anrufe Anfang November, wo Beschwerden eingingen, dass der Nachbar eine Einladung erhalten hätte, man selbst jedoch nicht. Interessantes Detail: Zu diesem Zeitpunkt waren die Einladungen noch nicht einmal gedruckt! Wir hatten schon befürchtet, dass es womöglich einen Schwarzmarkt gäbe, denn schon im Dezember war der Ball quasi ausverkauft. Nichtsdestotrotz: Als Organisator eines Charity-Events wird man alles tun, was man tun kann. Nach Ablauf des Datums für Kartenbestellung hat man also noch mit Nachtarbeit und viel Geschick versucht, so vielen Leuten wie möglich den Traum der Wiener Ballnacht in Brüssel zu ermöglichen.

Die Ballnacht selbst verlief wie geplant und also relativ ruhig. Die Ballettkinder waren entzückend, das Damen- und Herrenkomitee brillierte mit hervorragender Tanzkultur. Das Personal des Catering war etwas überfordert, aber das war bei so vielen durstigen Leuten im Gedränge wirklich keine Überraschung. Dazu der Hinweis auf die Baumdekoration, die umfiel, aber Gott sei Dank nur einige Schrecksekunden der Betroffenen verursacht hat und keine Verletzten. Der Herr, der bei der Tombola die Kaffeemaschine gewonnen hat, war etwas überrascht, dass er keinen Voucher erhält, sondern gleich eine Maschine in die Arme gedrückt bekam. Weitere kleine Hoppalas sind nicht nennenswert. Das Concert Noble und vor allem die Tanzfläche lassen sich leider nicht vergrößern und um 4 Uhr ist halt leider Schluss. Das ist für alle nicht zufriedenstellend, aber so ist die Tradition. Die Atmosphäre war wieder wunderbar und der „Fleckerlwalzer“ hat doch auch seinen Charme, oder?“

 

Erlebnisbericht der Debütantin Magdalena Ettl

 

 

Am 3. Februar 2018 durfte ich als eine von 23 Debütantinnen in Brüssel den Wiener Ball eröffnen. In Weiss über das Parkett zu gleiten war schon immer mein Traum. Von klein auf tanze ich und einen richtigen Ball zu eröffnen, habe ich mir schon immer gewünscht. Für mich kamen zwei beste Gelegenheiten zusammen. Die Erfüllung eines Märchentraums und andererseits die Möglichkeit zu erhalten, in Weiss, wie es in Österreich üblich ist, „den“ Ball zu eröffnen. Wien in Brüssel, mehr geht nicht.

Schon im September 2017 fingen wir an, mit Monsieur und Madame Houtart jeden Mittwoch Abend zwei Stunden lang zu proben. Wir waren insgesamt 22 Tanzpaare. Die meisten Teilnehmer waren um einiges älter und viele hatten schon mehrmals debütiert, daher waren mein Tanzpartner und ich ziemlich nervös. Aber die anfängliche Nervosität wich bald einer fröhlichen Gelassenheit und die Proben verliefen mit viel Spaß und Gelächter. Als der große Abend dann gekommen war, standen wir alle frisiert und gekleidet um 17:00 Uhr in den Startlöchern für eine letzte Probe vor Ort mit dem Orchester. Und dann war er da, der große Event, auf den wir uns schon so lange vorbereitet hatten.

Den Ball als Debütantin zu erleben ist nochmal etwas ganz anderes als „nur“ wie ein Gast zu kommen. Man erlebt den Abend und Ball von einer ganz anderen Perspektive; man wird Teil dieser wunderbaren Tanznacht. Am Ende des Balles gegen 4 Uhr früh fuhren alle Debütanten und Debütantinnen in die Galeries Royales Saint-Hubert, wo wir unsere ganze Eröffnung nochmal tanzen durften. Die Füße schmerzten dann bald schon, aber das hat uns nicht mehr gestört. Um 6 Uhr fiel ich totmüde, aber um eine unvergessliche Erfahrung reicher, ins Bett.

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